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Intersport und vds intervenieren wegen Karstadt

  • 29.05.2009
  • Handel
  • sport+mode-Redaktion

(Ast) vds-Präsident Werner Haizmann und Intersport-Vorstand Klaus Jost haben sich wegen der Bürgschaftsanfrage von Arcandor per Brief an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gewandt.

vds-Präsident Werner Haizmann und Intersport-Vorstand Klaus Jost haben sich wegen der Bürgschaftsanfrage von Arcandor per Brief an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gewandt

Hier der Wortlaut des Schreibens:

Sehr geehrter Herr Bundesminister zu Guttenberg,

mit großer Aufmerksamkeit und gespanntem Interesse verfolgen die im Verband Deutscher Sportfachhandel vds zusammengeschlossenen 2.500 Inhaberinnen und Inhaber mittelständisch strukturierter Sportfachgeschäfte im Augenblick alle Aktivitäten Ihres Ministeriums im Hinblick auf die Gewährung einer Bundesbürgschaft in dreistelliger Millionenhöhe, um die Sie der Handelskonzern Arcandor gebeten hat.

Wir bestärken Sie in Ihrer Ansicht, dass für Sie als Bundeswirtschaftsminister die Gewährung einer solchen Bürgschaft keine Maßnahme ist, die sich mit leichter Hand innerhalb von Tagen bewältigen lässt. Zusätzlich wollen wir Sie aus langjähriger Erfahrung mit dem Mitbewerber Karstadt/Karstadt Sport darauf aufmerksam machen, dass die jetzige Schieflage des Konzerns unserer Meinung nach nichts mit der vorliegenden allgemeinen Finanzkrise zu tun hat.

Die ausführliche Rücksprache des vds mit seinen bedeutenden Mitgliedern, den beiden großen mittelständischen Verbundgruppen unserer Branche, der Intersport Deutschland eG - mit 1.500 Mitgliedsgeschäften die größte genossenschaftlich aufgestellte Gruppe ihrer Art in Europa - und die Sport 2000 mit rund 900 Mitgliedern, bestätigt unsere Verbandsauffassung, dass sich Karstadt mit seinen Sportabteilungen durch einen jahrelangen, gnadenlos über den Preis geführten Verdrängungswettbewerb selbst in die augenblickliche Lage gebracht hat.

Als mittelständische Fachhändler mussten und haben wir all die Jahre diesem Wettbewerb unter großen Mühen und Anstrengungen standgehalten und mit minimalen Gewinnen in den letzten Jahrzehnten unsere Position auf dem am härtesten umkämpften Sportmarkt in Europa gehalten. Alles unter größten finanziellen Opfern und unter Berücksichtigung einer sicher nicht immer mittelstandsfreundlichen deutschen Wirtschaftspolitik.

Mit mehr als 40.000 Beschäftigten und mit zahlreichen Auszubildenden stellen wir mindestens einen ebenso starken Partner am Markt dar, wie das jetzt die Arcandor AG für sich in Anspruch nimmt. Auch an unserem Markterfolg hängen unsere Industriepartner und jede Menge Dienstleister flächendeckend in allen lokalen Regionen Deutschlands.

Im Gegensatz zur ehemaligen Karstadt/Quelle AG sind wir mit unseren Investitionen sehr sorgfältig umgegangen und haben nach guter alter Kaufmannsitte nicht mehr ausgegeben als wir eingenommen haben. Gleichzeitig haben wir trotzdem in die Aus- und Fortbildung unserer Mitarbeiter investiert, beratungsfreundliche und serviceorientierte Geschäfte entstehen lassen, die wir entsprechend den Kundenwünschen erneuern und für eine enge Kundenbindung gesorgt.

Um so mehr bedauern wir, dass es der Marke Karstadt, die einen von ihr selbst veröffentlichten Bekanntheitsgrad von 92 Prozent hat, angeblich nicht gelungen ist, trotz massiver Preisattacken auf das Angebot des mittelständischen Sportfachhandels, den nötigen Gewinn zu erwirtschaften, den das Unternehmen angeblich bitter nötig hätte.

