Comeback 13.10.2020, 09:10 Uhr

Elho zurück auf der Bildfläche

Das Design ist oversized und unverwechselbar: Elho. Zwei Jahrzehnte war die Marke komplett vom Markt verschwunden. Jetzt ist sie zurück. Im Gepäck: Tolle Styles für Piste und Street sowie eine Limited Edition. 
Elho is back und feiert sein Revival in der kommenden Wintersaison
(Quelle: Elho)
Zum Marken-Relaunch kommt zunächst eine limitierte Edition von 15 Artikeln – Skibekleidung und Styles für die Straße – auf den Markt, die sogenannte Heritage-Kollektion. Danach ist schrittweise eine Expansion der Kollektion geplant, je nach Nachfrage. Wer die Marke von früher kennt, dem sind vor allem die Elho Freestyle Kollektionen aus den wilden 80ern ein Begriff. Die wenigsten wissen, dass die Marke eine beeindruckende Historie hat: 1948 gegründet, Patent für die ersten Jet Pants, erste Daunenkollektion auf dem deutschen Markt, zweimal offizieller Ausrüster olympischer Winterspiele. Grund genug für ein kurzes Gespräch mit Ulrich Hautzel, Vorstand der Elho AG.

Elho is back – was war euch wichtig in punkto Style, Funktion und Image? Für die erste Saison nach so langer Abwesenheit wird es eine Hommage an die wilde Zeit 1989 geben. Im Fokus stehen wie damals die grellen Jacken und Overalls, die verrückten Designs und natürlich das Erscheinungsbild, was das Elho-Image von Revolution und Aufbruch so maßgeblich bestimmt hat. Allerdings werden die neuen Styles mit den funktioneller Details aufgewertet, die man heute, immerhin über 30 Jahre später, von einer Marke wie Elho erwartet: 20.000 mm Wassersäule, wasserdichte Reißverschlüsse, komplett verklebte Nähte und z.B. eine 100 Prozent recycelte, sehr leichte Füllung. Aber es gibt definitiv auch Komponenten bei der Outerwear, die wir hinzugenommen haben, obwohl sie nach heutigen Maßstäben die Funktionalität gar nicht verbessern würden, die aber beim Tragen angenehm und somit auch (wieder) neu sind. Wir haben ein Außenmaterial für die Outerwear gefunden, die dem "touch and feel" der damaligen Originale sehr nahe kommt und in der Haptik sehr soft ist. Das hält zwar nicht mehr Feuchtigkeit ab, die Styles sind jedoch super angenehm und gemütlich, wenn man draußen in der Kälte ist. Die Logos sind selbstverständlich wie damals aus Flock.
...und was denkst du macht den Look so besonders? Man kann diese ersten Styles aus zwei Blickwinkeln betrachten: Für alle von uns über ungefähr 40 ist es vor allem eine Reise in die Vergangenheit, als Elho den Look auf der Piste und Strasse revolutioniert hat. Viele Leute haben uns ungefragt ihre Geschichten von damals erzählt, als sie im Winterurlaub waren und den Hang runtergedonnert sind und bis in die Morgenstunden gefeiert haben. Diese Energie haut uns regelmäßig um und diese Energie möchten wir jetzt 2020 erneut übermitteln. Junge Menschen wiederum, die die Marke von damals gar nicht kennen können, sind zunächst überrascht, dass es sich dabei um eine deutsche Marke handelt. Oft werden wir gefragt, von wem diese Jacken aus Tokio, Shanghai oder New York sind? Die Kids sehen auf den digitalen Kanälen ihre "Heroes" in kräftigen Farben, verrückten Designs und im Oversized-Look und buchen die Marke mental völlig selbstverständlich in ihre (Neu)-Zeit. Ganz klar, dass sie erstmal recht überrascht sind, dass der Style ursprünglich aus München und bereits aus den 80ern stammt. Das finden sie dann noch cooler.   
