Wegen Löhnen in Asien 08.05.2019, 12:03 Uhr

Organisationen wollen Adidas-Vorstand Entlastung verweigern

Südwind e.V. und die Kampagne für Saubere Kleidung werfen dem Unternehmen Missstände in seiner Wertschöpfungskette vor. In Indonesien und Kambodscha unternehme es beispielsweise zu wenig für eine existenzsichernde Entlohnung.
Firmengelände in Herzogenaurach
(Quelle: Adidas)
Der Verein Südwind und die Kampagne für Saubere Kleidung werden den Adidas-Vorstand und -Aufsichtsrat bei der morgigen Hauptversammlung in Fürth nicht entlasten. Das kündigt der Bonner Südwind e.V. an. Beide sähen die Ziele der Adidas AG für existenzsichernde Löhne verfehlt, heißt es zur Begründung.
"Da die Adidas AG seit vielen Jahren ihre selbst gesteckten Ziele, den Beschäftigten in der Adidas-Wertschöpfungskette eine faire Entlohnung zu zahlen, verfehlt, kann ich Vorstand und Aufsichtsrat nicht meine Stimme zur Entlastung geben", erklärt Dr. Sabine Ferenschild, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Südwind-Instituts und Vertreterin Südwinds in der Clean Clothes Campaign (CCC).
Autorisiert durch den Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, werde Ferenschild ihre Stimme nutzen, um auf die Missstände entlang der Adidas-Wertschöpfungskette aufmerksam zu machen, heißt es in einer Erklärung. Sie mache dies besonders an den Beispielen Kambodscha und Indonesien fest, in denen Adidas große Teile seiner Bekleidung fertigen lasse. Dort unternehme der Konzern zu wenig, um ein existenzsicherndes Lohnniveau sicherzustellen.
Adidas' Passivität und Weigerung, sich an der ACT-Initiative zu existenzsichernden Löhnen oder an der Textilbündnis-Initiative zu Kambodscha zu beteiligen, würden die Tarifverhandlungen in Kambodscha scheitern lassen, bevor sie überhaupt begonnen haben, wirft Südwind dem Sportartikelriesen vor. In Indonesien habe Adidas 2009 zwar wesentlich das Protokoll für Vereinigungsfreiheit initiiert, das die Gründung von Betriebsgewerkschaften erleichtern sollte. Bislang seien aber keine Auswirkungen des Protokolls auf Löhne oder Tarifverhandlungen bekannt. 
Im Adidas-Geschäftsbericht sehen Südwind und CCC einen Widerspruch zur Realität und stellen konkrete Forderungen an das Unternehmen. So fordern sie Adidas auf, der ACT-Initiative zu Kambodscha beizutreten oder sich am Ländermodul Kambodscha des Textilbündnisses zu beteiligen sowie im Textilbündnis das Ländermodul Indonesien zu existenzsichernden Löhnen mit aufzubauen. Zudem solle der Konzern einen öffentlichen, konkreten und messbaren Stufenplan vorlegen, der sicherstellt, dass die Beschäftigten in Adidas-Zulieferbetrieben innerhalb eines klaren Zeitrahmens einen existenzsichernden Lohn erhalten.
Eine Stellungnahme von Adidas zu den erhobenen Vorwürfen lag sport+mode bis zur Fertigstellung dieses Beitrags nicht vor.
Südwind firmiert als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn. Er wird unterstützt von der Stiftung Südwind – Institut für Ökonomie und Ökumene. Die Kampagne für Saubere Kleidung ist Teil des internationalen Netzwerks der Clean Clothes Campaign. Beide sind – ebenso wie Adidas – Mitglieder im Bündnis für nachhaltige Textilien.
UPDATE:
In einer Stellungnahme gegenüber sport+mode weist Adidas die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen setze auf faire Arbeitsstandards in seiner globalen Lieferkette, überwache diese sowohl selbst als auch durch unabhängige Organisationen und berichte über die Ergebnisse. In den Herstellungsländern fördere man freie Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden zur Etablierung von Tarifverträgen, erklärt Stefan Pursche, Senior Manager Media Relations.
In Kambodscha liege der gesetzliche monatliche Mindestlohn derzeit bei rund 182 US-Dollar. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen der Arbeiter in Adidas-Zulieferbetrieben betrage aktuell rund 290 US-Dollar, inklusive gesetzlich zulässiger Überstunden.
In Indonesien variiere der gesetzliche Mindestlohn regional sehr stark. Der Durchschnitt liege bei 218 US-Dollar im Monat. Das durchschnittlich verfügbare Einkommen der Beschäftigten in Adidas-Zulieferbetrieben liege bei aktuell 276 US-Dollar monatlich, inklusive gesetzlich zulässiger Überstunden.


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