Top-Thema Running 05.04.2021, 15:24 Uhr

Im Laufschritt aus der Pandemie?

2020 gingen rund 5,2 Millionen Menschen in Deutschland häufig Joggen oder machten Wald- und Geländeläufe – so das Ergebnis einer Studie des Allensbacher Instituts. Kommt der Lauf-Boom auch im Handel an und gibt es eine Zukunft für die Lauflust in Deutschland?
(Quelle: 361 )
Kaum eine andere Individualsportart profitiert von der Corona-Pandemie so stark, wie der Laufsport. Vor allem Neueinsteiger prägen die Parks der Citys, die Straßenschluchten der Metropolen sowie die Waldwege und Trailpfade in der Natur. Ein Segen für die Laufschuhindustrie und den Online-Handel in Lockdown-Phasen– aber was ist mit dem stationären Sportfachhandel? „Insgesamt ist die Situation nach wie vor eine große Herausforderung für den stationären Handel. Was aber nichts an der Tatsache ändert, das viele Menschen aktuell draußen zum Laufen gehen,“ erklärt Oliver Mienert, Inhaber und Laufexperte von Absolute Run in Augsburg. „Ich bin grundsätzlich kein Freund von dem Ausdruck „Alternativlosigkeit“, so Mienert weiter, „aber aktuell ist Running Alternativlos. Zumindest in Bezug auf Ballsportarten oder Sport in geschlossenen Räumen beziehungsweise Fitnessstudios. Insofern, ja, Running boomt.“ Auch Frank Geisler, COO von Intersport kann eine besonders große Nachfrage in der Kategorie Running bestätigen: „Erfreulicherweise profitieren hierbei sowohl Schuhe als auch Textilien. Insbesondere gewinnen dabei performance-orientierte Artikel, die auch eine entsprechende Funktionalität aufweisen. Die Kaufbereitschaft ist hier gestiegen.“ Für Sandra Damith PR-Expertin bei Xenofit haben die Themen Gesundheit und Wohlbefinden während der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen, daraus resultiert für sie der Boom im Bereich Radfahren und Laufen. „Unsere Sporternährung wurde gut nachgefragt. Allerdings haben uns im letzten Frühjahr/Sommer zahlreiche Händler aus dem Bereich Running und Bike mitgeteilt, dass sie aufgrund der gestiegenen Nachfrage oft gar keine Zeit für Nachbestellungen von Sporternährung hatten.“ Aber, ob, die neuen Laufsportler auch nach der Pandemie noch dabei bleiben, steht für Damit noch in den Sternen: „Wahrscheinlich lässt sich erst im Nachhinein sagen, wie viele Menschen wirklich am Laufen drangeblieben sind. Schön wäre es natürlich, wenn viele dabeibleiben.“ 
Laufen: Corona-Strohfeuer oder echter Megatrend?
Quelle: Adidas
Strava, seines Zeichens soziales Netzwerk zum internetbasierten Tracking sportlicher Aktivitäten, wie Radfahren oder Joggen untermauert die neue Lauflust mit beeindruckenden Zahlen: Im Jahr 2020 legten 73 Millionen angemeldete Sportlerinnen und Sportler insgesamt 3 Milliarden Kilometer im Jogging-Modus zurück. Allein in Deutschland haben die Läuferinnen und Läufer eine Gesamtstrecke von 100,9 Millionen Kilometer getrackt. Zählt man hier noch die ganzen Laufsportler dazu, die über andere soziale Netzwerke ihre Laufeinheiten visualisieren, kann man durchaus Deutschland als Laufnation bezeichnen. Covid-19 hat den Individualsport lediglich noch gepusht, wie  Aufzeichnungen von Strava beweisen: