Düstere Prognose 04.03.2020, 10:54 Uhr

Modebranche rechnet im Sommer mit Corona-Folgen

Eine aktuelle Umfrage des deutschen Modeverbandes Germanfashion macht jetzt schon deutlich, dass die Modebranche im Sommer mit deutlichen Problemen auf Grund des Coronavirus zu kämpfen haben wird. 
(Quelle: H&M)
Momentan geht es der Modeindustrie noch gut, da die Frühjahr/Sommerkollektionen noch rechtzeitig in die Shops gekommen sind. Doch spätestens mit den Herbst-Winterkollektionen 2020/20021, die ab Juni geliefert werden, dürfte sich dies ändern. So zumindest die Prognose nach einer aktuellen Umfrage des Modeverbandes Deutschland Germanfashion. So rechnen zwei Drittel der im Verband zusammengeschlossenen Hersteller mit steigenden Beschaffungspreisen. Mehr als die Hälfte erwartet Lieferverzögerungen. Ein Drittel geht sogar von Stornierungen bei Teilen der Produktion aus. 
Für Verbraucher würden die mit dem Krankheitsausbruch verbundenen Lieferprobleme aber angesichts des seit Jahren zu beobachtenden Angebotsüberhangs in der Branche kaum spürbar sein, prognostizierte Verbandspräsident Gerd Oliver Seidensticker. „Ich glaube, die Konsumenten werden angesichts der Fülle des Angebots gar nichts davon bemerken.“
In einer aktuellen, repräsentativen Umfrage zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona Virus unter den Mitgliedern des deutschen Modeverbandes zeigt sich eine zwiegespaltene Situation bezogen auf China: „China ist als Produktionsland kurz oder mittelfristig nicht zu ersetzen, ganz besonders nicht durch Ersatzlösungen, die nun hektisch gesucht werden. Sicherlich werden aber einige Unternehmen für die Zukunft überlegen, wie sie ihre hochentwickelte Supply Chain unempfindlicher gegen Störungen wie diese gestalten können“, sagt Gerd Oliver Seidensticker.

Mit einem leichten Zuwachs in 2019 liegt China weiterhin unangefochten an der Spitze der wichtigsten Importländer. Bangladesch hat sein Wachstum verlangsamt, zeigt sich jedoch stabil auf Platz 2 der Importstatistik. Die Türkei findet sich mit einem leichten Minus auf Platz 3. Dahinter kommen Italien, Indien, Vietnam, Kambodscha, Pakistan, Niederlande und erstmalig auf Rang 10 ist Polen unter den Top Ten dabei.

In 2019 sprechen die Bekleidungsexporte eine deutliche positive Sprache: Die Gesamtumsätze zeigen auf allen internationalen Märkten ein Plus von 5,6 Prozent. Auf dem außereuropäischen Markt erreichten deutsche Hersteller in 2019 ein Umsatzplus von 2 Prozent. „Deutsche Marken genießen auch außerhalb ihrer bewährten europäischen Heimat mit ihrer Qualität, ihrer guten Passform und ihrem Design einen sehr guten Ruf und behaupten sich gegenüber internationalen Fast Fashion Anbietern“, betont Gerd Oliver Seidensticker von der gleichnamigen Unternehmensgruppe.
Bei den wichtigsten zehn Exportländern der Branche liegt folgende Rangliste vor: Schweiz, Polen Österreich, Frankreich, Niederlande, Italien Vereinigtes Königreich, Belgien, Spanien und Tschechien. Das Vereinigte Königreich zeigt sich trotz Brexit noch stabil mit keinerlei Veränderung zum Vorjahr, was mit der abwartenden Haltung der deutschen Hersteller einhergeht.


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