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Lawinenrucksäcke werden für den Sportler immer wichtiger (Foto: Ortovox)

Nicht alles, aber viel

  • 12.02.2015

Lawinenairbags – Immer mehr Marken bringen Lawinen­ruck­säcke auf den Markt. Einigkeit herrscht in der Meinung, dass das Sicher­heits­be­dürf­nis der Sportler wachse. Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die sich im dafür vorgesehenen „Einsatzgebiet“ ver­gnügen. Aber ein Airbag allein ist oft nicht genug

Black Diamond verwendet in seinem Rucksack die Jetforce-Technologie (Foto: Black Diamond)

Fast drei Jahre ist es nun her, dass Prinz Friso von Oranien-Nassau aus den ­Niederlanden beim Skifahren in der Region Lech am Arlberg ein Schneebrett auslöste. Er sei abseits der gesicherten Pisten gefahren, die Lawinengefahr war an diesem Tag mit Stufe 4 (von 5) angegeben. Sein Begleiter habe noch einen Lawinenairbag betätigen und so an der Oberfläche der Schneemassen bleiben können. Friso selbst, der nur einen Lawinen­piepser bei sich hatte, wurde verschüttet. Der traurige Ausgang des Unglückes: Prinz Friso starb nach anderthalbjährigem Koma im August 2013.

Airbag kein Allerheilmittel

Benjamin Zweifel ist Lawinenprognostiker am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung, Forschungseinheit Lawinen und Prävention, in Davos, Schweiz. Der 39-Jährige schreibt derzeit an seiner Doktorarbeit über Gruppendynamik bei Schneesportlern, die sich im Lawinengelände bewegen. Er stuft den Lawinenairbag grundsätzlich als wichtig ein: „Unsere neueste statistische ­Studie sagt folgendes: Von 100 Personen ohne Airbag sterben durchschnittlich 22 Personen, von 100 Personen mit Airbag sterben hingegen nur elf. Das ist beachtlich.“ Und weiter: „In unserer Studie hatte der Airbag einen Einfluss, ob Personen ­kritisch verschüttet wurden, also Kopf oder Atemwege unter dem Schnee, oder nicht.“

 

»Von 100 Personen ohne Airbag sterben durchschnittlich 22 Personen, von 100 Personen mit Airbag sterben hingegen nur elf.« 

Benjamin Zweifel, WSL-Institut

 

Zweifel sagt aber auch, dass ein Lawinenairbag ­lediglich ein nützliches Zusatzgerät zur Standard-Lawinen-Notfallausrüstung, bestehend aus ­Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS), Lawinenschaufel und -sonde, sei. Denn, so der ­Lawinenforscher: „Eine absolute Sicherheit ­garantiert auch der Lawinenairbag nicht.“Wichtig für den Endverbraucher: Er soll den ­Lawinenairbag wie jede Notfallausrüstung einmal pro Jahr in der Praxis testen. „Es ist sehr wichtig, mit dem Auslösemechanismus des Airbags vertraut zu sein, weil dies im Notfall rasch geschehen muss und automatisiert sein soll“, rät Experte Zweifel.

Verhalten und Wissen optimieren

Technik hin, Technik her – der beste Schutz vor Lawinen ist immer noch der Mensch selbst, erklärt der Lawinenprognostiker: „Es bringt mehr, wenn wir unser Verhalten im Lawinengelände weiter optimieren, zum Beispiel wissen wir noch sehr wenig über unser eigenes Entscheidungsverhalten und über Gruppenphänomene beim Entscheiden. Das sind aber entscheidende Faktoren. Wenn wir da weiter kommen, hilft das in meinen Augen mehr als noch mehr Ausrüstung. Der Lawinenpapst Werner Munter hat schon gesagt: ,Denken statt schaufeln’ – diesen Spruch finde ich nach wie vor treffend. Heutzutage wollen wir alles technisch lösen. Wer aber einmal einen Verschütteten in einer großen Lawine mit zerquetschtem Lawinenairbag gesehen hat, weiß, dass wir der Naturgewalt Lawine nicht ­gewachsen sind.“

 

»Der Markt ist noch nichtgesättigt; schließlich ist jeder Käufer eines LVS-Geräts auch ein potenzieller Käufer für einen Lawinenairbag.«

Matti Schmidt, ABS

 

Die Anzahl der Lawinenrucksackhersteller ist  (noch) überschaubar – aber sie wächst rasant. Die ABS Peter Aschauer GmbH aus Gräfelfing bei München kann man ohne Weiteres als Pionier auf diesem Gebiet bezeichnen. Schon im Jahr 1985 stellte Gründer, Inhaber und Geschäftsführer Peter Aschauer seinen ersten Airbag mit dem Namen ABS Lawinenballon auf der Ispo in München vor. „Der Markt ist noch nicht gesättigt; schließlich ist jeder Käufer eines LVS-Geräts auch ein potenzieller Käufer für einen Lawinenairbag. Da ist noch Luft nach oben“, sagt Sales- und Marketingdirektor Matti Schmidt zur aktuellen Marktsituation.

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