sport+mode
Das Segment Teamsport ist ein schwieriges für den Handel (Foto: Erima)

Klartext gesprochen

  • 15.10.2014
  • Ast

Teamsport – Harmonie ist gut, Harmonie ist schön, sie kann aber existenzbedrohend sein, wenn sie wichtige Probleme zukleistert. Ein offenes Wort kann der Anstoß für einen Kurswechsel in die richtige Richtung sein. sport+mode hat die Verbände mit scharf formulierten Fragen zum Teamsportmarkt konfrontiert.

Zehn zugespitzte Fragen hat sport+mode ­Intersport, Sport 2000 und SportXtreme ­gestellt – mit dem Ziel, eine konstruktive Diskussion im Teamsportmarkt anzustoßen. Ist der Markt zu preisgetrieben? Mit dieser ersten Frage konfrontierten wir Klaus Jost, ­Intersport-Vorstand, Dennis Aubermann, Leiter Spezialisten bei Sport 2000 und Marc Scheiner, Category Manager Sport bei SportXtreme.

Ist der Markt zu sehr preisgetrieben?

„Keine Frage, der Teamsportmarkt ist überhitzt und die gängigen Rabattierungen schmälern die Margen deutlich. Hier müssen sich Hersteller und Händler gemeinsam fragen, wie weit die gelebte Praxis mit überhöhten Angeboten für einzelne Vereine, Trainer und Behörden heute noch funktionieren kann“, stimmt Jost zu. Das sei nicht ­alleine ein Onlinethema. Der Manager aus Heilbronn führt als Antwort auf diese Situation die Eigenmarke Pro Touch ins Feld, mit der jederzeit gute Margen möglich seien. Über verschiedene Sponsoring-Engagements bis hin zum Handball-Bundesligisten habe Intersport Pro Touch im Teamsport als Marke inzwischen fest etabliert.

Ja, das Thema Preise, Rabatte spielt leider im Teamsportmarkt ohne Frage eine sehr große Rolle, sekundiert der Mainhäuser Aubermann. „Dennoch zeigt sich, dass sich erfolgreiche Teamsporthändler auch durch besondere Dienstleistungen, zum ­Beispiel eigene Beflockung und einen hohen Servicegrad auszeichnen.“ In der Tat sei der Teamsport von einer Rabattstruktur geprägt, die weder der Industrie noch dem einzelnen Händler langfristig hilft, pflichtet Scheiner aus Köln bei. „Hinzu kommt, dass der Endverbraucher ein völlig verzerrtes Preis­gefüge präsentiert bekommt. Da es sich bei Teamsportartikeln wie Trikots, Trainingsanzügen oder Schuhen in der Regel um Bedarfs- und nicht um Spontankäufe handelt, bedürfte es ­eigentlich gar nicht dieser enormen Rabatt­politik.“ Bei vielen Rabattangeboten gehe es auch mehr um das Sichern vom Marktanteilen als darum, ein gutes Geschäft zu machen.

Sind sowohl Industrie als auch Handel an der mangelnden Preisstabilität schuld?

Es sei nicht zielführend, von Schuld zu sprechen, der Markt habe sich so entwickelt, betont Aubermann. Auch andere Branchen, wie etwa der Elektronikmarkt, hätten zur „Geiz ist geil“-Mentalität beigetragen. „Eine besondere Rolle spielt bei diesem Thema sicherlich auch die Erwartungshaltung der Sportvereine, die ja ihre Aufträge zumeist als Sammelbestellung beim Händler platzieren.“ Es seien wohl beide Seiten nicht ganz unschuldig daran und es ist sicher schwierig, dieses Rad wieder auf ein gesundes Maß zurück zu drehen, schildert Scheiner seine Sicht der Dinge. „SportXtreme empfiehlt seinen Händlern hier, durch ihre Stärken in der Beratung und der Servicequalität bessere Preise im Markt zu realisieren.“ Beide Seiten müssten ihr preisgetriebenes Handeln ehrlich überprüfen, plädiert Jost. „Wir sollten davon wegkommen, den ‚Schwarzen Peter‘ immer der anderen Seite zuzuschieben. Sowohl Industrie als auch Handel haben seit vielen Jahren ihren Anteil an der mangelnden Preisgestaltung.“

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