Waren es 2020 gut 100 Millionen gelaufenee Kilometer, liefen die deutschen Joggerinnen und Jogger ein Jahr zuvor lediglich 67,1 Millionen Kilometer. Der Lockdown hat die Gesamtkilometerzahl um satte 49 Prozent anwachsen lassen. Weltweit betrachtet, ist eine Steigerung um 50 Prozent innerhalb von einem Jahr zu verzeichnen. Ebenfalls äußerst Interessant und eine Weichenstellung für die zukünftige Ausrichtung im Sportfachhandel, beispielsweise was die Schwerpunkte für den Herbst/Winter 2021/22 betrifft: Die Daten von Strava zeigten, dass zu Beginn des zweiten Lockdowns am 2. November 2020 die Laufaktivitäten stark zugenommen haben! On top, nahmen die getrackten Laufstrecken auch im Dezember 2020 nicht ab. Weitere Vergleichszahlen, was das erste Quartal 2021 betrifft, waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht hinreichend ausgewertet. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass auch der weitere Verlauf des Winters 2020/21 sehr positiv zu bewerten ist, was die Lauffreude angeht. Dazu Sebastian Bär, CEO und Inhaber von Joe Nimble: „Covid-19 hat unser gewohntes Leben einmal umgekrempelt und auch unsere Möglichkeiten, Sport zu treiben, stark begrenzt. Laufen ist eine der wenigen sportlichen Betätigungen, die noch immer jederzeit uneingeschränkt möglich sind. Der Drang nach Freiheit und Aktivität kann somit zumindest in der Natur ausgelebt werden – und der Wunsch, etwas für sich und seinen Körper zu tun, hat viele dazu bewegt, es einfach einmal auszuprobieren. Aus vielen Neueinsteigern sind inzwischen Gewohnheitsjogger geworden.“ 
((Quote:)) Sebastian Bär: „Aus vielen Neueinsteigern sind inzwischen Gewohnheitsjogger geworden.“
Weitere aktuelle Studien, wie beispielsweise von Asics Frontrunner, waren interessiert, ob die Pandemie-bedingte Lauflust lediglich ein Strohfeuer darstellt, oder, ob der Laufsport das Zeug hat zur stabilen Konstanz im Handel zu avancieren. Die Aussichten? Gut! 69 Prozent der befragten Läuferinnen und Läufer aus aller Welt, gaben bei Asics Frontrunner an, dass sie auch nach der Pandemie ihre neuen Gewohnheiten beibehalten wollen. Ganze 65 Prozent der Befragten wollen dem Sport dauerhaft eine wichtige Rolle in ihrem Leben einräumen. Ebenfalls optimistisch stimmt ein weiteres Ergebnis: Fast zwei Drittel der weltweit befragten Läuferinnen und Läufer, die während der Pandemie erst mit dem Laufsport begonnen haben, möchten auch in Zukunft weiter läuferisch aktiv bleiben. Günter Klein, Geschäftsführer Sourceplan/Wrightsock sieht vor allem Frauen, die sich seit letztem Frühjahr für das Thema Running interessieren ganz vorne. Dass vor allem Frauen in Lockdown-Zeiten zum Laufsport wechselten kann auch Strava bestätigen: In 2020 haben weltweit Sportlerinnen im Alter von 18-29 Jahren +45,2 % häufiger Sport gemacht, im Alter von 30-39 und von 40-49 Jahren +25 % und Frauen über 60 +28,3% (d.h. % häufiger Aktivitäten auf Strava hochgeladen). Junge Frauen verzeichneten deutlich mehr Aktivitäten als im Jahr zuvor, was darauf schließen lässt, dass sich Frauen durch die Verschiebung des Tagesablaufs zu einem körperlich aktiveren Leben ermutigt fühlten.
