Running-Boom 06.10.2020, 11:53 Uhr

Laufen läuft

Die Corona-Pandemie hat in Zeiten von Covid-19 einen regelrechten Lauf-Boom ausgelöst. Laufen lüftet den Kopf durch – und das kommt besonders in Krisenzeiten gut an. Spannend ist die Frage, ob der Lauf-Hype auch jetzt zum Saisonwechsel anhalten wird? 
Auf Grund der Corona-Pandemie hat sich das Laufen für viele zum neuen Lieblingssport entwickelt
(Quelle: Mizuno)
Während der Corona-Krise und den flächendeckenden Kontaktbeschränkungen ist in Deutschland die Begeisterung für den Laufsport enorm gestiegen – das ergab eine Studie im Auftrag von Asics anlässlich des “Global Running Days”. Die zentrale Erkenntnis: Vielen Menschen verschafft das Laufen ein Gefühl von Freiheit und hilft ihnen dabei, mental gesund zu bleiben. Das bestätigt auch Thomas Irle, Regional Director North East bei Asics: "Asics hat selbst eine Studie mit insgesamt 14.000 Menschen aus 12 Ländern durchgeführt und dabei das subjektive Empfinden vieler Läufer und Experten der Szene bestätigt. Obwohl die meisten Sportarten aufgrund des Social Distancings zum Stillstand gekommen sind, treibt ein Drittel (34 Prozent) der Befragten aus Deutschland häufiger Sport als noch vor der COVID-19-Pandemie. Das bestätigt auch die Auswertung der Asics Fitness-App Runkeeper, die im April 2020 einen 676-prozentigen Anstieg bei den Registrierungen und einen Anstieg um 120 Prozent bei den aktiven monatlichen Nutzer*innen im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr verzeichnete. Eine aktuelle Untersuchung belegt sogar, dass 84 Prozent der Teilnehmer*innen, die während des Lockdowns mit dem Laufen begonnen oder wieder begonnen haben, auch in Zukunft weiterhin oder sogar mehr laufen möchten." Beachtlich, so zeigen sich auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutliche Trends in den Bewegungsaufzeichnungen, die sich auf die Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie zurückführen lassen. Aggregierte Daten von Garmin-Nutzern zeigen, dass beispielsweise die Sportarten Laufen, Radfahren, Gehen und Wandern einen starken Aufwärtstrend erfahren haben. Im Vergleich zum April 2019 stiegen die aufgezeichneten Lauf-Aktivitäten in diesem Jahr beispielsweise um 75 Prozent an. Die Häufigkeit von normalen Radfahr-Aktivitäten wuchs sogar um rund 87 Prozent. Das Indoor Cardio Training brach aufgrund der Schließungen der Fitnessstudios und Sportstätten um beinahe die Hälfte ein, ebenso wie das Bahnenschwimmen, das in den Statistiken kaum noch auftaucht. Ganz klar, Laufen, Biken und Aktivitäten, die draußen in der Natur stattfinden, bleiben die großen Gewinner in der Krise – das sind sich Branchenexperten sicher. "Die Sportarten Laufen, Radfahren und Wandern sind die Gewinner des Lockdowns. Die Menschen zieht es wieder nach draußen und im Zuge von geschlossenen Sportstätten ist es eine sehr gute Alternative, sich die Schuhe zu binden und einfach loszulaufen", Alexander Oberhofer, zuständig für die Go-to-Market-Strategie von Adidas Running in DACH. Und Bernd Reishofer, Marketing Manager bei Mizuno Deutschland, fügt noch hinzu: "In der Tat konnten wir eine gesteigerte Nachfrage und eine entsprechende Umsatzentwicklung seit Beginn der Krise verzeichnen. Laufen war eine der wenigen Sportarten, deren Ausübung während des Lockdowns überhaupt noch möglich war. Die Einhaltung sämtlicher Vorschriften und Regeln, inkl. Social Distancing war hier problemlos möglich und so haben viele Sportler aber auch viele Anfänger das Laufen (neu) für sich entdeckt.  