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Die Outdoorindustrie verarbeitet etwa fünf bis sechs Prozent der weltweit verwerteten Daune

Vom Nebenspieler zum Vorreiter

  • 13.02.2015
  • sport+mode-Redaktion

Es ist gerade drei Jahre her, da stand die Branche am Pranger. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten demonstrierte vor den Ispo-Toren gegen Outdoorfirmen wegen der Nutzung von unethischer Daune. Zur Ispo 2015 gilt eine weitgehende Entwarnung und die Outdoorbranche hat wieder Standards gesetzt.

Es muss wohl so sein. Häufiger als jede andere Bekleidungsbranche wird die Outdoorbranche an den Pranger gestellt: Wegen vermeintlicher Ausbeutung in der Bekleidungproduktion, wegen Daunen aus Tierquälerei, wegen Giftstoffen in Textilien. Ist die Outdoorbranche wirklich so schlimm oder gar schlimmer als andere? Mitnichten. Die Outdoorbranche steht meist überdurchschnittlich da – auch wenn es Verbesserungspotenzial gibt. Nur etwa fünf bis sechs Prozent der weltweit verarbeite Daune wird von Outdoorfirmen verarbeitet. Man könnte meinen, dass es sinnvoller wäre, wenn Tierschutzorganisationen die Branchen zur Zielscheibe machten, die tatsächlich viel Daune verarbeiten. Pustekuchen.

Die Outdoorbranche wird häufiger zur Zielscheibe von Graswurzelgruppen und Non-Profit Organisationen, weil sie die Forderungen der Gruppen teilt, weil sie willens ist, Zustände schnell zu verbessern, weil sie gerne transparent ist und weil die Gruppen, die bei großen Multis, Discountern und anderen Konzernen nichts ausrichten, ab und an Erfolge vermelden müssen. Eigentlich lieben die Kampagnengruppen die Outdoorbranche, was nicht nur daran zu erkennen ist, dass viele Aktivisten dieser Gruppen Outdoorbekleidung bei ihren Aktionen tragen. Vor allem lieben sie die Branche, weil sie zeigen können, dass ihr Druck etwas bewirkt: Die ­Bereitschaft, Sozialstandards auf höchstem Niveau umzusetzen, auf transparente, tierleidfreie Daune innerhalb kürzester Zeit umzustellen oder Alternativen zu Giftstoffen zu suchen und diese einzusetzen, ist hier so groß wie nirgends sonst.

Daune aus Tierquälerei

Natürlich haben die Tierschutzorganisationen Recht. Es gibt unerträgliche Zustände auf Gänse- und Entenfarmen und man muss kein eingefleischter Vegetarier sein, um das zu erkennen. Vor allem zwei Praktiken stehen auf dem Index: Lebendrupf und Stopfmast. Ziel des Lebendrupf ist es, die „Ernte“ pro Tier zu steigern. Statt nur einmal bei der Schlachtung, kann der Bauer oder Produzent eine Gans vier bis fünf Mal rupfen. Für den Bauer lohnt sich das. Auf die Qualität der Daune hat dies aber keine Auswirkung, auch wenn gelegentlich argumentiert wird, dass sich der Loft der nachwachsenden Daune erhöhe. Wenn innerhalb eines Jahres vier bis fünf ­Rupfungen erfolgen, könne die Daune, so die meisten Fachleute, keine stabile Daune sein. Bei der Stopfmast geht es überhaupt nicht um die Daune, sondern um Foi Gras, eine Delikatesse. Die Gänse werden zwei bis drei Mal täglich durch ein langes, bis in den Magen reichendes Rohr zwangsgefüttert. Bis die Leber und das Fleisch verfetten, vergehen gut zwei Jahre.

Das „Abfallprodukt“ Daune kann, sofern es nicht zu einer Kombination beider Praktiken kommt, tatsächlich eine stabilere Qualität erreichen als bei ­Gänsen aus der Fleischproduktion. Übrigens: Das Problem der Stopfmast existiert nicht bei Enten. Lebendrupf und Stopfmast sind in Deutschland, die Lebendrupfung sogar in der ganzen EU, illegal.

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