((Quote)) Tim Rose, Marketing Coordinator 361°: „Für die Neueinsteiger ist am Anfang die individuelle Beratung sehr wichtig, denn Laufen macht nur Spaß, wenn man den richtigen Schuh am Fuß hat. Wenn man mit seinem ersten Laufschuh zufrieden ist, dann bleiben die Kunden der Marke und meistens auch dem Modell treu.“

Das Händler-Lauf-ABC: Analyse, Beratung, Community
Wir können also feststellen, dass sowohl die Neueinsteiger dem Laufsport treu bleiben wollen, auch ohne Lockdown-Situation und die eingefleischten Läufer ihre Trainingseinheiten weiter intensivieren und sogar neues Terrain für sich entdecken. Stichwort: Trailrunning. Aber wie können die stationären Händler die vielen Einsteiger für sich gewinnen? Für Oliver Mienert stellt Beratungskompetenz die einzige Chance dar, die der stationäre Fachhandel hat. Viele Kunden vereinbaren, wo es möglich ist, aktuell einen „Click & Meet“-Termin, dazu Mienert: „Gerade Einsteiger haben sich aufgrund der Lockdown-Situationen online Laufschuhe gekauft und sind nun oftmals damit nicht zufrieden. Sie benötigen jetzt einen Beratungstermin im Fachgeschäft.“ Beratung als Kompetenzmerkmal steht auch für Tim Rose, Marketing Coordinator, 361° auf dem Siegertreppchen: „Ein Großteil der Neuläufer sind Quereinsteiger, die keine läuferische Vergangenheit haben. Deswegen ist eine individuelle Laufschuhberatung für sie essenziell wichtig, um den für sie passenden Schuh zu finden. Zwei ganz wichtige Eckpunkte sind hier Stabilität und Dämpfung. Hier haben unsere Fachhändler sehr gute Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass die Neueinsteiger Spaß am Laufen haben.“ Die exzellente Beratung, in Verbindung mit technischem Equimpent, wie eine videogestützte Laufanalyse, sieht Mienert als große Chancen für den stationären Handel. Was auch Lars Lunge, Shop-Inhaber von Lauf Lunge, Hamburg bestätigt: „Der Kunde will das physische Kauferlebnis und sucht insbesondere im Laufschuhbereich die intensive Beratung vor Ort, samt Laufbandanalyse und Fußvermessung.“ Apropos, für Jan Otto, Marketing Sidas und Thermic stellt das Thema Fußvermessung die Basis für einen Verkaufsprozess dar, inklusive der richtigen Produktempfehlung. „Nur so ist es möglich, dem Lauf-Kunden ein optimales Verkaufserlebnis zu bieten, damit er seinen Sport in vollen Zügen und ohne Schmerzen oder Verletzungen genießen kann“, so Otto. Sidas bietet dem stationären Handel mit digitalen Analysegeräten die Möglichkeit sowohl die shopeigene Digitalisierung als auch die Expertise weiterzuentwickeln. „Dadurch heben wir das Einkaufserlebnis auf ein neues Level. Zuverlässige professionelle Analysegeräte – wie die 3D-Vermessung mit der Feetbox 3D oder der superschnellen neuen Feetbox Evo – liefern nicht nur die wichtigsten Parameter für die Fußanalyse, sondern sorgen mit einer Schuhempfehlung aus der digitalen Schuhdatenbank für einen völlig neuen Beratungsprozess.“ Für Mienert ist neben innovativen Analysemöglichkeiten aber vor allem eines wichtig: Das Team. „Die Berater auf der Fläche müssen authentisch sein, den Laufsport lieben und diesen Enthusiasmus auch an die Kunden weitergeben. Die Kunst und die Chance liegt in der Beratung von Mensch zu Mensch. Wir brauchen auch weiterhin lebenswerte Innenstädte und um dies zu ermöglichen braucht es stationäre Händler, die mit einer guten Beratungsqualität ihre Kunden binden“, ist Mienerts Überzeugung. Auch aus Sicht von Klein steht die Beratung als Kompetenzzentrum im Fachhandel im Mittelpunkt. „Das kann telefonisch aber auch als Servicethema auf der eigenen Webseite, in Blogs und über Socialmedia-Plattformen geschehen. Wir unterstützen den Fachhandel durch die spezielle Webseite www.blasenberatung.de, die jetzt seit einigen Wochen online ist. Hier gibt es Wissen rund um das Thema ‚Blasenverhinderung‘. Da werden nicht nur Produkt-Tipps gegeben, sondern sehr umfangreich Hintergrundwissen vermittelt. Derzeit schreiben drei Experten immer wieder Beiträge. Hier kann sich der Fachhandel wie beim E-Learning Wissen aneignen und so seine Kompetenz ausbauen.