Materialforschung 25.04.2019, 11:48 Uhr

Polartec und Kraig arbeiten an Spinnenseide für Hochleistungs-Textilien

Mithilfe von Gentechnik und Seidenraupen wollen die US-Unternehmen künstliche Spinnenseide skalierbar und kostengünstig produzieren. Dadurch soll sie auch für den Textil-Massenmarkt verfügbar werden.
Polartec-Website (Ausschnitt)
(Quelle: Polartec)
Polartec arbeitet mit dem Biotech-Unternehmen Kraig Biocraft Laboratories daran, die ersten Stoffe aus Spinnenseide für Performance-Kleidung nutzbar zu machen. Die ursprünglich für militärische Spezialanwendungen entwickelten Materialien aus biotechnologisch hergesteller Spinnenseide sollen künftig auch auf dem globalen Markt für Hochleistungs-Textilien und -bekleidung angeboten werden, verlautbart der US-Stoffspezialist.
"Die Zusammenarbeit mit einem Marktführer wie Polartec bestätigt uns in unserem patentierten Ansatz, das Potenzial von kommerziell produzierter Spinnenseide voll auszuschöpfen", erklärt Kim Thompson, Gründer und CEO von Kraig Laboratories, laut Mitteilung. "Kraig ist überzeugt, dass Spinnenseide mit ihren unvergleichlichen mechanischen Eigenschaften das Potenzial hat, die Leistungsstärke der derzeitigen Generation von Performance-Fasern zu übertreffen."
Die skalierbare und kostengünstige Herstellung von Spinnenseide, einer der stärksten natürlichen Fasern, stelle einen "heiligen Gral" der Materialwissenschaft dar, betont Polartec. Kraig besitze das Exklusivrecht zur Verwendung patentierter Spinnenseiden-Gensequenzen in Seidenraupen. Dadurch sei es erstmals möglich, die Fasern kostengünstig und verantwortungsvoll in großen Mengen herzustellen. Die üblicherweise von Mitbewerbern bei der Herstellung von Spinnenseide eingesetzten gentechnisch veränderten Escherichia-coli-Bakterien brächten hingegen große Mengen an Kohlendioxid und sehr hohe Kosten mit sich, und die Spinnen selbst ließen sich nicht in Kolonien züchten. 
Die vollständig erneuerbaren, biologisch abbaubaren und biokompatiblen "Superfasern" auf Spinnenseide-Basis seien dünn, leicht, flexibel, belastbar und außerordentlich stark, zählt Polartec auf. Durch ihr optimales Festigkeit-zu-Gewicht- Verhältnis seien sie vergleichbarer mit Aramidfasern als derzeit geläufige Performance-Fasern. Für die Anwendung in Bekleidungsstücken seien die Möglichkeiten rekombinanter Spinnenseide besonders spannend, da sich beispiellose Kombinationen von physikalischen Eigenschaften wie Atmungsaktivität mit hervorragender Langlebigkeit realisieren ließen.
"Dieses Projekt kombiniert zwei unserer wichtigsten Innovationsmissionen: Wir versorgen die Militärkräfte unserer Nation mit erstklassigen Textilien und investieren in eine vollständig biologisch abbaubare Produktlinie", summiert Polartec-CEO Gary Smith. "Unsere Partnerschaft mit Kraig hat das Potenzial, so revolutionär zu sein wie 1993, als wir die ersten Performance-Stoffe aus recycelten Kunststoffen hergestellt haben."
An Garnen aus Spinnenseide, die den hohen Anforderungen an Militärtextilien gerecht werden, arbeiten Polartec und Kraig laut Mitteilung seit 2016 gemeinsam. Eine Einschätzung, wann erste entsprechende Hochleistungs-Textilien auf den zivilen Markt kommen, geben die Unternehmen nicht.
Im Schuhbereich hat Adidas bereits 2017 einen Sneaker-Prototypen auf Basis künstlich erzeugter Spinnenseide vorgestellt. Das Ausgangsmaterial ist eine Faser namens Biosteel, die aus einem rekombinant hergestellten Spinnenseideprotein besteht, und stammt von der deutschen Firma AM Silk (Planegg).

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