Restrukturierung 04.07.2019, 10:29 Uhr

AWG schließt Insolvenzverfahren ab

Die Textilhandelskette sieht sich nach der Schließung von 47 ihrer deutschlandweit knapp 300 Filialen und dem Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen wieder auf gutem Kurs. Sie plant bereits erste Neueröffnungen.
(Quelle: AWG)
Im März 2019 hatte die insolvente Textilhandelskette AWG Entlassungen und Filialschließungen angekündigt (spomo berichtete), nun meldet sie den Turnaround: AWG habe das Insolvenzverfahren verlassen und agiere wieder selbstständig, meldet das deutschlandweit vertretene Unternehmen mit Hauptsitz in Köngen.
In einer Erklärung teilt AWG mit, das im Januar 2019 beim Amtsgericht Esslingen beantragte Schutzschirmverfahren zum 1. Juli verlassen zu haben. Von Januar bis Juni seien umfangreiche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt worden. Teil der Restrukturierung war die Schließung von 47 der knapp 300 Filialen und der Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen. Ende Mai stimmten die Gläubiger dem von der Geschäftsführung dem Gericht vorgelegten Sanierungsplan zu, verlautbart AWG.
"Die AWG ist mein Lebenswerk und ausgerechnet im 50. Jahr unseres Bestehens sind wir in diese Schieflage geraten. Um so mehr freue ich mich, dass uns unsere Partner und unsere mehr als 3,5 Millionen Stammkunden, vor allem aber unsere Mitarbeiter auch in dieser schweren Zeit die Treue gehalten und an uns geglaubt haben", erklärt Albrecht Maier, der das Unternehmen seit 1976 als Geschäftsführer leitet. Für jeden Mitarbeiter, den man entlassen musste, tue es ihm persönlich sehr leid.
Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger, der als Generalbevollmächtigter gemeinsam mit der AWG-Geschäftsleitung den Sanierungsprozess steuert, sieht das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt. "Die AWG steht jetzt wieder auf soliden Beinen und hat die besten Voraussetzungen, sich in dem hochkompetitiven Markt zu behaupten", erklärt er laut Mitteilung. Die Restrukturierung in kurzer Zeit sei nur möglich gewesen, weil Gläubiger, Mitarbeiter und Kunden das nötige Vertrauen in das Unternehmen und die Marke gezeigt und das Schutzschirmverfahren nach Kräften unterstützt hätten.
"Zwar mussten wir 300 Mitarbeiter entlassen, aber wir konnten so rund 2.400 Arbeitsplätze retten", unterstreicht Sachwalter Dr. Holger Leichtle von Schultze & Braun in einem Statement. "Die AWG hat durch die Sanierung wieder die Kraft, in der Textilbranche aktiv mitzumischen und künftig wieder wachsen zu können. Erste Neueröffnungen an vielversprechenden Standorten sind bereits geplant."
Die AWG Allgemeine Warenvertriebs-GmbH zählt sich zu den 50 größten Textilhändlern Deutschlands mit einem textilen Vollsortiment für Damen, Herren und Kinder. Nach eigenen Angaben betreibt sie bundesweit in Einkaufszentren, Kleinstädten und Stadtrandlagen rund 240 Filialen mit etwa 140.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.


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