Textillabel: Guter Rat zahlt sich aus


Textillabels wollen und sollen eine ökologisch und gesundheitlich unbedenkliche Herstellung und Verarbeitung von Textilien garantieren. Sie sollen Verbrauchern, Herstellern und Handel bei der Auswahl nachhaltiger Textilien helfen. Die Verbraucher Initiative gibt einen Überblick über die verschiedenen Standards

Hersteller und Einzelhändler wissen, Verbraucher haben Macht. Berichte über ökologische und soziale Missstände in Textilfabriken erhöhen die Nachfrage nach unbedenklichen Alternativen. Eine Reihe von Label sind mittlerweile auf dem Markt, die eine umweltfreundliche und zum Teil sogar sozialverträgliche Herstellung nachweisen. Nutzen Hersteller und Händler diese Label, können sie damit nicht nur ihr Image aufpolieren.

Dass Nachhaltigkeit auch in der Textilbranche ein immer wichtigeres Thema wird, zeigt die bundesweite Einzelhandelsbefragung, die die Verbraucherinitiative durchgeführt hat. 2009 wurden die sechs umsatzstärksten Branchen, unter anderem die Textilbranche, nach ihrem Engagement in Sachen Nachhaltigkeit befragt. Die meisten Einzelhandelsunternehmen haben – dies belegen Resonanz und Gespräche während und nach der Untersuchung – großes Interesse am Thema. Nicht zuletzt weil es für Handelsunternehmen immer wichtiger wird, sich von Mitbewerbern abzugrenzen und positiv abzuheben. Deshalb nehmen immer mehr Unternehmen das Thema ernst und haben bereits eine Reihe von ökologischen und sozialen Maßnahmen umgesetzt.

Vom Textillabel profitieren

Von der Nutzung entsprechender Label profitieren alle, Hersteller, Einzelhandel und Verbraucher. Hersteller, die ihre Textilien zertifizieren lassen, um per Label die ökologische oder soziale Unbedenklichkeit der Kleidung nachzuweisen, punkten damit beim Einzelhandel. Handelsunternehmen, die mit der Listung entsprechender Produkte ihr Sortiment nachhaltiger gestalten, können dies werbewirksam einsetzen. Denn nachhaltige Produkte kommen beim Verbraucher gut an. Besonders bei Kleidung sind Verbraucher sensibel in Bezug auf die ökologische Qualität der Faser. Entsprechend unbedenkliche Textilien geben Verbrauchern mehr Sicherheit bei der Wahl des Produkts und bieten ihnen die Möglichkeit, einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Entwicklung zu leisen. Das wiederum erhöht die Kundenzufriedenheit.

Verlässliche Zeichen

Anhand der Kennzeichnung mit textilen Gütezeichen können sich Verbraucher leicht orientieren. Es gibt bereits einige empfehlenswerte Label, die für Textilien vergeben werden. Meistens wird die ökologische Unbedenklichkeit geprüft. Manches Label geht darüber hinaus und berücksichtigt zusätzlich noch soziale Aspekte, die bei der Herstellung der Textilien relevant sind. Zum Beispiel prüft das Gütezeichen Öko-Tex Standard 100 plus sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Umweltqualität der Stoffe. Unter anderem werden Schadstoffgehalt und Einsatz von Chemikalien überprüft, aber auch wie umweltbewusst der Betrieb ist und ob Beschäftigte ein Recht auf Versammlungsfreiheit haben.

Label geben Verbrauchern einen schnellen gefühlten Rat. Doch Vorsicht vor unglaubwürdigen Gütezeichen. Besonders in der Textil- und Bekleidungsindustrie zeigt sich eine Flut von Labeln, die oft keiner Qualitätsprüfung unterliegen. Die Label-Datenbank www.label-online.de der Verbraucher Initiative bietet einen Überblick über gängige Textil-Label und bewertet ihre Qualität. Hier einige Textillabeln, die von der Verbraucher Initiative mit der Bestnote „empfehlenswert“ bewertet wurden.