Als Laufschuhhersteller haben wir uns und unsere Produkte zudem darauf hinterfragt, was Laufen nicht nur für uns, sondern für die Gesellschaft im Ganzen bedeutet. Alle Sportarten erfuhren eine Unterbrechung und niemand wusste, welche Reaktionen folgen würden und welche Konsequenzen die Pandemie haben würde. Was uns weiterhin ermutigt, ist die Anzahl der Läufer, die da draußen ständig ansteigt. In harten Zeiten glauben die Leute also an den Wert des Laufens. Das hat uns in Erinnerung gerufen, dass Laufen nicht nur ein Sport oder Hobby ist, sondern für viele eine Lebensart." Fachhändler, die jetzt am Ball bleiben und ihr Sortiment entsprechend anpassen, können auch im Herbst/Winter von der Laufwelle profitieren. Nicolas Holtzmeyer, Marketing Manager SUUNTO DACH bringt es auf den Punkt: "Auf jeden Fall. Wer vom Nichtläufer zum Läufer werden will, sollte auf jeden Fall Hilfe in Anspruch nehmen. Laufen muss man lernen. Wer hier falsch ansetzt, kann am Ende seine Gesundheit gefährden. Eine Sportuhr am Handgelenk bringt Sicherheit. Man kann sich Trainingsziele setzen und sich langsam steigern, zudem dabei Puls und Herzfrequenz im Auge behalten.“ 

Saisonwechsel: Equipment anpassen.
Das Laufumfeld wird im Herbst generell nicht schlechter, es verändert sich lediglich. Im Vergleich zum Sommer brauchen die Muskeln ein wenig länger, um warm zu werden, zudem verlangen Dunkelheit und kalte Witterungsbedingungen nach anderem Equipment. Wenn´s draußen kalt, windig und neblig wird, sollte man in jedem Fall – zumindest in der Stadt – auf Sichtbarkeit setzen. Denn, wenn es draußen schmuddelig wird, wird es auch früher dunkel. Deswegen geht es vor allem im Bekleidungssegment darum, besser gesehen zu werden. Craft setzt nicht mehr wie früher auf helle Neon-Farben, sondern entwickelt Modelle für technische Materialien in Kombination mit modischen Farben und Mustern, die bei einfallendem Scheinwerferlicht reichlich Reflektion bieten. Die Experten raten deswegen auch zum altbewährten Zwiebellook und zu guter Sichtbarkeit. "Direkt auf der Haut ein atmungsaktives, wärmendes Material und dann je nach Temperatur ein T-Shirt oder Longsleeve und darüber eine Jacke. Mit Mizuno Breath Thermo ermöglichen wir dem Läufer, dass das Material durch die Reaktion mit Schweiß, Wärme abgibt und der Läufer nicht auskühlt. Am besten nutzt man dieses Material direkt auf der Haut", so Reishofer. Reflektierende Kleidung oder zumindest Outfits mit kleinen reflektierenden Elementen seien dann das A und O. Leuchtend gelbe Kleidung, um von den Autos in der Dunkelheit und bei schlechtem Wetter gesehen zu werden. Tobias Hübner, Key Account Manager Gorewear stellt den Wohlfühlbereich des Körpers in den Fokus, "sprich: die Balance aus Schutz vor Wind und Kälte mit Atmungsaktivität und Ventilation zu kombinieren. Denn einfach nur viel anziehen hilft eben nicht unbedingt viel: man kommt schneller ins Schwitzen und die Bewegung ist eingeschränkt. Deswegen gilt es, so viel Feuchtigkeit wie möglich entweichen zu lassen, sich dabei aber vor Wind und Kälte schützen; und das alles am besten mit einer einzigen Jacke." Bei Mizuno sind die „normalen“ Straßenlaufschuhe samt verbauter Außensohlen grundsätzlich für jede Jahreszeit geeignet und griffig genug. Zudem haben die meisten Läufer auch keine Angst davor, wenn Sie ab und zu mal ein wenig feuchte Füße bekommen. Reishöfer weiß aber auch, dass, "wenn es fast schon in Richtung Winter geht, gibt es sicherlich Bodenbeschaffenheiten, bei denen der Einsatz speziell dafür gemachter Schuhe sinnvoll ist." 

