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EHI-Studie deckt Milliarden-Verlust im Einzelhandel auf

  • 07.06.2011
  • Handel
  • sport+mode-Redaktion

(jal) Das Forschungs-, Bildungs- und Beratungsinstitut für den Handel EHI Retail Institute aus Köln hat seine Studie „Inventurdifferenzen 2011“ veröffentlicht. Darin analysiert das Unternehmen, dass der deutsche Einzelhandel im Jahr 2010 3,7 Milliarden Euro verlor. Positiv: Die Verlustraten sind im Vergleich zum Vorjahr (2009) um 4,8 Prozent gesunken.

An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich 88 Unternehmen mit 15.000 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von knapp 61 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der Beteiligten beträgt 1.320 Quadratmeter.
 Wie das EHI in der Studie mitteilt, verursachen unehrliche Kunden rund 1,9 Milliarden Euro Schaden, den eigenen Mitarbeitern werden Diebstähle von rund 800 Millionen angelastet. Nach wie vor stiehlt – statistisch gesehen – jeder deutsche Haushalt jährlich Waren im Wert von über 50 Euro im Einzelhandel. Auf den Lebensmittelhandel projiziert bedeute dies, dass ungefähr jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt die Kasse passiere.

Mitarbeiter sind aufmerksamer geworden


Das durchschnittliche Niveau der Inventurdifferenzen 2010 hat sich – bewertet zu Nettoeinkaufspreisen in Relation zum Nettoumsatz – mit 0,60 Prozent vom Nettoumsatz gegenüber 0,63 Prozent im Jahr 2009 reduziert. Neben verbesserten technischen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen begründete ein Viertel der Unternehmen den Fortschritt damit, dass Mitarbeiter sensibilisiert und dadurch aufmerksamer seien. 
Nach Einschätzung der Handelsexperten entfallen im Durchschnitt aller Branchen 52 Prozent der gesamten Verluste auf Kundendiebstähle, während man wertmäßig den eigenen Mitarbeitern 22 Prozent anlastet. Im Verkaufsraum und an der Kasse entstehen 70 Prozent aller Verluste. Im Bekleidungshandel werden modische Waren wie Jeans, Jacken, Accessoires, ausgesuchte Markenartikel sowie Dessous bevorzugt, heißt es in der Studie.

30 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt



Ein weiteres Ergebnis: Der Handel rechnet mit einer zunehmenden Kriminalität. Gelegenheitsdiebstähle, Beschaffungskriminalität, Diebstahl auf Bestellung oder Bandendiebstähle sind mit Abstand das größte Problem für den Einzelhandel. Der gewöhnliche Gelegenheitsdiebstahl und die zunehmende Gewaltbereitschaft potenzieller Täter bereitet den Händlern Sorgen. 
Durch die hohe Dunkelziffer von rechnerisch über 98 Prozent besitzt die Statistik nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit. Berechnet man den erfassten Schaden der Kriminalstatistik in Relation zu dem gesamten Kundendiebstahl, ergibt sich, dass jährlich rund 30 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt bleiben.



Handel investiert in Sicherheit: Kunde zahlt mit



Um die so genannten Inventurverluste zu reduzieren, investiere der Handel im Schnitt etwas mehr als 0,3 Prozent seines Umsatzes, das sind rund 1,2 Milliarden Euro, um Ladendiebstähle etwa durch Detektiveinsatz, Kamerainstallationen oder Warensicherungssysteme zu begrenzen. Personalschulungen, Kameraüberwachungen und vor allen aufwändige Datenanalysen zur Erkennung von Schwachstellen und Ergreifen von wirksamen Sicherungsmaßnahmen gewännen aktuell weiter an Bedeutung. 
Insgesamt wende der Handel jährlich fast fünf Millionen Euro, um Inventurdifferenzen zu vermeiden. Diese Kosten müsse der Handel wie alle Kosten in seine Verkaufspreise einkalkulieren: Somit beteilige sich jeder ehrliche Kunde mit über einem Prozent des Kaufpreises an den Schäden durch Ladendiebstahl.


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