Ausblick 2021 02.02.2021, 10:29 Uhr

Eine Verlängerung des Lockdowns wäre katastrophal.

…so das bittere Resümee von Intersport-CEO Alexander von Preen. Januar und Februar zählen zu den umsatzstärksten Monaten, in denen die Intersport-Händler rund 25 Prozent des Gesamtjahresumsatzes generieren. 
Alexander v.Preen, CEO Intersport
(Quelle: Intersport)
Wie starten Sie ins neue Jahr und was würden Sie sich wünschen?
Unsere selbstständigen Sportfachhändler verlieren mit jeder weiteren Woche der erzwungenen Ladenschließung Geld und Liquidität – und die Existenznot wird bei den bis dato nicht zugeflossenen Unterstützungsleistungen von Bund und Ländern weiter steigen. Im Intersport-Verbund konnten wir die Verluste durch den ersten Lockdown im Frühjahr teilweise aufholen. Durch den verzerrten Lockdown Light ab November 2020 und die verordneten Ladenschließungen seit dem 16. Dezember wurde uns und den Intersport-Händler dann aber das umsatzstarke Wintergeschäft komplett verhagelt. Insbesondere im Falle einer Verlängerung der Ladenschließungen fordern wir folgende drei Themen ein: Einheitliche und bundesweite Click & Collect-Regelung, Wettbewerbsgleichheit im Einzelhandel mit einer stationären Verkaufsunterlassung von Sportartikeln und freizeitorientierten Nonfood-Artikeln im weiterhin geöffneten Lebensmittelhandel, Unterstützungsleistungen, die sich am aktuell nicht veräußerbaren Warenbestand in den stationären Geschäften orientieren und damit den direkt entgangenen Gewinnen in der aktuellen Situation Rechnung tragen.

Wie muss sich der Handel jetzt aufstellen?
Auf Cash-Management umstellen. Ohne wirkliche Verkaufsmöglichkeiten müssen wir aktiv die Kostenstrukturen managen: Kurzarbeit, Mietanpassungen und auf Wochen- bis zur Tagesebene die Liquidität auf die individuelle Händlersituation anpassen. Unterstützungsleistungen beantragen. Dort wo es möglich ist und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Unterstützung rechtfertigen, sollten unmittelbar die Überbrückungshilfen III bzw. die erweiterte Überbrückungshilfe III beantragt werden. Momentan herrscht allerdings Chaos bei den Corona-Hilfen und die notwendigen Unterstützungsleistungen kommen bei den Händlern nicht an. Hier muss die Politik sofort handeln, um kein weiteres Vertrauen zu verspielen. Click & Collect als kleines Zubrot nutzen. 

Wie sollen Händler mit liegengebliebener Ware umgehen?
Unsere Forderung ist, dass die stationären Händler einen Abschlag auf den Warenbestand vom 31.12.2020 von 50 Prozent erhalten! Damit würde die Bundesregierung genau den entgangenen Gewinn durch den Nichtverkauf der Produkte unterstützen. Denn diese konnten aufgrund der Saisonalität nicht vermarktet werden. Es ist daher ganz besonders wichtig, dass kurzfristig die dringend notwendige Liquidität zu den Händlern kommt! Durch einen solchen gewinn- bzw. ertragsorientierten Ansatz würden die Händler die Ware mit Augenmaß verkaufen können und sich damit letztlich wieder Liquidität verschaffen, um neue Ware bei der Industrie einzukaufen.

Was dürfen Händler nun von Intersport erwarten?
Wir können unseren Mitglieder für eine Vielzahl von Sortimenten bereits eine digitale Order ermöglichen und damit in Corona-Zeiten unsere physischen Messeangebote absichern und erweitern. Gleichzeitig haben wir durch unser Zentrallager in Heilbronn die Möglichkeit unmittelbar in die Supply Chain einzugreifen und entsprechend der Nachfrage zu steuern und im Bedarfsfall auch die Belieferung für unsere Händler zu stoppen. Wir sind mit unseren Lieferanten zu jeder Zeit im Austausch und versuchen partnerschaftlich Lösungen für verlängerte Zahlungsziele und Valutierungen zu finden. Im Sommer 2020 hat das Bundeskartellamt unsere E-Commerce-Lösung gebilligt. In unserem sog. Streckenmodell binden wir die stationären Bestände unserer Händler über www.intersport.de ein und spielen sie zentral an die Kunden aus. Während des Lockdown haben wir die selektiven Vertriebskriterien unserer Exklusivmarken gelockert, um unseren Händlern einen Abverkauf über Drittplattformen und Marktplätze zu ermöglichen. Gerade jetzt zählt es auch in neue Geschäftsmodelle zu investieren. Mit den Intersport Marketing Services IMS bieten wir ersten Händlern und Partnern zusätzlich Vermarktungsmöglichkeiten an. Letztlich zählt aber, dass wir uns Gehör verschaffen bei der Politik. Sport hat keine große Lobby. 

Astrid Schlüchter
Autor(in) Astrid Schlüchter


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