Lauf-Trends: Mehr Leistung, mehr Individualität, mehr Komfort, mehr Nachhaltigkeit. 
Spannend wird in der Entwicklung neuer Produktlinien im Apparel-, aber auch im Schuhbereich das Thema Individualität. Fast alle wichtigen Laufspezialisten sprechen, wenn es um neue Trends geht von Lösungen, die auf die Bedürfnisse wie im Fall von Asics, u.a. auch von Damen individuell angepasst sind. "Mit unseren Themen „SubZ, Lumen, Wind und Hydro“ bedienen wir keinen bestimmten Trend, sondern richten uns an die individuellen Bedürfnisse der Läuferinnen und Läufer: Schutz vor Kälte: SubZ, Fokus auf Sichtbarkeit und Reflektion: Lumen, Schutz vor Wind: Wind, Regenschutz: Hydro. Oder gerne auch kombiniert wie bei unserer Lumen SubZ Jacket. Hier findet jeder genau das, was er braucht," so Markus Müller, Marketing Craft. Geht es um neue Sohlenkonstruktionen hat in Zukunft vor allem im Profisportbereich ein Material die Nase vorn haben: Carbon. Die Liste ist groß. Bei Mizuno sorgen Carbon-Elemente in der Zwischensohle für mehr Speed. Der Metaracer von Asics ist der erste Schuh mit integrierter Karbonplatte und spielt für die allmähliche Wiederaufnahme der Wettkämpfe in Herbst und Winter eine zentrale Rolle für leistungsorientierte Läufer. "Im Topathleten-Bereich dreht sich alles um Carbon Platten. Hier setzen wir mit Innovationen wie Energy Rods im adizero adios Pro neue Maßstäbe. Energy Rods sind fünf miteinander verbundene und von Carbon durchzogene Stäbe, welche die Form des Mittelfußknochens imitieren“, erklärt Oberhofer von Adidas. Im Gegensatz dazu stehen Technologien, die dem Läufer mehr Komfort bieten. Mizuno Enerzy ist ein EVA-basiertes Mittelsohlen-Element, das ein weicheres und reaktiveres Lauferlebnis bewirkt als alle Vorgänger. Die weichere Dämpfung gewährt einen höheren Komfort bei der ersten Phase der Landung des Fußes. "Für ein nahtloses Abrollen der Schuhe ist das Enerzy-Element nicht nur weich, sondern harmoniert auch sehr gut mit den Energie-Rückstellkräften der Mizuno Wave-Technologie. Das Ergebnis gewährleistet hohen Komfort beim ersten Bodenkontakt, und anschließend eine hohe Energierückführung." Adidas zählt im Straßenlauf auf Rocker-Konstruktionen, bei denen die Schuhspitze und Ferse gegenüber dem Mittelfußbereich angehoben werden. Die Mittelsohlentechnologien Boost und Lightstrike, die in Modellen wie Ultraboost 20 und SL20 verarbeitet werden, bieten optimale Dämpfung und Energierückgabe. Und auch Asics zieht mit. "Eine Technologie für Laufschuhe, auf die Asics auch weiterhin setzt, ist das neue Flytefoam Blast. Der besonders leichte Schaumstoff sorgt einerseits für eine verbesserte Dämpfung und andererseits aber auch für eine Art Trampolineffekt, der Läufer nach vorne bringt. Ergänzend zu dem erfolgreichen Modell Novablast kommen im Herbst der Dynablast sowie der Roadblast zur Blast-Familie hinzu", erläutert Irle. Vor dem Hintergrund, dass erstaunliche 42 Prozent aller Läuferinnen und Läufer über Knieverletzungen klagen, stellt Salomon für Herbst/Winter 2020 zwei neue Schuhe vor, die die Belastung auf Knie und Hüfte des Läufers reduzieren sollen, indem der Schuh unabhängig von Laufstil und Gangart mit den wichtigsten Fußgelenken harmoniert. Die neuen Straßenlaufschuhe Predict 2 und Predict SOC sind so konzipiert, dass sie sich durch die anatomische Entkopplung auf der Grundlage der Fußgelenke an den Fuß anpassen beziehungsweise den individuellen Aufprall des Fußes auf dem Boden "vorhersehen".