Wie sieht Elho´s zukünftiger Vertriebsweg in Deutschland aus? Das ist eine extrem spannende Frage in der heutigen dynamischen Zeit. Als wir im Frühjahr begonnen hatten, unsere bevorzugten Händler für die F/W 2020 Order zu kontaktieren, kam uns Corona dazwischen und irgendwann durften und wollten wir den Handel gar nicht mehr besuchen. Schließlich wussten wir damals nicht, wie gefährlich das Virus ist und ob wir überhaupt eine Produktion hinbekommen würden. Also warteten wir ab und erst als wir im Sommer aus Fernost bestätigt bekommen hatten, das die Ware in der gewünschten Qualität und fristgerecht geliefert werden kann, gaben wir den Startschuss. Denn es war klar, dass mit dem Trend Retro, Neon und Oversized der Zeitpunkt eigentlich perfekt ist. Nachdem wir nun vor drei Wochen online gegangen sind, erhalten wir auch erste Rückmeldungen vom Handel. 
Wie wichtig ist dabei für euch (neben Online) die Partnerschaft mit dem stationären Sportfachhandel? Wir streben hier für die unsichere Phase eine "Kooperation auf Augenhöhe" an. Der stationäre Handel weiß ja selber noch nicht, wie sich alles entwickeln wird. Insbesondere in und um die Skimetropolen müssen wir dem Handel die Hand reichen und zusammenarbeiten. Was bringt es jetzt, wenn wir eine Vororder ausliefern und das Skigebiet 80 Prozent weniger Gäste hat? Das macht keinen Sinn. Und da wir die Ware eh bestellt haben, ist es in dieser Saison doch viel schlüssiger, dass der Handel wenige Teile zeigen kann, aber dann immer nachordern darf. Das kann zwar aufgrund der limitierten Menge auch schnell zu Engpässen führen, aber wir haben kein Problem damit, ausverkauft zu sein. Vielmehr signalisieren wir damit dem Kunden, dass er mit einem Elho-Produkt einen begehrenswerten Artikel erworben hat. Und eines ist klar: egal, wieviel Nachfrage wir jetzt schon mit unserem Onlineauftritt generieren konnten, der Handel ist und bleibt für uns ein sehr wichtiges Aushängeschild. Wenn in Stuttgart, München oder im Skiort selbst das Geschäft am Platz den Elho-Overall im Schaufenster zeigt, sind wir überglücklich. Denn hier spielt sich am Ende das wahre Leben ab.
Vor allem  jetzt in Zeiten von Corona braucht der stationäre Fachhandel Unterstützung, oder? Elho ist für so viele von uns ein Symbol für Lebensfreude, Aktion und Spaß. Im Vordergrund steht deswegen auch, dass der Shop diesen Ansatz entsprechend transportierten kann und auch sonst die Zeichen erkannt hat. Ein Kunde, der schon beim Eintritt in den Shop eine niedergeschlagene Stimmung spürt und keinen Berater mit guter Laune vorfindet, wird sich schnell den digitalen Plattformen zuwenden. Fachhändler, die das jetzt noch nicht begriffen haben, sind - meiner Meinung nach und Corona-Pandemie hin oder her - fehl am Platz. Onlineshops sind dann eine extrem gefährliche Konkurrenz, da sie einfach keine Depression auf der Verkaufsfläche zulassen.
Ein kurzes Statement zum Thema Nachhaltigkeit – wie hält Elho den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich? Ganz klar die Mode- und Sportbekleidungsindustrie ist weit weg von ökologischem und nachhaltigem Handeln. Deswegen ist es in erster Linie unser Ziel, den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Zudem sollten wir als kleine Marke keine übertriebenen Versprechungen machen. Wir verwenden jedoch für die Winterkollektion 20/21 zu 100 Prozent recyceltes Futter - darüber hinaus starten wir mit "Think twice" auf unserer Homepage eine Kampagne zum Thema Versand. Der Kunde soll sich zwei Mal überlegen, ob er einen Artikel tatsächlich bestellen möchte, um unnötige Retouren zu vermeiden. Am Ende versuchen wir gerade eine Lösung zu finden, ab der kommenden Saison 21/22 tatsächlich nur so viele Teile zu produzieren, die auch wirklich geordert werden. 
Vielen Dank für das Gespräch!
 

Schlüchter Astrid
Autor(in) Schlüchter Astrid

Das könnte Sie auch interessieren