
20 sport1mode 06 | 2012 S icherlich hat sich der Bereich im Ver- gleich zu früher sehr stark entwickelt, das gelobte Absatzland für alle Herstel- ler und Händler ist es aber nicht geworden“, beschreibt Jesper Rodig von der Scandic Out- door GmbH, wie sich das Geschäft mit Kin- deroutdoorbekleidung in Deutschland entwi- ckelt hat. Vor zwei bis drei Jahren hätten viele Fachmedien ein großes Wachstum für diese Produkte vorhergesagt. „Wer sich in diesem Segment engagiere, werde dies nicht bereuen, so der allgemeine Tenor der Bran- che und ihrer Fachmedien“, erinnert sich Rodig, der mit Scandic als Distributeur für die schwedischeKinderbekleidungsmarke Isbjörn of Sweden in Deutschland fungiert. Verhaltener Optimismus Einige Hersteller hätten mit hohem Aufwand sehr gute Kinderkollektionen entwickelt, die vom Handel gut angenommen würden. „An- dere Hersteller – wie wir – haben sich auf ge- wisse Felder spezialisiert und fahren damit sehr gut“, erklärt Rodig. Wieder andere hät- ten ein Sortiment entwickelt, weil sie das Ge- fühl hatten, dies tun zu müssen. „Für diese Hersteller wird es auch künftig schwer, sich im Markt zu behaupten“, prognostiziert er. Auch aus dem Handel hat Rodig sehr unter- schiedliche Reaktionen erhalten. „Wir ken- nen gestandene Händler, die sich entschlos- sen haben, nach drei Jahren ihre Kinderabteilung zu schließen, weil es einfach Kinderoutdoorbekleidung Gelobtes Absatzland? Funktionelle Bekleidung für draußen wird auch beim Nachwuchs immer präsenter, vor allem bei den Kindern outdoorbegeisterter Eltern. Einige Marken haben sich auf das Einkleiden der Kleinen spezialisiert. Welche Chancen bieten sich hier dem Sportfachhandel? nicht funktioniert. Manche hatten sich auch einfach nur mehr erhofft, als am Ende wirk- lich stattgefunden hat“, sagt der Scandic-Pro- kurist. Generell halte ein Großteil der Sport- fachhändler das Kinderthema für „spannend wenn auch sehr arbeitsintensiv“ und erkenne eine „langsame, aber positive Entwicklung“. Deutlich euphorischer fällt die Prognose von Barbara Heinze-Schmid aus. Die Münchnerin hat sich mit Let Life Flow ihren Traum von ei- ner eigene Kinderbekleidungsmarke erfüllt, nachdem sie 25 Jahre lang in der Textilindus- trie tätig war (u.a. bei Gore-Tex). „Durch die positive Entwicklung des Outdoorbereichs wird zunehmend Wert auf gute Kinderbeklei- dung gelegt. Das birgt ein großes Wachstumspotenzial“, ist Heinze-Schmid überzeugt. Neben Let Life Flow und Isbjörn of Sweden gibt es in deutschen Outdoor- fachgeschäften insbesondere Kinderbeklei- dung von Finkid, Color Kids und Reima. Die Skandinavier nehmen seit Jahren eine Vorrei- terrolle in Sachen funktioneller Kinderbeklei- dung ein: Color Kids ist eine dänische Marke, Reima eine finnische, Finkid ist zwar eine deutsche Firma mit Sitz in Berlin, allerdings hat sich Gründerin Annika Rendel, geboren in Finnland, an ihren Wurzeln orientiert. Bei Materialwahl und Verarbeitung betonen die Spezialisten stets, dass die Produkte de- nen der Erwachsenen in nichts nachstehen. Schließlich seien die Anforderungen an Funk- tionsbekleidung wie Wasserdichte, Atmungs- aktivität, Wärme und Robustheit die selben wie bei den Großen. Bewegungsfreiheit und hoherTragekomfort seien besonders wichtige Kriterien für die Kinderbekleidung.Wert legen die Hersteller vor allem auf die Langlebigkeit und kindgerechte Ausstattung der Beklei- dung. Sie sollte die Anwendung durch mehre- re Kinder schadlos überstehen – unter dem Nachhaltigkeitsaspekt sollten die Produkte noch für Bruder, Schwester oder Freund tau- gen. Kindgerecht bedeutet in dem Fall auch, dass die Bekleidung scheuerfest, sehr pflege- leicht (z.B. schmutzabweisende Beschich- tung) und trocknergeeignet ist. Barbara Heinze-Schmid schneidert so, dass Kinderbekleidung für draußen sollte vor allem robust, bequem, pflegeleicht, schützend und sicher sein Foto:Reima Kinder sind die Zielgruppe von morgen und genießen einen hohen Stellenwert im Sportfachhandel. Claire El-Hage, Sport 2000