Fahrradbekleidung für jedes Terrain


Die besondere Herausforderung von Bikewear besteht darin, den recht unterschiedlichen Ansprüchen der Zielgruppe gerecht zu werden. Doch auch für Frühjahr/Sommer 2011 gibt es für jeden die passende Bekleidung: vom professionellen Fahrer über den ambitionierten Sportler bis hin zum Pendler

Radwege auf 150.000 Kilometer Länge, mehr als 210 Bike- und Funparks, 4,3 Millionen verkaufte Fahrräder pro Jahr in Deutschland – Fakten, die eine deutliche Sprache sprechen. Der Fahrradbereich ist insgesamt eines der am schnellsten wachsenden Segmente im Sportmarkt. Noch dazu ist Fahrrad fahren wieder ‚in’, das Fahrrad hat sich zu einem Lifestyleprodukt entwickelt. „Der Bikemarkt als solcher wird immer wichtiger, da Rad fahren als Lifetime-Sportart, Trendsport und Wettkampfsport fast jeden sportlich aktiven Menschen erreicht“, stellt Karin Pelzner von Cep fest. Hinzu kommt, dass Fahrrad fahren nicht nur als gesund gilt, sondern auch als umweltschonend. Es wird als wichtiger Baustein zur Lösung vieler Verkehrs-, Umwelt- und Gesundheitsprobleme wahrgenommen. Und als Möglichkeit, Natur anders, näher zu erfahren. Dafür sprechen die rund 5,6 Millionen Deutschen, die jedes Jahr mehrtägige Radreisen unternehmen. 2008 hatten laut Trendscope-Marktstudie bereits 19 Prozent der Deutschen einen Radurlaub mit mindestens einer Übernachtung unternommen.

Wieder- und Neueinsteiger

Einige Hersteller reagieren auf diese Entwicklung, indem sie zur Saison 2011 neu oder wieder in den Markt der Fahrradbekleidung einsteigen. Hierzu gehört zum Beispiel Odlo: Das Schweizer Unternehmen präsentiert erstmals nach sechs Jahren Abstinenz wieder eine Bikewear-Kollektion, bestehend aus Basic- und Midlayer sowie einer Funktionsjacke. Bei der Entwicklung orientierte man sich am „Zoned Function“-Prinzip. Mit Soft Eyelet Effect, Soft Mesh Effect und Soft Structure Effect kommen drei Stoffe zum Einsatz, die sich insbesondere für sehr warme Temperaturen eignen.

Merinospezialist Icebreaker zählt zu den Bikewear-Newcomern und bietet mit GT Bike erstmals eine hochfunktionelle Bekleidungslinie für Mountain- und Roadbiker an. Zur Wahl steht unter anderem eine Bike-Shorts aus 85 Prozent Merinowolle plus Elastan und Nylon, mit eingearbeitetem Sitzpolster. Die Tops verfügen über Mesh-Einsätze für optimale Ventilation sowie Reißverschluss-Taschen. Damit kommen die Vorteile der Merinowolle – Regulierung der Körpertemperatur, Atmungsaktivität, natürlicher UV-Schutz und das Abweisen von unangenehmen Gerüchen – nun auch im Sattel zum Tragen. Ebenfalls Premiere mit Bikewear feiert Zimtstern mit einer 47-teiligen Linie mit technischer Bekleidung, die nach eigener Aussage mit „Funktion plus anspruchsvollem Design“ antritt und für die Bereiche Freeride/Park, All Mountain und Enduro geeignet ist.

Neues von alten Bekannten

Doch auch Hersteller, die seit geraumer Zeit im Bikewear-Markt aktiv sind, lancieren zur kommenden Saison neue Linien. Cleanes Design und hoch atmungsaktive, schützende, komprimierende Materialien zeichnen beispielsweise die neue Bike-Serie Z.XI Evolution aus, die Ziener „für Radsportenthusiasten mit hohem Anspruch“ kreiert hat. Erstmalig werden hier Resistex-Carbon-Materialien eingesetzt, die einer extrem schnellen Feuchtigkeitsverflüchtigung dienen und sehr strapazierfähig sind. Durch die Kombination mit Lycra-Power-Qualitäten ergibt sich zudem eine stark komprimierende und stützende Wirkung sowie ein Sonnenschutz von 50+. Hosen, Trikot und Jacke in Hotbond-Verarbeitung mit superflachen, nicht auftragenden, weil per Ultraschall verschweißten Nähten, mit extremer Längs- und Querelastizität und langer Haltbarkeit stellt Löffler vor.

Gezielt ansprechen

Vaude wiederum reagiert mit den zwei eigenständigen Linien Travel und Urban Life auf die „geänderten zielgruppenspezifischen Anforderungen der Bikebekleidung“. Travel richtet sich an die Zielgruppe der Radreisenden und umfasst Packtaschen und Bekleidung zum Schutz vor Regen oder Wind, atmungsaktive, schnell trocknende Hosen und Shorts, die aus 100 Prozent Recyclingmaterial hergestellt sind. Die neue Urban-Life-Kollektion hat hingegen den stark wachsenden Bereich der Citybiker und Alltagsradler im Visier. Für sie wurden je fünf Modelle für Damen und Herren entworfen, darunter Wetterschutz- und Kapuzenjacken, Hosen und T-Shirts aus Bio-Baumwolle und Recycling-Qualitäten.

