Restrukturierung 08.03.2019, 12:14 Uhr

AWG will sich mit Entlassungen und Filialschließungen sanieren

Harte Einschnitte: Die insolvente Textilhandelskette kündigt an, über zwei
Dutzend ihrer Filialen dichtzumachen und betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen.
AWG-Filiale im baden-württembergischen Laichingen
(Quelle: AWG)
Die insolvente Textilhandelskette AWG Allgemeine Warenvertriebs-GmbH (Köngen) dünnt ihr Filialnetz aus. Nachdem das Unternehmen Ende Januar 2019 beim Amtsgericht Esslingen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt hat, kündigt es nun die Schließung von Filialen an, die rote Zahlen schreiben.
Der Entscheidung vorausgegangen sei eine Begutachtung aller Filialen als Teil des Restrukturierungskonzepts, erklärt der Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Martin Mucha von der durch AWG beauftragten Kanzlei Grub Brugger in einer Mitteilung. Negative Deckungsbeiträge respektive Verluste gelte es künftig zu vermeiden, „sodass die AWG leider gezwungen ist, diese Verlustbringer zu schließen“, sagt Mucha in einem Statement.
Über zwei Dutzend Filialen vor dem Aus
Von der Schließung betroffen sind laut AWG-Mitteilung aktuell die Filialen in Bautzen (Am Gesundbrunnenring), Bischofswiesen, Bobingen, Dachau (Wettersteinring und Fraunhoferstraße), Dorfen, Eppelheim, Frankenthal, Friedrichsdorf, Gorbitz, Griesheim, Königsbrunn, Kulmbach, Ludwigsfelde, Neustadt an der Donau, Nördlingen, Oberursel, Plochingen, Rotenburg an der Fulda, Ostfildern-Scharnhausen, Schmelz, Stein, Stollberg (Innenstadt), Waldkirch, Weimar und Zwickau (Am Hammerwald). Derzeit verhandele man mit den Vermietern über die vorzeitige Beendigung und die Abwicklung von Mietverträgen, heißt es in der Erklärung.
Bundesweit betreibt AWG Firmenangaben zufolge 290 Filialen in Einkaufszentren, Kleinstädten und Stadtrandlagen, insbesondere auch in den neuen Bundesländern.
Betriebsbedingte Kündigungen geplant
Mit den Schließungen werden sich auch Entlassungen verbinden, stellt AWG (Firmenclaim: „Alle Werden Glücklich“) klar. Man führe zurzeit Gespräche mit den Mitarbeitern der betroffenen Filialen, sagt Geschäftsführer Albrecht Maier, und versuche, möglichst sozialverträglich vorzugehen. „Ganz ohne betriebsbedingte Kündigungen wird dieser Schritt aber nicht vonstattengehen können. Ich bedauere dies außerordentlich, denn unsere Belegschaft war und ist eine ‚Familie‘, die sich immer sehr stark mit dem Unternehmen identifiziert hat. Ich hoffe sehr, dass wir diesen Spirit trotz dieser Maßnahme erhalten können.“
Der Geschäftsbetrieb geht nach Darstellung des Unternehmens ungeachtet des eingeleiteten Schutzschirmverfahrens ohne Einschränkungen weiter. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld bis Ende April 2019 gesichert. Die Ausarbeitung des Sanierungskonzepts sei weit fortgeschritten und werde nunmehr sukzessive umgesetzt.
Die AWG Allgemeine Warenvertriebs-GmbH zählt sich zu den 50 größten Textilhändlern Deutschlands mit einem textilen Vollsortiment für Damen, Herren und Kinder, Arbeitsbekleidung, Sport- und Badebekleidung sowie Bettwaren und Wäsche. Man habe über 3,5 Millionen Stammkunden und zuletzt einen Umsatz von rund 290 Millionen Euro erwirtschaftet, teilt das Unternehmen mit. Seine Belegschaft beziffert AWG auf 2.900 Mitarbeiter.


Das könnte Sie auch interessieren