
sport1mode 06 | 2012 29 Vielseitigkeit ist die wichtigste Eigenschaft von Kinderschuhen. Denn viele Kids tragen ihren Lieblingsschuh bei allen Gelegenheiten Weitere allgemeine Anforderungen sind: gute Passform, geringes Gewicht, Haut- freundlichkeit, Schutz und Sicherheit Gummi ist bei der Außensohle das bevorzugte Material. Einfache Handhabung und Wasserdichtigkeit bei gleichzeitiger Atmungsaktivität sind wesentliche Funktionen Bei der Suche nach der richtigen Größe helfen herausnehmbare Einlegesohlen mit aufgemalten Größenmarkierungen; die Daumenprobe ist zu ungenau und schwierig vor allem bei stabilen Wanderschuhen Secondhandschuhe lehnen die Hersteller nicht grundsätzlich ab. Es gelte aber insbesondere darauf zu achten, wie abgenutzt Fußbett und Laufsohle sind ZUSAMMENFASSUNG Schmitz. „Für Designer bietet die Entwick- lung von Kinderschuhen einen größeren Spielraum, vor allem ein mutigeres Design, da Kids meist mutiger sind.“ Suche nach richtiger Größe Die Ermittlung der richtigen Schuhgröße bleibt das zentrale Problem bei Kinderschu- hen. Drei Faktoren machen das Problem evi- dent: 1. Die Geschwindigkeit des Wachstums der Füße, das manche gekaufte Schuhe schneller überholen als Eltern wahrnehmen. 2. Die Kosten, die dadurch entstehen, wenn man drei, vier Paar Schuhe pro Kind im Jahr kaufen muss. 3. Die Tatsache, dass Kinder meist nicht richtig merken, ob und wann ihr Schuh zu klein geworden oder noch viel zu groß ist. Eine herausnehmbare Einlegesohle kann die Ermittlung und regelmäßige Kontrolle der richtigen Schuhgröße erleichtern. Diese ist für Jürgen Siegwarth (Prokurist Hanwag) ein wichtiges Qualitätsmerkmal, auch wenn die Konstruktion teurer ist: „Wir machen keine Kompromisse und deshalb ist die Innensoh- le bei uns herausnehmbar“, sagt er.Vor allem beim Thema Trocknen und Hygiene ist ein he- rausnehmbares Fußbett auch ein sinnvolles Funktionsargument. Aber auch, wenn medi- zinische Einlegesohlen integriert werden müssen. Noch wichtiger: Eine Konstruktion mit her- ausnehmbarer Einlegesohle erleichtert die Suche nach der richtigen Schuhgröße. Meindl nutzt die herausnehmbare Einlegesohle als Größenkontrollsystem „Best Fit“. Die Sohle wird mit einer Größenmarkierung für den wichtigen 12mm-Zehenabstand ausgelie- fert, anhand derer Eltern schnell und einfach erkennen können, ob der Schuh noch passt oder nicht. Daumenprobe zu ungenau Mit der Daumenprobe lässt sich nur die un- gefähre Passform ermitteln. Dabei überprüft man im Stehen am angezogenen Schuh, ob der Daumen zwischen die längste Zehe und die Schuhspitze passt. Hier gilt es besonders darauf zu achten, dass die Zehen nicht ange- zogen werden. Mit etwas Druck der freien Hand auf den Fuß kann man dafür sorgen, dass die Zehen wirklich flach liegen. Proble- matisch ist die Daumenprobe allerdings bei Outdoor- und Wanderschuhen aus festerem Leder, da man die Zehen kaum durch das Le- der spürt. Ist die Einlegesohle nicht heraus- nehmbar, ist der Einsatz einer Schablone eine Alternative. Dabei wird der Umriss des Fußes auf festen Karton gezeichnet und um zwölf bis 15 Millimeter Zehenfreiraum ver- längert. Aus dieser Schablone wird ein etwa zwei Zentimeter breiter Streifen ausgeschnit- ten und in den Schuh gelegt. Passt die Scha- blone leicht in die Schuhe, passen auch die Schuhe. Die professionelle Beratung und Messung der Kinderfüße durch einen Fachhändler an- hand von modernen Messlehren oder Fuß- messgeräten ist für die meisten Hersteller die Ideallösung und für den Handel eine gute Möglichkeit der Kundenbindung. Garantie nur im Fachhandel Kinderbasare erfreuen sich landauf landab einer stetig großen Beliebtheit. Bei ge- brauchten Kinderschuhen gilt es jedoch, auf Grenzen hinzuweisen. „Secondhand-Kinder- schuhe zu kaufen, kann aus verschiedenen Gründen wie etwa Nachhaltigkeit oder Kos- ten attraktiv sein“, weiß Fischer (Adidas Out- door). „Auf der anderen Seite sind Passform – gebrauchte Schuhe sind oft ausgetreten – Fußklima und Hygiene sehr wichtig. Döhne (Salewa) sieht das etwas entspannter: „Das ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, gegen die prinzipiell nichts spricht. Oftmals ist das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut und es gibt immer wieder kaum getragene Modelle, denen wirklich nichts fehlt“, beschreibt er die Vorteile, die es klar gegen die Nachteile eines gewissen Einkaufsrisikos abzuwägen gilt. „Eine 100-Prozent-Garantie und die kompe- tente Beratung gibt es natürlich auch nur beim Sportfachhändler“, sagt Döhne. Laut Lukas Meindl ist es grundsätzlich „weit- aus besser, einen guten, funktionellen, kin- derfußspezifisch hergestellten und nicht „Wir machen keine Kompromisse und deshalb ist die Innensohle bei uns herausnehmbar.“ Jürgen Siegwarth, Hanwag stark abgetragenen Secondhandschuh zu kaufen, anstatt einen billigen Schuh, der null Fußfunktion bietet.“ Unterstützung bekommt Meindl vom Wettbewerber Hanwag. „Skep- tisch sind wir dagegen immer, wenn minder- wertige Schuhe wegen eines vermeintlich „billigen“ Preises gekauft werden – egal, ob für Kinder oder für Erwachsene und egal, ob neu oder gebraucht“, betont Siegwarth. Als Regel kann daher empfohlen werden: Die Schuhe sind weiter tragbar, wenn sie kaum Tragespuren haben, gut gepflegt wurden und das Fußbett sowie die Sohle nicht abge- nutzt sind. Ralf Stefan Beppler Ein zentrales Problem bei Kinderschuhen ist die Ermittlung der richtigen Größe Foto:Keen