Aufmerksamkeit für Hosen

Was für den Läufer der Schuh, ist für den Radler die Hose – absolut grundlegend für Erfolg und Spaß beim und am Biken. Kein Wunder also, dass ihr von den Herstellern besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Sugoi hat zum Beispiel das gesamte Radhosen-Programm überarbeitet und stellt unter anderem die neue Linie RPM aus innovativem Funktionsmaterial P3 vor, einem leichten Polyester-Elastan-Mischgewebe mit besten aerodynamischen Eigenschaften, das hohen Stretch-Komfort mit effektiver Muskel-Stabilisation verbindet. Das in den Bikehosen verarbeitete S.100-Sitzpolster trägt eingeprägte Belüftungskanäle und Vier-Wege-Stretch zur Performance der Neuheit bei.

Funktion und Chic

Gore Bike Wear hat die Alp-X-Familie erweitert und mit der Alp-X Bibtights ein Modell speziell für Alpencrosser entwickelt, die täglich mehrere Stunden und mehrere Tage hintereinander im Sattel sitzen. So verhindert ein spezieller Keramikprint an den Oberschenkeln ein Aufscheuern des Stoffs, der hochgeschlossene Rückenbereich sorgt mit leichtem Mesh-Material für Ventilation. Gonso hat die Hosen im sportlich-legeren Bereich einem Facelifting unterzogen. Herausgekommen sind Schnitte mit neuen Nahtführungen, jüngere Zweifarboptiken und lifestyle-kompatible Looks. Dabei wurde die Multifunktionalität von Bikehose und -rock beibehalten – beide verfügen über ein- und ausknöpfbare Rad-U-Pants.

Kompression auch bei Bike

Zwei kompressive Modelle für klassische Fahrer beziehungsweise Roadbiker lanciert Cep. Dabei handelt es sich zum einen um eine weite lässige Shorts aus Stretchgewebe mit einem partiell eingesetzten Keramikdruck für hohen Abriebschutz und einer engen, mit der Außenhose nicht fest verbundenen Innenhose mit Kompression am Oberschenkel und Netzmaterial zur besseren Belüftung im oberen Teil. Auch die Compression Bike Bib Shorts fördert am Oberschenkel durch Kompression die Durchblutung und führt dem Körper mit Netzeinsätzen im oberen Part Frischluft zu. Weit geschnittene Radhosen im Streetwear-Look mit lässigen Mustern wie Karos und dreidimensionalen Streifen, in außergewöhnlichen Stoffen, bunten Farben, aus schnell trocknendem Stretch-Material mit antibakteriellem, nahtlos verarbeitetem Innenhosen-Pad bereichern die Produktpalette von ­Ziener.

Modisches bei Trikots

Ein wenig mehr Raum für modischen Look, der insbesondere von den Damen durchaus gewünscht ist, bleibt bei den Trikots. Bei Gonso reichen die Optiken von Motivdrucken über Color-Blockings bis hin zu jungen Allovers oder grafisch floralen Elementen. Streifen und Karos sind ebenso vertreten wie platzierte Schrift- und Druckmotive, maritime Interpretationen oder Dégradés. Je drei ­Trikots (Zipoff, Sleeveless, Shortsleeve) für Damen und Herren beinhaltet das Angebot von Cep, allesamt mit trendigem Sublimationsdruck versehen. Spanische Inspirationen sind bei den Trikots von Sugoi unverkennbar, während die Damen optisch in Italien verweilen.

Weil nicht immer die Sonne scheint, hat unter anderem Gonso sich mit dem Thema Wetterschutzbekleidung auseinandergesetzt und präsentiert eine Vielzahl neuer Regen­jacken und -hosen aus hochfunktionellen ­Laminatvarianten. Bei Ziener bereichern erstmals Regenjacken aus 2,5-Lagen Softshell-Material die Kollek­tion, und Vaude lanciert eine superleichte ­Regenkombi aus Ceplex Pro 2,5-Lagen-­Material.

Neues bei Sitzpolstern

Zum Schluss noch zwei Innovationen in ­Sachen Sitzpolster: Das Ultimate Protection 3D-support von Odlo wird nicht verklebt, sondern reliefartig aus einem Schaumstoffblock mit unterschiedlichen Dichten herausgeschnitten. Es ist 100 Prozent atmungsaktiv, elastisch und passt sich dem Körper individuell an. Gore Bike Wear hat das Alp-X-Sitz­polster erstmals in Bibtights verarbeitet, das sich – spezifisch für Damen und Herren ausgearbeitet – optimal der Körperhaltung beim Mountain­biken anpasst und Sitzknochen ­sowie Nerven entlastet.