“  Und sobald es die Pandemie wieder zulässt, setzt Mienert mit seinem Team wieder auf Community-Runs sowie Laufreisen und Trainingslager. Auch Events und Vorträge auf der Fläche sind für Mienert eine wichtige Kundenbindungsmaßnahme. Bär sieht im stationären Handel ein größeres Verständnis für erklärungsbedürftige Produkte seit der Pandemie: „Der Handel sucht nach Neuheiten, nach Produkten mit Philosophie und ‚Seele‘. Kunden wollen nicht länger anonym und auf Verdacht im Internet shoppen. Gerade zu Zeiten der Pandemie glänzt der Einzelhandel –  so er denn darf –  daher mit seiner ureigensten Stärke: der Beratung. Nichts ersetzt den Fachmann vor Ort, der den Interessenten die Hintergründe einer Marke oder Produktspezifika individuell erläutern kann. Daher kooperieren wir gern und mehr denn je mit dem Sportfachhandel. Wir liefern dabei nicht nur Produkte, sondern auch Hintergrundwissen zu Anatomie, Bewegungsabläufen und der daraus resultierenden Functional Footwear.“ Verkaufsschulungen, Weiterbildungen, Warenkunde und Kundenpsychologie – die Zeiten waren noch nie besser, um als Händler darin zu investieren. Dazu Geisler: „Die neue Zielgruppe wird weiterhin den Bedarf an qualitativ hochwertigem Service und kompetenter Beratung haben. Hierbei versuchen wir gemeinsam mit unseren Industriepartnern das Fachpersonal auf der Fläche umfänglich und zielgerichtet zu schulen, um diese Beratungsleistung bestmöglich bieten zu können.“

Krisenbewältigung – digital
Die aktuelle Realität sieht momentan ernüchternd aus: Steigende Inzidenzen jenseits der magischen 100, lassen die Läden reihen- und bundesländerweise nach kurzer Lockerung wieder schließen. Und das, wo „Click & Meet“ insgesamt großen Anklang fand: Lauf Lunge kam in der ersten Lockerungsphase im März 2021 auf eine Auslastung von 80 Prozent. „Unsere Berater wissen ebenso zu schätzen, dass es aufgrund von Click & Meet kein Gedrängel im Laden gibt und sie sich auf die Kundenberatung konzentrieren können.“ Und jetzt? Heißt es wieder abwarten und nach Möglichkeit die Kunden online über eine möglichst ganzheitliche Strategie zu binden, wie es Keller Sports macht. Dazu Marcus Trute Geschäftsführer Keller Sports: „Durch unsere 360°-Kommunikation versuchen wir sowohl die Neueinsteiger als auch bereits bestehende Kunden, mit jeweils relevanten Themen an allen Touchpoints abzuholen. Das können Tipps für Laufanfänger sein oder Trainingspläne für Fortgeschrittene.“ Trute und sein Team setzt darüber hinaus auf die hauseigene und kostenfreie ‚Keller sMiles-Sport-App‘, die in Zeiten von Corona-Einschränkungen noch weiter entwickelt wurde. Dazu Trute: „In Zukunft werden wir uns nicht mehr nur auf unsere Heimatstadt begrenzen, sondern mit einem entsprechenden Konzept flexibel unsere bestehenden und potenzielle neue Kunden begeistern. Wann Laufveranstaltungen generell wieder möglich sein werden, ist leider nicht absehbar. Deswegen haben wir alle Möglichkeiten Rund um die virtuellen Challenges in unserer Keller sMiles App intensiviert und bieten jedem Läufer unterschiedliche Möglichkeiten sich zu motivieren noch mehr laufen zu gehen.“  Auch adidas setzt auf digitale Strategien. Dazu Alexander Oberhofer, Go-to-Market-Strategie, adidas Running, DACH: „Die Konsumenten der Zukunft sind „Digital Natives“ und wir möchten ihnen auch über digitale Kanäle ein personalisiertes Einkaufserlebnis ermöglichen. Bis 2025 streben wir an, weltweit 500 Millionen Mitglieder zu generieren.“ Oberhofer spricht hier das Marken-eigene Vorteilsprogramm „Creators Club“ an sowie zahlreicher adidas-Apps, mit denen Punkte gesammelt und exklusive Vorteile gesichert werden können. Für Luca Mich, Marketing & Communications Manager, La Sportiva sind Omnichannel-Modelle der Weg in die Zukunft. Dazu Mich: „Der größte Trend in Sales-Fragen ist E-Commerce – physische Stores verändern sich und werden zu Orten, an denen man andere Menschen treffen und sich über Produkte austauschen kann genau wie auch die Möglichkeit zu haben, diese auszuprobieren und zu erleben, doch der Einkauf findet dann online statt. Diese neuen Trends müssen verstanden werden und ein phygitaler Ansatz ist die konsequente Antwort auf das veränderte Kundenverhalten, das durch Covid-19 verstärkt bzw. beschleunigt wurde.“ 
Handel – Partner – Kunden: Geht die Rechnung auf?
