Untersuchung 10.05.2019, 11:24 Uhr

Bargeld-Bedeutung im Handel schwindet

Eine Studie des EHI Retail Institute stellt in Deutschland einen sinkenden Umsatzanteil von Bargeld fest – erstmals liege er unter dem der Karten. Kontaktloses und mobiles Bezahlen ließen die IT-Ausgaben der Händler steigen.
(Quelle: EHI Retail Institute)
Die Liebe der Deutschen zum Bargeld erodiert – zu diesem Schluss kommt das Kölner EHI Retail Institute in seiner Studie "Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2019". Beim Einzelhandelsumsatz im engeren Sinne (ohne Kfz, Mineralöl, Apotheken, E-Commerce und Versandhandel) mache der Kartenumsatz 48,6 Prozent des Gesamtumsatzes aus, während Barumsätze nur noch auf 48,3 Prozent (minus 1,7 Prozentpunkte) kämen, erklärt das EHI in einer Mitteilung.
Als Haupttreiber dieser Entwicklung sieht das wissenschaftliche Institut des Handels das girocard-System der Deutschen Kreditwirtschaft, auf das einen Anteil von 30,1 Prozent (plus 3,8 Prozentpunkte) der Kartenzahlungen entfällt. 2018 hat der deutsche Einzelhandel laut EHI 209,2 Milliarden Euro per Karte umgesetzt, 12,4 Millarden Euro mehr als im Vorjahr.
Im Ranking der Zahlungarten liegen demzufolge Karten vorn (48,6 Prozent), gefolgt von Bargeld (48,3 Prozent) und Rechnungen, Finanzkäufen sowie Gutscheinen (3,1 Prozent). Größter Verlierer ist das SEPA-Lastschrift-Verfahren mit nun nur noch 10 Prozent Umsatzanteil nach zuvor 12,6 Prozent, stellt das EHI fest.
Girocard-Verfahren attraktiv für den Handel
(Quelle: EHI Retail Institute)
Der deutliche Anteilszuwachs der Girocard von 3,8 Prozentpunkten respektive 19,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr wird dem Institut zufolge vor allem durch drei Einflussfaktoren bestimmt: Nachdem die Gebührendeckelung zu einer Konditionenangleichung mit dem SEPA-Lastschriftverfahren geführt habe, sei das Girocard-PIN-Verfahren für Händler deutlich attraktiver geworden. Mehrere große Lebensmittelhändler hätten daraufhin die Girocard-Anteile deutlich höher gewichtet oder sogar komplett von SEPA-Lastschrift auf Girocard-PIN-Verfahren umgestellt. Im Gegensatz zum Lastschrift-Verfahren ermöglicht das PIN-basierte Zahlungsverfahren ein praxistaugliches kontaktloses Bezahlen, stellt das EHI fest: Kunden scheine diese praktische wie schnelle Alternative zu mehr Kartenzahlungen motiviert zu haben. Kontaktloses Bezahlen werde zudem generell häufiger für Kleinbeträge genutzt.
Kreditkarten mit nur kleinem Wachstum
Das kontaktlose Bezahlen verhilft zwar auch den Kreditkarten zu Wachstum, konstatiert das EHI, aber nur zu einem bescheidenen. Sie konnten ihren Anteil laut Studie von 6,5 auf 6,9 Prozent ausbauen. 29,8 Milliarden Euro wurden 2018 per Kreditkarte umgesetzt, ein kleinerer Teil davon bereits über mobile Bezahlverfahren wie Apple Pay oder Google Pay. Mit einem Anteil von 28,2 Prozent Anteil liegt in den vom EHI untersuchten Unternehmen die Kontaktlosquote bei Kreditkartentransaktionen dabei noch deutlich über der stark angestiegenen Girocard-Kontaktlosquote von 21,2 Prozent.
Investitionen der Händler steigen
Der Erfolg des kontaktlosen und mobilen Bezahlens wie auch der turnusmäßige Austausch von Terminals veranlassen Händler dazu, nach mehrjährigem Rückgang beziehungsweise Stagnation ihre Investitionen in die Zahlungsverkehr-Infrastruktur wieder zu erhöhen, registriert das EHI. Aktuell würden 44,8 Prozent (Vorjahr: 33,8 Prozent) der großen Unternehmen eine Auffrischung der Payment-IT-Landschaft planen. Jedes fünfte Unternehmen wolle noch in diesem Jahr etwas ändern oder ergänzen.
Das der Studie zugrundeliegende Panel umfasste EHI-Angaben zufolge 435 Unternehmen mit circa 85.000 Betrieben aus 35 Branchen des Handels mit einem Bruttoumsatz (2018) in Höhe von 274,4 Milliarden Euro, davon relevanter stationärer Einzelhandelsumsatz im engeren Sinne in Höhe von 251,2 Mrd. Euro (entspricht circa 58,4 Prozent des Einzelhandelsumsatzes im engeren Sinne in Höhe von 430 Milliarden Euro). Das EHI Retail Institute bietet die vollständige Studie als PDF-Download ist seinem Onlineshop an.

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