Yougov-Studie 24.11.2020, 08:16 Uhr

Winter mit Fragezeichen

Wie blicken deutsche Wintersportler auf den Corona-Winter? Unter welchen Bedingungen würden sie reisen, und welche Maßnahmen sollten vor Ort getroffen werden? Eine im Oktober veröffentlichte Yougov-Studie versuchte, diese Fragen zu beantworten.
(Quelle: Shutterstock)
Rund jeder sechste Deutsche treibt Wintersport. Doch drei von zehn Wintersporturlaubern haben bereits entschieden, dass sie im Winter 2020/21 auf ihren üblichen Wintersporturlaub verzichten wollen - das ist die zentrale Erkenntnis einer kürzlich vom Meinungsforschungsinstitut Yougov durchgeführten Studie zu den Plänen der deutschen Wintersportler für die bevorstehende kalte Jahreszeit. Für die Untersuchung wurden vom 12. bis 14. Oktober insgesamt 2.063 Personen in Deutschland ab 18 Jahren mittels Online- Interviews bevölkerungsrepräsentativ befragt. Der Grundtenor: Die Coronakrise beeinflusst die Winterurlaubspläne der Deutschen in dieser Saison mehr als nur deutlich. 27 Prozent der Wintersportler planen demnach ihre Ferien im Schnee angepasst an die aktuelle Corona-Situation oder sind aufgrund der Covid- 19-Pandemie derzeit noch unschlüssig über ihre Reisepläne. 31 Prozent wollen in jedem Fall auf ihren Skiurlaub verzichten. Dagegen gaben gerade einmal acht Prozent der Befragten an, ihren Wintersporturlaub in dieser Saison wie gewohnt durchführen zu wollen, ohne dass die Corona-Pandemie an ihrem Vorhaben etwas ändern würde – wohlgemerkt noch vor den seit Anfang November in vielen europäischen Ländern eingeführten Lockdownähnlichen Beschränkungen, die die Umfrageergebnisse sicherlich noch einmal wesentlich beeinflussen hätten können.
Gerade jene Beschränkungen haben laut der Yougov-Studie die größten Auswirkungen auf die Wintersportpläne: Etwas weniger als die Hälfte (45 Prozent) derjenigen Deutschen, die grundsätzlich Wintersport treiben, gaben an, unter keinen Umständen den Wintersporturlaub anzutreten, wenn ihre Urlaubsregion bei Reiseantritt als Corona-Risikogebiet gilt. 25 Prozent sagen, ihren bereits gebuchten Wintersporturlaub durchführen zu wollen, auch wenn ihre Urlaubsregion bei Reiseantritt als Corona-Risikogebiet gilt, sofern eine risikofreie Wiedereinreise nach Deutschland gewährleistet werden kann. 16 Prozent sagten zudem, dass eine problemlose Quarantäne nach der Rückkehr in den Alltag Voraussetzung für sie wäre, den Urlaub dennoch anzutreten. Insbesondere Österreich wurde in der Untersuchung übrigens als Beispiel genannt, wie sich die jeweiligen Beschränkungen beziehungsweise Voraussetzungen auf die Wintersportpläne auswirken können: Unter jenen Befragten, die angaben, grundsätzlich am liebsten nach Österreich in den Winterurlaub zu reisen, gaben nur zwei Drittel an, dies auch in dieser Wintersaison tun zu wollen.
Hygienekonzepte von hoher Bedeutung
Gerade die jeweiligen Hygienekonzepte sind dabei ein wichtiger Faktor für viele Besucher. 23 Prozent würden den Urlaub nur durchführen, wenn ihre Unterbringung ein überzeugendes Hygienekonzept vorweisen könnte. Dazu sollte für 15 Prozent der Teilnehmer zum Beispiel eine gesicherte medizinische Versorgung am Urlaubsort gehören. Insbesondere Corona-Tests sollten der Meinung zahlreicher Befragter nach ein Bestandteil der jeweiligen Vorkehrungen sein. Ein Fünftel (21 Prozent) der deutschen Wintersportler würde die Reise in das jeweilige Skigebiet dann antreten, wenn es nach der Rückkehr die Möglichkeit der Durchführung eines kostenlosen Corona-Tests gäbe. 64 Prozent der deutschen Wintersporturlauber erklärten sogar, sich freiwillig nach ihrem Urlaub auf das Coronavirus testen lassen zu wollen – auch dann, wenn ihre Urlaubsregion zum Reisezeitpunkt nicht als Corona- Risikogebiet gilt. Frauen sagten dies in der Untersuchung im Übrigen häufiger als Männer (68 Prozent versus 62 Prozent der Männer). Drei von zehn Wintersportlern (29 Prozent) würden sich laut der Umfrage dagegen gar nicht testen lassen wollen. Auch ansonsten legen die befragten deutschen Wintersporturlauber großen Wert auf die Hygienekonzepte der jeweiligen Winterdestinationen. 70 Prozent der Studienteilnehmer sind so der Ansicht, dass es in Gondeln und Skiliften die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes geben sollte. Vier von fünf Wintersportlern – nämlich 80 Prozent – finden, dass es in Restaurants, Skibussen und Skigondeln eine Personenbegrenzung geben sollte. 72 Prozent stimmten in der Untersuchung der Aussage zu, dass Après-Ski-Veranstaltungen nur unter Einhaltung von Hygieneregelungen stattfinden sollten. In der Tat bestimmen Vorkehrungen wie Maskenpflicht, Abstand und Desinfektion in vielen Wintersportorten die Vorsichtsmaßnahmen – das haben alle großen Skigebiete bereits vor dem Saisonstart erklärt. Auch Après-Ski wird es in seiner bisherigen Form wohl nicht geben.

Autor(in) Werner Müller-Schell

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