Infrastruktur
20.02.2019, 15:56 Uhr

Der Handel steigert seine IT-Ausgaben

Aufrüsten für die Digitalisierung und KI: Um Warenwirtschaftssysteme und die IT-Architektur zukunftssicher zu machen, erhöht der Handel seine IT-Budgets. Das zeigt eine neue Studie des EHI Retail Institute unter DACH-Handelsunternehmen.
(Quelle: EHI Retail Institute)
Der Handel investiert weiter in seine IT-Infrastruktur. Maßnahmen, um die Systeme sicherer zu machen, und die Erneuerung beziehungsweise Optimierung der Warenwirtschaftssysteme sowie Omnichannel-Projekte stehen dabei weit oben auf der Prioritätenliste. Zu diesen Ergebnissen kommt das Kölner EHI Retail Institute in seiner jüngst veröffentlichten Studie „IT-Trends im Handel 2019“.
Als wichtigsten Trend in der IT des Handels sehen die IT-Verantwortlichen aktuell den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI), heißt es in der Untersuchung. Die IT-Budgets der befragten Handelsunternehmen seien im Vergleich zu den Vorjahren weiter gestiegen. Über alle Branchen hinweg liege das durchschnittliche IT-Budget in 2019 bei 1,46 Prozent vom Nettoumsatz (2017: 1,35 Prozent). Zwei Drittel der Händler würden ein Fortschreiten dieser Entwicklung prognostizieren, erklärt das Institut in einer Mitteilung. Ein knappes Drittel (31 Prozent) rechne eher mit konstant bleibenden Budgets. Nur drei Prozent der Händler glaubten, dass die IT-Budgets zukünftig sinken würden.
Modernisierte IT-Infrastruktur erforderlich
Viele der momentan noch genutzten IT-Architekturen seien nicht oder nur bedingt geeignet, den Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Handelslandschaft zu genügen, stellt das EHI Retail Institute fest. Deshalb hätten Projekte, die wesentliche Teile der IT-Infrastruktur betreffen, in den nächsten zwei Jahren für fast zwei Drittel (64 Prozent) der Händler die höchste Priorität bei Investitionen. Darunter fallen laut EHI umfassende Investitionen in Netzwerke, um zum Beispiel die Verarbeitung immer größerer Datenmengen gewährleisten zu können. Darüber hinaus würden zahlreiche Anwendungen in cloudbasierte Lösungen überführt, um in Zukunft schneller und flexibler agieren zu können.
Prioritäten bei IT-Projekten im Handel
(Quelle: EHI Retail Institute)
Als einen der wichtigsten Innovationstreiber der nächsten Jahre nennen der EHI-Studie zufolge 53 Prozent der Befragten die Erneuerung respektive Optimierung des Warenwirtschaftssystems (WWS). Daneben bleibe Omnichannel nach Meinung von 39 Prozent der Befragten einer der größten Investitionsschwerpunkte im Handel. Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren die Basis für eine erfolgreiche Omnichannel-Strategie geschaffen und würden jetzt an der weiteren Prozessoptimierung und Ausweitung der Services arbeiten, stellt das EHI fest.
KI mit konkretem Nutzen für den Handel
Der Einsatz künstlicher Intelligenz wird nach Ansicht der befragten Händler die Handelsbranche in den kommenden Jahren maßgeblich verändern. 69 Prozent von ihnen würden KI als wichtigste technologische Entwicklung der kommenden drei Jahre einstufen, gibt das Institut die Studienergebnisse wieder: Als zukünftige Anwendungsgebiete sähen die Händler vor allem Predictive Analytics (53 Prozent), die standortspezifische Warenallokation (22 Prozent) und Bilderkennungstechnologien (22 Prozent), beispielsweise zum Identifizieren von Produkten auf der Fläche.
Stark an Bedeutung gewonnen haben der EHI-Studie zufolge auch cloudbasierte Anwendungen. Immer mehr Händler sähen einen Vorteil darin, nicht jede IT-Anwendung im eigenen Unternehmen zu betreuen, weiterzuentwickeln und zu hosten – betrachteten 2017 nur 16 Prozent der IT-Entscheider aus dem Handel die Cloud, seien es aktuell 34 Prozent. Das Thema Omnichannel habe hingegen an Relevanz für die Händler verloren, bleibe aber dennoch für 30 Prozent der Befragten einer der wichtigsten IT-Trends der kommenden drei Jahre.
Für die Studie „IT-Trends im Handel 2019“ hat das EHI nach eigenen Angaben IT-Verantwortliche von insgesamt 90 Handelsunternehmen der DACH-Region in persönlichen Interviews zu Projekten, Trends und Investitionsprioritäten befragt. Die Teilnehmer der Untersuchung wurden dabei in Händler für Fast Moving Consumer Goods (FMCG) und Slow Moving Consumer Goods (SMCG) eingeteilt. Unter den analysierten Unternehmen sind dem Institut zufolge 45 FMCG-Händler und 45 SMCG-Händler. Die interviewten Einzelhändler stehen für insgesamt etwa 496 Milliarden Euro Unternehmensumsatz.
Die Studie lässt sich im Shop des EHI Retail Institute bestellen. Für EHI-Mitglieder ist sie kostenlos.


Das könnte Sie auch interessieren