Aber, wo bleibt da der stationäre Sportfachhandel? Hier setzt adidas auf intensive Kommunikation und gemeinsame Lösungen. Dazu Oberhofer: „Wir sind überzeugt, dass sich die Menschen nach diesen langen Schließungen wieder auf ein Kauferlebnis in den Innenstädten freuen und die persönliche Beratung vor Ort noch mehr schätzen.“  Oberhofer sieht in der Strategie vor allem die Laufeinsteiger als wichtige Zielgruppe an, um die Läufer langfristig an den Sport und die Marke zu binden, bestenfalls über den Händler seines Vertrauens. „Damit diese Motivation auch anhält, arbeiten wir an Produktkonzepten, die allen Laufbegeisterten den optimalen Trainingsschuh an die Hand geben, egal wie schnell oder weit sie joggen, so Oberhofer. Mathias Schulz, Head of CEP schmerzt es sehr, dass der stationäre Sportfachhandel über eine so lange Zeit seine Türen schließen muss. Dazu Schulz: „Nach wie vor ist der stationäre Handel nicht nur unser wichtigster Absatzkanal, sondern vor allem auch Partner. Deshalb haben wir 2020 verstärkt in die Unterstützung des stationären Fachhandels investiert und uns personell verstärkt. Mit Holger Grauting als neuem Key Account Manager werden seit letztem Jahr deutschlandweit Kunden zentral betreut. Daneben bildet Jonas Engelhardt als neuer Sales Operations Manager zusammen mit dem CEP-Außendienst und -Kundenservice das Bindeglied zwischen Marke und Kunden, um deren Bedürfnissen effektiver und effizienter zu entsprechen.  Mit mehreren Marketingmaßnahmen, wie z. B. unserer #runtothestores Aktion, locken wir gezielt Kunden zu unseren kompetenten Partnern in den Fachhandel, um diesen bestmöglich in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen.“ Für die Zeit nach der Pandemie sieht Jandl vor allem Chancen bei den Neulingen: „Der Sporthandel muss sich der Einsteiger annehmen, durch gemeinsame Lauftreffs mit verschiedenen Leistungsgruppen und in ungezwungener Atmosphäre.“  

Laufsport: Stabiler Ganzjahres-Dauerbrenner
Für Rose steht fest, dass „ein Großteil der Neuläufer dem Sport auch nach der Pandemie treu bleiben wird“. Vor allem unabhängig von Wetter und den Jahreszeiten. „Jedoch brauchen Läufer im Winter andere Bekleidung und Schuhe als im Sommer, das sollten Händler bedenken. Auch Mienert sieht Laufen als Ganzjahressportart. „Die Händler müssen dafür sorgen, dass die Kunden entsprechend die beste Ausstattung für Winterläufe und Regentage auf der Fläche findet.“ Sebastian Bär geht hier noch einen Schritt weiter: „Die Laufschuhbranche erfährt gerade einen Paradigmenwechsel: Rennen, Events und Stadtläufe finden seit bald einem Jahr nicht mehr statt. Genusslaufen und die Förderung der eigenen Gesundheit rücken dadurch in den Vordergrund. Läufer achten bei der Neuanschaffung daher mehr denn je auf Komfort und suchen Laufschuhe, die schmerzfreies Laufen ermöglichen.“ Insgesamt ist sich aber die Branche einig, dass Laufsport ein Ganzjahressport geworden ist. Veränderte Klimaverhältnisse, kürzere Winter, die in einigen Teilen Deutschlands komplett schneefrei bleiben, sind hier nur einige Merkmale, die zur Verschiebung des Laufsports beitragen. Trute hat „Laufen schon vor der Pandemie als Ganzjahressportart betrachtet, mit durchgehend hoher Intensität der Kommunikation.“ Auch das ein wichtiger Baustein: Der Händler entscheidet, wie stark er den Sport in den Wintermonaten präsentiert – sei es auf der Fläche aber auch in den eigenen Kommunikationsinstrumenten.

