sport+mode hat sich im Handel umgehört, wie Kindersortimente auf der Fläche laufen
mehrFahrradhandschuhe sind ein beliebter Zubehörartikel im Fachhandel. Den Radfahrer schützen sie und geben ihm den richtigen Griff. sport+mode hat 15 Hersteller gefragt, worauf sie in den neuen Kollektionen Wert gelegt haben und welche Umsatzpotenziale sie im Handel sehen. Die Ergebnisse im Überblick lesen Sie hier
Passform, Haltbarkeit, Funktion – so lauten die wesentlichen Eigenschaften eines Fahrradhandschuhs. Passform und Haltbarkeit sind zwei selbsterklärende Begriffe: Jeder Hand den passenden Handschuh – möglichst abbriebfest mit langer Produktlebensdauer. Der Begriff Funktion ist vielseitiger; hier summieren sich gleich mehrere konkrete Merkmale: Radhandschuhe schützen bei Stürzen vor Verletzungen der Hand; sie erhöhen die Griffigkeit am Lenker, weil sie den Handschweiß aufnehmen; sie dämpfen und federn und schützen vor Druckstellen und Reibungen.
Den Tragekomfort stellen beispielsweise Roeckl Sports, Gore Bike Wear, Scott, Giro und Vaude in den Vordergrund. Idealer Komfort besteht laut Jerome Benz (Scott), wenn die Handschuhe „beim Biken nach einigen Minuten an der Hand vergessen werden.“ Um dies zu gewähren, hat die Firma Chiba ein Rezept gegen einschlafende Hände am Markt etabliert: BioXCell ist ein anatomisches Gelkissen, welches den Druck auf den Außenballen und das Handgelenk verringert und so Schmerzen und Taubheitsgefühl bekämpft.
Diesem bekannten Radfahrerproblem tragen mittlerweile zahlreiche Hersteller Rechnung. Das neue Gelpadding von Pearl Izumi soll Nerven und Blutgefäße entlasten und gesundheitlichen Problemen vorbeugen. Auch Ziener macht die gepolsterte Innenhand in der 2011er-Kollektion zum Thema. Ein starkes Polster ist mit schockabsorbierendem „Memory Foam“ und „Gel Shock Protection“ ausgestattet. Bei Roeckl Sports soll der „Ergonomic Cut“, ein ergonomisches Innenhanddesign aus PU-Weichschaum und Silikongel, Quetschungen der Handwurzel- und Innenhandnerven verhindern.
„Es gibt eine steigende Tendenz bei Qualitätsware.“ Michael Wild, Shimano
Mit dem Versprechen, „unübertroffenen Grip“ zu bieten, will sich die Newcomer-Marke Hirzl einen Namen auf dem Fahrradmarkt machen. „Dank echtem Känguru-Leder und der Grippp-Technologie sind die Produkte bis zu dreimal griffiger bei Trockenheit und bis zu fünfmal griffiger bei Nässe“, erläutert Axel Lemmerz, Marketingleiter Hirzl AG. Das Thema Schutz hat derweil beim Superstitious d3o von Scott Priorität. Bei dem Langfinger-Mountainbike-Modell sind pro Hand drei Polster aus d3o-Material auf den Fingern platziert. Das Material verhärtet sich bei einem Aufprall, während es im Normalzustand weich und biegsam ist.
Die meisten Hersteller betrachten den Vertrieb im Fahrrad- und Sportfachhandel als gleichberechtigt, wie Chiba, Giro, Bell, Scott, Roeckl Sports und Shimano. Denn, schon lange werden Radbekleidung und -accessoires nicht mehr nur im Fahrradhandel verkauft. Als einzigen Unterschied erkennt Falk Alvarez-Sanchez, Marketingleiter Grofa (Giro+Bell), dass der Radhandel die sportiveren Modelle bevorzugt. Ziener setzt traditionell stark auf den Sporthandel. Im Fahrradfachhandel beliefert die Firma nur Händler, die sich fachspezifisch mit Textil und Handschuhen auseinandersetzen. Derweil spricht Pascal Herrmann (Gore Bike Wear) von einer „durchweg positiven Entwicklung“ in beiden Kanälen.
Die Hersteller freuen sich einstimmig über Umsatzwachstum in der vergangenen und laufenden Saison. Auch die Vororder für 2011 sei gut gestartet.
In den nächsten Jahren rechnen die Marken mit weiteren Steigerungen. Sie attestieren dem Markt für Radhandschuhe ein großes Potenzial. Frank Burig, Geschäftsführer der Firma Ziener, ist der Ansicht, dass Handschuhe, die in punkto Style auf Textilien abgestimmt sind, im Trend liegen. Die wichtigsten Kaufargumente der Zukunft werden allerdings Funktion und Technik sein: „Der Kunde ist mehr und mehr qualitätsbewusst und bereit, entsprechend mehr auszugeben“, sagt Christian Roeckl.
„Das Rad als Transportmittel wird aufgewertet.“ Marcus Chiba, Chiba
Als Trend der gesamten Radbranche sieht Marcus Chiba das Elektrorad, „weil dadurch auch ältere oder weniger sportliche Fahrer zum Rad fahren kommen.“ Auch Northwave will erkannt haben, dass sich das Rad zu einem wesentlichen Bestandteil des Stadtverkehrs entwickelt hat, ob City-Räder, E-Bikes, Klappräder oder Bike-Sharing-Angebote. Teilweise sehen die Hersteller den Radhandschuh bei der Präsentation im Handel noch unterbewertet. Als wichtiger Mitnahmeartikel in Kassennähe könne sich das Produkt jedoch als Umsatztreiber etablieren.