Fitness 05.04.2021, 15:00 Uhr

Neue Wege für die Branche

Fitnessstudios bleiben zu. Yogakurse sind abgesagt. Wie lassen sich in Zeiten der Pandemie dennoch Kalorien verbrennen? Home-Workouts erleben momentan einen regelrechten Boom und davon profitieren auch die Hersteller.
(Quelle: Adidas)
Laut Statista waren 2019 mehr als 11,6 Millionen Deutsche Mitglied in einem Fitnessclub. Laut einer Umfrage zur Häufigkeit des Besuchs von Fitnessstudios trainieren 61 Prozent der Besucher mehrmals wöchentlich. Sieben Prozent der Fitnessstudiomitglieder gaben sogar eine tägliche Trainingsfrequenz an. Die Pandemie hat Sportclubs und -vereine von einem auf den anderen Tag zum Schließen gezwungen. Die Lust am Training ist vielen jedoch dennoch nicht vergangen, vielmehr noch boomen momentan Onlineportale wie YouTube & Co, die Fitnesskurse in allen Disziplinen und Varianten für Jedermann zugänglich machen. Eine Entwicklung, die auch innerhalb der Branche nicht unbemerkt bleibt. „Schildkröt Fitness konnte seinen Absatz seit Beginn der Pandemie etwa verdoppeln. Die geschlossenen Fitnessstudios und Social Distancing beim Training sind sicher ein wichtiger Faktor. Gleichzeitig schärft eine Gesundheitskrise auch immer das Bewußtsein um einen gesunden Lebensstil - und hierzu gehört nun einmal Sport. Auch konnten wir uns als vergleichsweise zuverlässiger Partner beweisen und zahlreiche neue Kunden gewinnen. Aber auch bei uns hat zuletzt nicht immer alles so gut geklappt, wir in den 20 Jahren zuvor. Das tut uns leid und wer uns näher kennt, weiß dass wir im Hintergrund mit maximalem Engagement an Lösungen arbeiten. Für Schildkröt Fitness gehen wir auch nach der Pandemie von einer höheren Nachfrage aus. Veränderte Verhaltensmuster werden teilweise erhalten bleiben,“ so Sebastian Frey, Geschäftsführer MTS Fitness GmbH. 

Die großen Gewinner: Matten, Hanteln, Terrabänder & Co
Quelle: MTS Sportartikel/Schildkröt
„Wir haben keine Artikel aus dem Bereich Kleinfitness, die rückläufig sind; alles entwickelt sich positiv. Eine besonders starke Nachfrage gibt es nach Gewichten, Matten aber bspw. auch Türrecks. Und dann ist da noch der Hype um die Fitness-Hoops … In diesen sehr starken Bereichen haben wir bei Schildkröt die Sortimente nochmals kurzfristig ausgeweitet“, so Frey. Soll heißen, „wir haben die Auswahl an Yoga- und Fitnessmatten mehr als verdoppelt und auch bei den Fitness-Hoops kommen ab Liefertermin Juni nochmals zwei weitere Versionen. Ein Inhabergeführtes Unternehmen ist hier wie ein wendiges Schnellboot. Wir können hier wirklich sehr schnell reagieren und auch mal was „kurz ausprobieren“.“ Teilweise waren Klein-Fitnessgeräte sogar wochenlang ausverkauft. Hersteller hatten Probleme für Nachschub zu sorgen. Auf der begehrten Wunschliste: Trainingsbänder, Kleinhanteln, Yogamatten oder Slingtrainer. „Wenn wir die Kategorie Running als Gewinner bezeichnen, benötigen wir für die Kategorie Training einen Superlativ. Gesunderhaltung ist seit jeher einer der Hauptgründe für Kompression. Die ohnehin wachsende Nachfrage ist vor allem während der Pandemie förmlich explodiert. Auch hier kommt uns der Produktionsstandort Deutschland wieder zugute. Während man aktuell monatelang auf ein bestelltes Heimfitnessgerät warten muss, können wir die Nachfrage nach unseren Produkten sofort bedienen. Das reicht von Kompressionssocken über funktionale Shirts und Shorts bis hin zu unserem neuen Sports Bra, um optimal für das eigenen Home Gym gerüstet zu sein,“ erläutert Mathias Schulz, Head of CEP. 