Zeit des Umbruchs: Von der Straße auf den Trail, der überall sein kann
Aus Sicht von La Sportiva hat die Pandemie einige Trends beschleunigt, die sich bereits in den letzten Jahren abgezeichnet hatten. „Die Trailrunning-Bewegung war eine der größten und beliebtesten Trends überhaupt. Es gibt viele Neueinsteiger, die vom Straßenlauf kommen und nach einer neuen und gesünderen Umgebung suchen, die in die Natur wollen. Das Thema des Social Distancings war dabei natürlich auch einer der Faktoren, der das Ganze beschleunigt hat,“ so Mich. Die Einschätzung von Mich steht nicht allein, sondern wird von Wolfgang Büche, Scarpa noch bestärkt: „Die Bewegung zum Trailrunning war schon vor Corona abzusehen, erhielt aber durch die Pandemie einen unglaublichen Schub.“ Die stärkste Nachfrage bei Scarpa können die Allrounder verzeichnen. „Aber auch die Schuhmodelle für Langdistanzen hatten einen Wachstum.“ Bei Laufwesten, so Büche waren vor allem die Modelle mit höherem Volumen stark nachgefragt und weniger die wettkampforientierten Westenmodelle. Scarpa ist von der Trailrunning-Bewegung langfristig überzeugt und investiert stetig in die Weiterentwicklung dieses Segments. „Durch Verwendung neuer Technologien können immer wieder Anreize für die Zielgruppe geschaffen werden, die sich dann über diesen Sport neu definieren“, erklärt Büche die Strategie. Aber wie definiert man einen Trailrun? Ist Trail gleichbedeutend mit Bergen? Nein. Dazu Lars Lunge: „Klar, Roadrunning ist – vor allem hier in Hamburg – natürlich die Disziplin, die am meisten nachgefragt wird. Zudem sehen wir aber auch eine verstärkte Nachfrage nach Trailrunningmodellen, da diese auch bei schlechtem Wetter einsatzfähig sind, dank Wasserfestigkeit und gutem Sohlengrip. Ein ähnliches Verständnis hat auch Trute: „Die verstärkte Nachfrage nach Trailrunningmodellen lässt sich dadurch begründen, dass gerade die Laufeinsteiger einen vielseitigen Laufschuh suchen, der auf Asphalt genauso funktioniert wie im Park oder auf Waldwegen. Im Unterschied dazu gibt es aber auch noch die spitzen Trail-Modelle der Outdoor-Marken, die durch den schon seit Jahren bestehenden Trailrunning-Boom weiterhin sehr nachgefragt sind. Auch Rose sieht das Thema Trailrunning breit aufgestellt: „Trails werden mittlerweile überall gelaufen, nicht mehr nur in den Alpen. Die Läufer schätzen die Abwechslung, die technische Komponente und das Naturerlebnis. Ein guter Trailschuh muss vor allem gut gedämpft und stabil sein sowie einen guten Grip in jedem Gelände bieten.“ Die Läufer der Zukunft lieben die Abwechslung – nur die immer gleiche Runde im Park oder auf Asphalt ist nicht mehr attraktiv, genauso wenig wie die Laufschuh-Allzweck-Waffe. Dazu Rose: „Der Fachhandel muss sich breit aufstellen, denn es gibt neue Läufergruppen, die unterschiedliche Schuhe nachfragen. Der Neueinsteiger braucht einen gut gedämpften und stabilen Trainingsschuh, der Trailläufer den richtigen Trainingspartner fürs Gelände und dann gibt es ja auch noch die Straßenläufer, die unterschiedliche Modelle für das Training nachfragen und ein Wettkampfschuh mit integrierter Karbonplatte. Laufschuhe passen sich immer mehr den Bedürfnissen der Läufer an und das sorgt für ein breites Angebot an unterschiedlichen Schuhmodellen.“

Susa Schreiner
Autor(in) Susa Schreiner


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