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Wissen, woher der Wind weht. Der EOS 2014 in ­Rottach-Egern (Fotos: EOG)

Alles bleibt anders

  • 08.12.2014

European Outdoor Summit – Nichts ist so beständig wie der Wandel, das haben Industrie und Handel in diesem Jahr wieder zu spüren bekommen. Auch für 2015 ist keine Verschnaufpause in Sicht, und zugegeben: Alles andere wäre auch langweilig. Die EOG bat die Outdoor­branche an den Tegernsee, um sie fit für drängende Zukunftsfragen zu machen

Expertenvorträge beleuchteten die wichtigsten Zukunftsthemen

Der eine wartet, daß die Zeit sich wandelt. Der andere packt sie kräftig an und handelt“, hat der italienische Dichter Dante Alighieri vor mehr als 700 Jahren treffend die Menschheit analysiert. Warten ohne Taten – das hat noch keinen erfolgreichen Geschäftsmann hervorgebracht, könnte man die Formel auf den Markt übertragen.

„Preparing the Industry for Change“, lautete analog das Motto des European Outdoor Summit (EOS), zu dem die European Outdoor Group (EOG) zusammen mit dem deutschen Gastgeber, dem Bundesverband der Deutschen Sportartikel Industrie (BSI) im Oktober an den Tegernsee ­geladen hatte. „Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Die Branche sieht sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber, auf die es sich einzustellen gilt, um erfolgreich zu sein“, umriss ­Désirée Derin-Holzapfel, Präsidentin des BSI, das „große Ganze“, das „Big Picture“, wie es die ­Angelsachsen nennen. Der britische Bestsellerautor und Keynote-Speaker Max McKeown formulierte es so: Nur, wer aus einem „Breaking Point“ einen „Making Point“ macht, wer sich für den Wandel entscheidet und handelt, ist auf der Höhe der Zeit.

Auf welchen Ebenen aber vollzieht sich jener Wandel konkret? Wo stehen wir gerade, wo wird die Reise hingehen und welche Entscheidungen gilt es zu treffen? Hochkarätige Experten aus Wissenschaft und Industrie skizzierten wichtige Zukunftstrends, die auch oder gerade die Outdoorbranche betreffen.

Crosschannel ist Gebot der Stunde

Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), rückte die Zukunft des Einzelhandels in den Fokus und stellte Schlüsselfaktoren heraus, die über Erfolg oder Nichterfolg entscheiden könnten. Seine Botschaft: Das Internet verändert die Handelsstrukturen, der Königsweg heißt Crosschanneling. Warum dies so ist, verdeutlichte der Handels­forscher anhand aktueller Zahlen des IFH.In den letzten Jahren ist der Anteil des E-Commerce am Gesamtmarkt deutlich gewachsen und liegt 2014 mit 42,8 Milliarden Euro bei rund neun Prozent. Bis 2020 prognostiziert Hudetz eine weitere Verdopplung des E-Commerce in Deutschland, besonders der Anteil der Pure Internet Player wie Amazon oder Zalando nehme zu. „2020 wird Amazon weltweit der zweitgrößte Retailer hinter Wal-Mart sein. Amazon ist derjenige, den es zu schlagen gilt“, verdeutlichte der Handelsforscher.

2020 wird Amazon der zweit­größte Retailer hinter Wal-Mart sein. Amazon ist derjenige, den es zu schlagen gilt.

                         Kai Hudetz, IFH

Die Frequenz im stationären Handel sei rückläufig – den Untergang der stationären Handelslandschaft sieht Hudetz aber längst nicht heraufziehen. Das zeige allein schon die Geschäftsstrategie der Online Pure Player, die mit eigenen stationären Geschäften in den Markt drängen. Amazon plant laut Hudetz einen Store in New York, Zalando führt bereits Outletstores in Berlin und Frankfurt. „Es wird weiterhin den Bedarf eines stationären Handels und auch Chancen und Gelegenheiten für diesen geben. Aber online wird wichtiger“, fasste Hudetz zusammen.

Eine wesentliche Einflussgröße auf die Entwicklungen ist das Kaufverhalten der Menschen: IFH-Zahlen zufolge bezeichnen sich 52 Prozent der Deutschen – quer durch alle Altersklassen – als traditionelle Ladenkäufer, die Zahl der selektiven Onlineshopper liegt bei 31 Prozent, die der enthusiastischen Onlineshopper bei gerade einmal elf Prozent. Klar ist aber auch: Das Einkaufsverhalten der nachfolgenden Generationen wird ein deutlich anderes werden. Der Blick auf die heute unter 30-Jährigen zeigt: Hier liegt die Zahl der selektiven Onlineshopper schon bei 52 Prozent, während nur noch 23 Prozent von sich sagen, sie seien traditionelle Instore-Shopper.

Mehrgleisig fahren lautet das Gebot der Stunde. Konsumenten wechseln heute beliebig zwischen online und offline, Experten nennen das „Crosschannel-Verhalten“. „Mit Crosschanneling haben Sie die Chance, ihre Kunden online abzuholen und sie in Ihre Stores zu bringen“, appelierte Hudetz an die Retailer im Saal. Und die Outdoorbranche habe wie kaum eine andere Branche die Chance, auch online mit Outdoor-Erlebniswelten Emotionen zu wecken. Schließlich gehe es im Marketing ja genau darum: Bedürfnisse bei den Kunden wachzurufen, die sehnsüchtig wie ein Kind in das Online- oder Offline-Schaufenster blicken. „Schauen Sie sich Amazon an. Die Seiten wirken vollkommen un­emotional, aber Amazon wird dazu lernen“, befand Hudetz.

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