sport+mode
Der Skitourenmarkt verzeichnet guten Zulauf. Entsprechend positiv berichten die Marken (Foto: Ortovox)

Das ist der Gipfel!

  • 16.02.2015

Der Tourenmarkt lockt mit verheißungsvollen Anstiegen und satten Schwüngen: Hersteller berichten von zweistelligen Zuwächsen. Dabei werden die Spielarten und Zielgruppen immer vielfältiger, die Übergänge zu Freeride sind inzwischen fließend. Im Winter 2015/16 schwimmen die breiten Freetourer oben auf

Die Zahl der aktiven Tourengeher für Deutschland und Österreich liegen schätzungsweise bei rund 700.000 (Foto: Ortovox)

Eigene Wege gehen, den Berg aus eigener Kraft bezwingen, eins sein mit der Natur, die eigene Linie in den Schnee setzen – wenn Individualität der Zeitgeist der 2010er Jahre ist, ist Tourengehen das sportliche Grundrauschen. Es sind längst nicht mehr nur die Reinhold Messners des Skibergsteigens, die den Berg hochstiefeln. Tourengehen ist massentauglich und „cool“ geworden.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) geht von inzwischen rund 400.000 aktiven Tourengehern in Deutschland aus. „Wir sehen in diesem Sport ein großes Potenzial, insbesondere bezüglich Skitouren auf Pisten und was beliebte und einfache Modetouren betrifft“, lässt der DAV verlaut­baren. Aus der Industrie sind ähnliche Einschätzungen zu hören. Schorsch Reindl, Verkaufsleiter Deutschland von Dynafit, be­ziffert die Zahl der aktiven Tourengeher für Deutschland und Österreich auf zusammengenommen 700.000. Der Touren­spezialist, Tochter der Südtiroler Salewa-Gruppe, hat sich eigenen Angaben zufolge in den letzten Jahren zweistellig steigern können. „Das Thema Skitouren ist sowohl im Handel als auch in den Medien breit und begehrlich platziert. Zum anderen hat sich auch das Material stark weiterentwickelt“, weiß Hendrik Reschke von Backcountry-Spezialist Ortovox. Und Jonathan Wiant, Head of Sales, Product & Marketing bei Völkl, konstatiert: „Das Marktvolumen für Skitouring wächst leicht und nimmt mittlerweile rund sieben bis acht Prozent des gesamten Skimarktes ein.“

Eine Kennziffer, die sich mit den Einschätzungen von Rainer Vetter, General ­Manager Tecnica Group Austria/Deutschland deckt. Er geht von einem Marktvolumen von 50.000 bis 55.000 Tausend Paar Tourenski in ­Österreich und 30.000 Paar in Deutschland aus. Bei der Tecnica Group (Blizzard, Nordica, ­Tecnica) liegt der Anteil verkaufter Tourenski am Gesamtabsatz bei rund zehn bis 15 Prozent, wobei eine Modellabgrenzung zu Freeride nicht immer eindeutig sei, so Vetter.

Tourenspezialist Hagan hat sich in den letzten Jahren vermehrt auf die Produktion von hochpreisigen Tourenski konzentriert und sieht sich in dieser Strategie mit satten Zuwächsen bestätigt: Der Verkauf von Skiern ab 500 Euro aufwärts hat sich laut Hagan mehr als verdoppelt. „Wir vernachlässigen dafür seit zwei Jahren die Ski in den Einstiegspreisklassen und überlassen das Low-Budget-­Geschäft anderen Marken. Unsere Mengen sind in etwa gleich geblieben, dafür hat sich für uns der Ertrag pro Ski um vieles erhöht“, erläutert Patrick Paier, Sales & Marketing Manager Hagan.   

Bei Black Diamond macht das Thema Backcountry, wozu Ski, Skischuhe, Schaufeln, Felle und Sonden zählen, rund zehn Prozent des Umsatzes aus. Der gesamte Bereich habe ein jährliches, zweistelliges Wachstum hingelegt, verrät Thomas Hodel, Global Category Director Ski Black ­Diamond. Und Dennie Wagner, Category Manager Outdoor & Active bei Arnold Sports (für die ­Marke Movement zuständig), geht davon aus, dass der Gipfel bei Touring längst nicht erklommen ist: „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Skitourenbereich ein immenses Wachstum verzeichnen konnte. Ein baldiges Ende ist nicht in Sicht, da weiterhin großes Potenzial besteht.“

Touring trifft Freeride

Bei vielen Herstellern gehen Tourenskimodelle inzwischen – siehe Tecnica-Gruppe – fließend in das Freeride-Segment über. Heraus kommt Freetouring, eine Schnittmenge, auf die viele Hersteller in 2015/16 einen besonderen Fokus ­legen. „Diese Verschmelzung von Freeride und Touring wird von uns durch Produktinnovationen vorangetrieben. Daher erwarten wir in diesem Bereich starkes Wachstum“, konstatiert etwa Rainer Vetter, Tecnica Group. Jonathan Wiant von Völkl sieht auch in den Entwicklungen auf Produktseite einen Grund dafür, warum immer mehr Menschen Touren gehen. Moderne Produkte, die immer leichter werden ohne dabei an Stabilität und Leistung zu verlieren, würden heute mehr Menschen das Skitourengehen ­ermöglichen. „Und die Freeride-Bewegung hat vielen Sportlern einen ersten Zugang zum ­Fahren im freien Gelände ermöglicht“, glaubt Völkl-Manager ­Wiant.

Verwandte Themen
Intersport Umsätze Oktober Outdoor Wintersport Freizeitmode Winter
Intersport: Oktoberumsätze leiden unter Wärme und weniger Verkaufstagen weiter
Holmenkol Markus Meister Sales Director
Meister ist Sales Director bei Holmenkol weiter
Peak Performance Fachhändlerschulung Hintertux Brand Experience Days
Peak Performance schult Fachhändler weiter
K2 Außendienst Schlieper Trendel
Neue Gebietsverteilung im deutschen Außendienst bei K2 Sports weiter
Marker Dalbello Völkl Schulung Handel
Marker Dalbello Völkl schult Händler weiter
Schwan-Stabilo Umsatz Geschäftsjahr Outdoor
Schwan-Stabilo steigert Jahresumsatz weiter