Inlineskates, Scooter und Co. 05.07.2021, 12:05 Uhr

Rollsportarten stehen im Handel weiter hoch im Kurs

Egal ob Rollerblades oder Scooter – Produkte mit Rollen genießen im Zuge der Coronavirus-Pandemie ein Nachfragehoch. Das zeigen auch die Trends 2022.
(Quelle: Rollerblade)
Trends kommen wieder. Dieser Leitspruch gilt nicht nur in der Mode, sondern in vielen Gesellschaftsbereichen. Längst für ausgestorben erklärte Plattenspieler erleben eine Renaissance bei Musikliebhabern, stilvoll designte Oldtimer steigen bei Autokennern in ihrem Wert und Polaroidfotos feiern ihr Comeback mit entsprechenden Filtern auf Social-Media-Plattformen wie Instagram und Co. Im Sport sind es derzeit wohl Inlineskates, Scooter und Skateboards, die eine Wiedergeburt erleben. War der sportliche Megatrend der 1990er-Jahre bereits nahezu von den Straßen verschwunden, atmen die rollenden Sportgeräte im Zuge der Coronavirus-Pandemie die sportliche „zweite Luft“. „Die Nachfrage nach Inlineskates ist seit März 2020 im Vergleich zu den Vorjahren explodiert. Viele Menschen haben Inlineskating als Training für sich entdeckt, und das merken natürlich sowohl der Fachhandel als auch wir“, bestätigt Tim Förtig, Sales- und Marketing-Koordinator bei K2 Skates Europe, diese Eindrücke. „2020 kam es zu einer starken Nachorder, gefolgt von einer außergewöhnlichen Vororder in 2021. Für den Sport an sich ist es schön, dass auf allen Ebenen – von Jung bis Alt – die Nachfrage für Inlineskates gestiegen ist“, fügt er an.
Kinder- und Jugendskates sind derzeit stark gefragt.
Quelle: Schanner/Fila
Die Erfahrungen von K2 Skates sind dabei kein Einzelfall. In der Tat berichten die meisten Hersteller, die in den Produktkategorien Inline­skates, Scooter und Skateboards aktiv sind, von einer steigenden Nachfrage. Auch Bert Lammel, Marketingleiter beim Vertriebsspezialisten Schanner, beobachtet den Trend zum Rollsport: „Die Bereiche Inlineskating und Scooter haben sich in diesem Jahr sehr positiv entwickelt und liegen nochmals über dem schon sehr guten Vorjahr“, schildert er seine Eindrücke. Die Erklärung für die erhöhte Nachfrage sieht auch er vor allem in der Corona-Pandemie: „Die Gründe für diese positive Entwicklung liegen natürlich in den Auswirkungen von Corona. Der Sport kann nahezu überall von einer großen Zielgruppe ausgeübt werden. Viele hatten in früheren Jahren zu den Hochzeiten den Sport ausgeübt und kommen wieder zurück oder entdecken ihn neu. Bei Kindern und Jugendlichen gehören Inlineskates oft zur Grundausstattung“, so Lammel, der Ähnliches auch für den Bereich der Scooter beobachtet: „In der jungen Zielgruppe geht der Trend Richtung Stunt-Scooter, aber auch klassische Scooter werden gut verkauft. Neue Parks, das Thema Urban Mobility und die einfache Nutzung des Produkts sind hier die Gründe.“

Fitness steht hoch im Kurs

Aufgrund dieser Entwicklungen kommt es nicht von ungefähr, dass die Hersteller für 2022 ihre Sortimente stark auffrischen. Der große Trend – so der Tenor der Marken – ist dabei das Thema Fitness. „Für 2022 haben wir zwei Ausrichtungen: Fitness und Flexibilität. Unsere Fitness-Serie sowie die X-Training-Serie bekommen einen kompletten Lift-up mit ­einem atmungsaktiven Upper und einem sportlichen Fit, der trotzdem immer gemütlich ist“, berichtet Tim Förtig, der zudem das Thema Lifestyle-Skates als einen wichtigen Trend betrachtet: „Unsere Lifestyle-Skates sollen dafür sorgen, dass Wege zur Arbeit oder woanders hin nun als Ganzkörper-Workout genutzt werden können“, ergänzt er.
Auch beim Vertriebsspezialisten Schanner ist das Produktsortiment für 2022 auf das Thema Fitness gepolt: „Der Fitnesstrend spielt immer mehr eine wichtige Rolle. Hier sind die Modelle zwischen 80- und 84-Millimeter-Rollen sehr wichtig. In diesen Kategorien kommt Fila mit vielen neuen Modellen und Farben“, sagt Bert Lammel. Auch 3-Roller seien gefragt: „Hier können wir mit „Choose your Setup“ von Fila ein System anbieten, bei welchem der 4-Roller auf einen 3-Roller mit dann größeren Rollen umgebaut werden kann. Dies bringt viele Vorteile für den Endverbraucher und dem Händler Zusatzverkäufe“, so Lammel, der zudem Kinder- und Jugendskates als derzeit äußerst gefragte Produktkategorie nennt. „Hier kommt es auf gute technische Features und Technologien an, etwa ein gutes Verstellsystem. Dies bietet den Kindern eine perfekte Passform und noch mehr Fahrspaß“, so Lammel weiter.

Potenzial für Händler

Die Hersteller sind sich einig: Für den Sportfachhandel bieten die Innovationen entsprechendes Potenzial. Elmar Drexlmaier, Countrymanager für Deutschland bei Rollerblade, rät hierbei, dass der Fachhändler durch gezielte Fragen die Bedürfnisse, das Leistungsniveau und den gewünschten Einsatzbereich seiner Kunden eruieren solle. „90 Prozent aller Skates werden für den Fitnessbereich gekauft – das stellt die größte Kategorie dar. Bei der Sortimentszusammenstellung sollte der Händler auf ein gewisses Spektrum achten, um somit verschiedene Zielgruppen und Leistungsniveaus individuell bedienen zu können. Für den Einstiegsbereich sollte er Skates mit kleineren Rollen und einem tieferen Schwerpunkt im Sortiment führen. Diese Produkte können den Kunden in seiner Progression begleiten, indem später auf ein größeres Rollen-Setup gewechselt wird“, fährt er fort und rät Händlern darüber hinaus zu einem entsprechenden Angebot an Verschleißteilen wie Rollen in unterschiedlichen Größen, Kugellagern und Protektoren.
Für den Sportfachhändler könne sich dieses Investment schon alleine deshalb lohnen, weil Inlineskaten im Trend liege, so Drexlmaier. „Durch eine sinnvolle Sortimentsauswahl und gute Beratung kann der Sportfachhandel neben seinen bestehenden Kunden auch Neukunden gewinnen“, argumentiert er und fügt zudem an: „Bedingt durch den natür­lichen Verschleiß bei Bremsstoppern, Rollen und Kugellagern ist das ­Potenzial erfahrungsgemäß hoch, diese Kunden im weiteren Verlauf als immer wiederkehrende Stammkunden zu gewinnen. Zusätzlich hat der Händler die Chance, durch Upgrades wie beispielsweise den Verkauf größerer Rollen-Set-ups die Kunden bei ihren sportlichen Fortschritten zu unterstützen und begleiten sowie weitere Umsätze zu generieren.“           

Autor(in) Werner Müller-Schell


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