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Der Multifunktionshelm ist im Aufwind (Foto: Salewa)

Alleskönner an der Helmwand

  • 12.02.2015

Multifunktionshelme – Skifahren oder doch Mountainbiken? Klettern oder Inlineskaten? In Zeiten wie diesen suchen Draußensportler und Fachhändler nach flexiblen Lösungen. Multifunktionshelme sind solche Multitalente und können weitgehend wetterunabhängig und sportartenübergreifend Umsätze abwerfen

Cébé-Helm zum Skifahren (Fotos: Cébé)

Ob auf Schnee, auf Fahrradwegen und Trails oder am Felsen, ob zum Skifahren, Fahrradfahren, Klettern oder Skateboarden, ob im Sommer oder im Winter – diese Helme kennen keine Jahreszeiten, keine Wetterabhängigkeit, keine Saison. Multifunktionshelme sind Allrounder, die für mindestens zwei Sportarten zertifiziert, also in der Regel nach geringen Modifizierungen bei mehreren Sportarten einsetzbar sind – und eben nicht nach der Rad- oder Skisaison ausgedient haben. Auch bei manchen Kombinationssportarten wie Mountaineering – wo beim Aufstieg schon mal schweißtreibend geklettert wird und auf der Abfahrt ein Helm vor Stürzen und Kälte schützen muss – sind zuweilen solche Allroundlösungen gefragt.

Zielgruppe Multisportler

Am Markt für Multisporthelme ist entsprechend Bewegung drin. Mehr und mehr Lieferanten stoßen mit Multihelmen in den Markt – und sehen in der Zielgruppe der Multisportler gute Absatzchancen. Seit 2013 mischt der Helmspezialist Casco mit Modell Gams mit, einem Helm, der die Norm für Bergsport, Wildwassersport, Bike und Ski erfüllt und laut Casco nicht einmal groß umgerüstet werden muss. „Der Gams ist ein wahrer Allrounder, der das ganze Jahr im Laden angeboten werden kann. Als Vier-Jahreszeiten-Helm kann er mit einer warmen Winterausstattung und einer luftigen Sommerausstattung allzeit problemlos genutzt werden“, erläutert Markus Krauter, Mitglied der Geschäftsleitung von Casco International GmbH, das Konzept. Ideal also für Sportler, die Flexibi­lität schätzen – heute Biken, morgen Skifahren, und alles mit dem gleichen Helm. Geht es nach Krauter, werden derer immer mehr: „Wir sind davon überzeugt, dass die Gruppe der Sportler zunimmt, die sich nicht nur auf eine Sportart ­fokussiert, sondern mehrere ausüben.“


 »Multifunktion und Individualisierbarkeit sind ganz klar ein Trend der kommenden Jahre.«

Thomas Schirmer, Rockwell Headgear

 

Sabrina Düh, Key Account und Marketing Manager von Cébé-Mutter Bushnell, beobachtet, dass mehr Mitbewerber in das Segment drängen und macht für die Entwicklungen auch eine ver­besserte Materialperformance verantwortlich. „Schon vor einigen Jahren wurde versucht, den Markt mit Multifunktionshelmen zu erobern, jedoch konnten teilweise Normen nicht ausreichend erfüllt werden oder das Gewicht war schlichtweg zu hoch. Neue Materialien erlauben heute eine wesentlich einfachere Umsetzung der technischen Ansprüche.“ Deshalb wolle Helmanbieter Cébé in den kommenden Jahren die Strategie der Multifunktionshelme weiter verfolgen – ohne dabei das Kerngeschäft und die „Bestseller“ aus den Augen zu verlieren.

Zertifizierungshürde

Um vielfältig einsetzbar zu sein, müssen die Helme vielfältigen Anforderungen genügen. Die so genannte EN-Zertifizierung belegt, dass der Helm einem Prüfverfahren nach europäischer Norm unterzogen wurde und dieses bestanden hat. Für unterschiedliche Sportarten werden teilweise sehr unterschiedliche Testverfahren zur Zertifizierung verwendet werden. Dass der Multifunktionshelm gleich mehrere Normen erfüllen muss, ist für die Hersteller eine technische Herausforderung, erklärt Karin Huttary, Marketing Manager Central Europe bei Rad- und Skispezialist Poc. „All diese Kriterien zu erfüllen, stellt für unsere Produktentwickler immer wieder ein ­Spagat dar. Die Normierungsprozesse sind oft sehr aufwendig, mühsam und daher auch teuer.“ Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Multihelme bislang ein Nischenprodukt sind.

Seit 2007 bietet Poc Multifunktionshelme, aktuell zwei Modelle: Den Receptor Backcountry Mips für Wintersport und Radsport sowie den Receptor + für Wintersport, Radsport, Wassersport und Skateboard. Vom Wintergebrauch auf den ­Sommergebrauch werden bei beiden Helmen einfach die Ohrenpads abgenommen. Beim Receptor + können für die Wassernutzung alle Pads im Helminneren außerdem gegen wasserfeste EVA-Pads ausgetauscht werden. Da die Alleskönner allerdings sehr spezifische Kunden ansprechen würden, identifiziert Huttary die Helme nicht als „wachstumsstärkstes Segment am Markt.“

Bergsportspezialist Salewa ist seit 2008 im ­Multihelm-Markt unterwegs. Damals wurde der Xenon eingeführt, 2015 kommt der Vert, ein Helm für Skifahrer und Kletterer, der eine wärmeableitende Polsterung hat und mithilfe abnehmbarer Ohrenpolster modifiziert werden kann. „Insbesondere bei sportlichen Herausforderungen wie dem Skitouring ist es von Vorteil, nur einen Helm für Aufstieg und Abfahrt mitnehmen zu müssen“, erläutert Maurizio Priano, Marketing Director Salewa.

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