Craft setzt zunehmend auf die individuellen Wünsche des Läufers
Quelle: Craft
Und wie sieht es mit dem Thema Nachhaltigkeit im Runningbereich aus? "Der prozentuale Anteil an recycelten Materialien steigt von Saison zu Saison. In der Running App sind im Herbst/Winter 2020/2021 bereits 70% der Produkte mit den nachhaltigen Technologien Primegreen oder Primeblue ausgestattet, nächstes Jahr sind es sogar 90%“, freut sich Oberhofer. Auch bei Asics ist das Thema in allen Unternehmensaktivitäten verankert und hat auf Produktions- und Distributionsseite gerade erst zu Neuheiten geführt. Bei der Kollektion “Edo Era Tribute Pack”, die sechs Performance Laufschuhe sowie vier Sportstyle-Modelle umfasst, kommt ein Obermaterial aus recyceltem Polyester zum Einsatz. Der Polyester wird von benutzten PET Flaschen gewonnen. Darüber hinaus stellt Asics angefangen bei dieser Kollektion bis 2021 die Verpackung auf Schuhkartons aus 100 Prozent recycelter Pappe mit wasser- statt ölbasierter Tinte um. Last but not least wird es im Frühjahr 2021 mit dem Performance-Laufschuh Index.01 von Salomon eine recycelbare Variante auf den Markt bringen wird. Der Schuh ist das Ergebnis aus drei Jahren Forschung und Entwicklung und wurde so konstruiert, dass durch die Anwendung zirkulärer Lebenszyklusprinzipien der Materialabfall entscheidend reduziert wird. 
Salomon setzt ab dem Frühjahr 2021 verstärkt auf Nachhaltigkeit
Quelle: Salomon
Fachhandel: Industrie setzt auf Partnerschaft in Krisenzeiten. 
Vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben dem Sportfachhandel in letzter Zeit enorm zugesetzt. Da hilft es auch oft nicht, dass Running als Segment durchgehend beim Endverbraucher extrem gut nachgefragt wurde. So hatte Asics einige Maßnahmen angestrebt, die den Fachhandel bestmöglich unterstützen sollen, wie z.B. die Verschiebung der Herbst/Winter 20 und Frühling/Sommer 21-Saisons, um Produktlebensdauer und relevante Abverkaufszeiträume bestmöglich auszusteuern,  die Optimierung Lagerkapazitäten und Abläufe für schnellstmögliche Lieferungen oder die Unterstützung und persönliche Beratung durch die einzelnen Sales Manager und den entsprechenden Kundeninnendienst, um nur einige zu nennen. Kreative Wege aus der Krise sucht auch das Experten-Team von Adidas. "Unser Ziel ist es, eng mit den Spezialisten zusammenzuarbeiten und in der jetzigen Zeit kreative Wege zu finden, den Konsumenten zu erreichen. Neben unseren Test- und Try-Aktionen haben wir mit mehreren Fachhändlern sogenannte "Hang Outs" organisiert. Hier haben jeweils ein Vertreter der Spezialisten, ein adidas Mitarbeiter sowie 3-Streifen-Athleten wie Anna Hahner oder Jonas Koller über die Auswirkungen der Corona-Pandemie in ihrem Alltag gesprochen. Auch im Bereich Social Media unterstützen wir den Handel, indem wir Bild- und Videomaterial unserer Kampagnen zur Verfügung stellen oder gemeinsam eigene Inhalte produzieren. So möchten wir unsere Zielgruppe auf den digitalen Kanälen erreichen." Gorewear wiederum setzt auf die Deckung bei erhöhtem Nachorder-Bedarf. "Wir haben eine definierte (core) Range an relevanten Produkten auf wichtigen Preislagen – und planen diese so, dass auch ein erhöhter Nachorder-Bedarf aus dem Einzelhandel gedeckt werden kann. Wir erleichtern dem Händler die Planbarkeit über eine verlässliche Mischung aus innovativen Neuentwicklungen und zuverlässigen Produkt-Lebenszyklen", erklärt Hübner.

Schlüchter Astrid
Autor(in) Schlüchter Astrid


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