Personal Training über die Mattscheibe: Influencer als neue Fitnesstrainer
Insbesondere Frauen haben in der Lockdown-Phase damit begonnen, ihr Workout vom Studio auf die Matte in die eigenen vier Wänden zu verschieben. Yoga, Pilates, Bauch Beine Po oder schweißtreibende HIIT-Workouts haben enorm an Nachfrage gewonnen und funktionieren auch zu Hause vor dem Bildschirm. Das bestätigt auch CEP: „Trends wie HIIT-Training zuhause kommen uns entgegen, da die Vorteile der Kompression sich wie bei einem dynamischen Run voll entfalten können. Daher erfahren wir eine große Nachfrage nach Kompressionsstrümpfen und Sleeves für den Trainingsbereich zuhause. Der Kunde hat zudem CEP Activating Sportswear als kompetenten Partner für Full Body Bekleidungslösungen wahrgenommen und fordert hier immer weitere Produkte. Diesen Auftrag haben wir verstanden und bedienen ihn mit unseren neuen Training Tights, Panties, Shirts, Tank Tops und Sports Bras sehr gut.“ Und das geliebte wöchentliche Personal- oder Gruppentraining? Das wird kurzerhand von Influencern wie Pamela Reif, Mady Morrison, Sophia Thiel oder Anne Kissner übernommen. Die Zahlen sprechen in jedem Fall für sich, so beeindruckt Puma-Markenbotschafterin Pamela Reif z.B. mit 4,6 Millionen Instagram Followern, ihre Workouts auf YouTube toppen das sogar noch. So wurde ihr zehn- minütiges Sixpack-Workout von mehr als 25 Millionen Followern angeklickt. Wer braucht da noch eine teure Mitgliedschaft im Fitnessstudio? Bleibt auch die Frage, ob diese neue Zielgruppe das benötigte Trainingsequipment, samt Fitnessoutfit jemals wieder im stationären Fachhandel kaufen wird? „Besonders während des ersten Lockdowns 2020 und der aktuell noch bestehenden Schließungen setzen wir auf unseren Online-Shop und die digitalen Portale unserer PartnerInnen. Wir hoffen jedoch sehr, unsere KonsumentInnen bald auch wieder in unseren Geschäften begrüßen zu dürfen,“ betont Sabrina Schwerdtner, Go-to-Market-Strategie für adidas Training & Women‘s in der DACH-Region. Generell zählen Kleinfitnessgeräte, Yogaleggings und Co aber auch zu den weniger beratungsintensiven Produkten. Und dann kommt noch der ständig wiederkehrende  Lockdown hinzu. „Das ganz große Problem ist die Zwangsschließung des stationären Handels. Als die Türen offen waren, haben die Fachhändler vielfach sehr gutes Business gemacht. Auch halte ich das Konzept des stationären Einzelhandels für absolut nicht überholt, vielmehr beobachte ich hier eine Rückbesinnung - auch an mir. Die letzten Mobiltelefone für die Firma haben wir bspw. beim lokalen Elektromarkt geholt. Diese Tendenz gekoppelt mit einer aktiven Kommunikation über die sozialen Medien ermöglichen ganz neue Perspektiven für den Fachhändler. Über unseren Außendienst stehen wir im engen Austausch mit unseren Kunden und finden auf individueller Basis im Gespräch Lösungen. Aber es ist natürlich auch klar, dass wir als Mittelstand nun nicht mit der Gießkanne alles pauschal vorfinanzieren können, auch wenn das wünschenswert wäre“, fasst Frey zusammen. 


Schlüchter Astrid
Autor(in) Schlüchter Astrid


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