Wie wir das als mittelständischer deutscher Sportfachhandel geschafft haben und trotz Krise auch weiterhin schaffen, würden wir Ihnen gerne persönlich in einem ausführlichen Gespräch bei unserem größten Mitglied, der Intersport Deutschland eG in Heilbronn, erklären, zu dem wir Sie heute ganz herzlich einladen.

Für uns und unsere mittelständischen Mitglieder wäre es nicht nachvollziehbar, wenn es eine kurzfristige Entscheidung der Bundesregierung gäbe, dem Ersuchen des Konzerns um eine Bürgschaft in Höhe von über 600 Millionen Euro nachzukommen. Die Regierung würde damit die Fairness im wirtschaftlichen Wettbewerb zwischen Konzernen und Mittelstand auf das Äußerste verletzen.

Einer unserer Kunden hat vor kurzem seine Sicht auf die aktuelle Situation salopp so geschildert. „Wer Kram verkauft, den niemand haben will, der soll damit aufhören. Warum soll der Staat für die Produktion und für den Absatz teurer und schwer verkäuflicher Produkte aufkommen, das gilt für Autos und Warenhäuser gleichermaßen! Oder anders formuliert: wenn angeblich alle Produkte bei diesem Konzern so gut laufen, dass man es sich sogar leisten konnte, für teures Geld seine Immobilien zu verkaufen und zurückzuleasen und seinen Namen von der Karstadt/Quelle AG aufwändig in Arcandor und Primondo zu ändern, warum ist dann dieser Konzern jetzt in ernsten Schwierigkeiten? Wo ist denn das ganze Geld, dass jetzt fehlt, hin geflossen? Für mich ist eines klar: was sich offensichtlich nicht lohnt, soll man nicht fortführen, erst recht nicht mit Geld der Steuerzahler, so einfach ist das.

Nur ein funktionierendes Geschäft kann auf Dauer bestehen bleiben.“

Diesem Diskussionsbeitrag eines Kunden müssen wir als Präsident des vds/Präsident des europäischen Dachverbandes des Sportartikelhandels Fedas und Vorstand der Intersport Deutschland eG wohl nichts mehr hinzufügen.

Wir bitten Sie daher, sehr geehrter Herr Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg: kommen Sie trotz großen Drucks interessierter Lobbygruppen dem Wunsch des Konzerns nach einer Bürgschaft - trotz bevorstehender Wahlen - nicht nach.

Wir sind uns sicher, dass Sie mit uns in dieser Frage die Meinung Ihres Kollegen und Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag Volker Kauder teilen.

Er äußerte sich sinngemäß im Handelsblatt „... dass die Bundesregierung nicht jedem Unternehmen Bürgschaften oder Kredite gewähren könnte. Staatsgeld könne nur bekommen, wer durch die aktuelle Finanzkrise vorübergehend in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist und ansonsten ein tragfähiges Geschäftsmodell hat. Bei Arcandor könne er, Volker Kauder, bislang nicht erkennen, dass der Konzern diese Bedingungen erfülle.“

Nach allem, was wir Ihnen als Verband Deutscher Sportfachhandel hier vorgetragen haben, sind wir der gleichen Meinung wie Ihr Kollege Volker Kauder. Und wir sind uns sicher, dass sich dies nach umfänglicher Prüfung der Sachlage durch Ihr Ministerium bestätigen wird.

Wir freuen uns darüber, dass Sie bei Ihrer politischen Arbeit im Bundestag und in der Regierung die Überzeugung vertreten, dass ein Staat sich übernehmen würde, wenn er allen Firmen in der Krise eine Überlebensgarantie gibt, so bitter das im Einzelfall für jedes betroffene Unternehmen und für jeden einzelnen betroffenen Arbeitsplatz am Ende ist.

Unsere Mitglieder und damit die ebenfalls betroffenen rund 40.000 Mitarbeiter erwarten nicht mehr als faire politische Rahmenbedingungen und keine Verzerrung des Wettbewerbs durch eine Subventionierung von Großunternehmen, die durch eigenes Verschulden in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind.

Für Ihre anstehenden Entscheidungen wünschen wir Ihnen eine glückliche Hand und stehen Ihnen – wie auch mit unserer Einladung zu einem Gespräch bereits angedeutet – gerne für weitere Fragen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Haizmann Klaus Jost

Präsident vds Vorstand Intersport Deutschland eG

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