IVN Naturtextil Best

Das IVN Naturtextil best-Label kennzeichnet Kleidungsstücke aus Naturfasern, die umweltschonend und sozialverträglich produziert wurden. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, dass die Fasern aus zertifiziert ökologischer Landwirtschaft stammen, nicht umweltschädlich verarbeitet wurden, keine krebserregenden, toxikologisch bedenklichen oder synthetischen Farbstoffe verwendet werden und soziale Standards in den Herstellungsländern wie Diskriminierungsverbot und Verbot von Zwangsarbeit beachtet werden. Die Vergabekriterien des Labels reichen über gesetzliche Vorgaben hinaus und berücksichtigen den Produktionsprozess von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis hin zu den Arbeitsbedingungen und der Lagerung.

Öko-Tex Standard 100 plus

Das Zeichen „Textiles Vertrauen – schadstoffgeprüft nach Öko-Tex Standard 100 plus“ kennzeichnet schadstoffgeprüfte Textilien, die in umweltbewusst arbeitenden Betrieben hergestellt wurden. Es wird für Oberbekleidung, Unterwäsche, aber auch Babyartikel, Bettwäsche, Gardinen oder Matratzen vergeben. Das Label berücksichtigt sowohl ökologische als auch gesundheitliche und soziale Kriterien. So wird unter anderem der Einsatz von krebserregenden Farbstoffen oder Pestiziden ebenso geprüft wie Arbeitssicherheit und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Die Unternehmen müssen dem Prüfinstitut jährlich über die Umsetzung der Umweltziele berichten. 

Global Organic Textile Standard

Das Siegel entspricht in seinen Qualitätskriterien dem Kennzeichen IVN-zertifizierte Naturtextilien. Das bedeutet, dass bei Kleidungsstücken aus Naturfasern (etwa Baumwolle, Leinen, Seide) in der Produktion und entlang der gesamten Produktionskette auf den Einsatz bedenklicher Chemikalien in der Faserverarbeitung und Textilveredelung verzichtet wird. Ziel von GOTS ist es, einen kontrollierten Standard für Textilien zu definieren, welcher den gesamten Lebensweg des Produkts von der Herstellung der Ausgangsfasern bis zum Endprodukt unter ökologischen und sozial verantwortlichen Kriterien bewertet. Für die Kennzeichnung mit dem GOTS-Siegel müssen für alle eingesetzten Fasern und Garne gültige Zertifizierungen nach kontrolliert ökologischen Kriterien von einer anerkannten Zertifizierungsstelle vorliegen.
Unternehmen müssen ein schriftliches Konzept zum betrieblichen Umweltmanagement nachweisen. Außerdem müssen sie eine betriebliche Strategie zur sozialen Verantwortung nach bestimmten Sozialstandards nachweisen. Dazu gehören neben dem Verbot von Zwangsarbeit, dem Recht auf Versammlungsfreiheit, einem Überstundenausgleich auch die Einhaltung von maximal zulässigen Wochenarbeitsstunden und ein Diskriminierungsverbot.

Europäisches Umweltzeichen

Das Europäische Umweltzeichen (Euroblume) kennzeichnet Textilien und Accessoires (wie Gürtel, Handtaschen), die umweltfreundlich hergestellt werden und Gewässer weniger verschmutzen als konventionell hergestellte Textilien. Die Kriterien des Europäischen Umweltzeichens Textilien haben vor allem die Minderung der Gewässerverschmutzung in den wichtigsten Prozessen während der gesamten Textilfertigung zum Ziel. Das schließt Faserproduktion, Spinnerei, Weberei, Strickerei, Bleichen, Färben und Appretur (veredelnde Behandlung von Stoffen) ein. Das Label garantiert unter anderem, dass keine krebserzeugenden, fortpflanzungsgefährdenden Farbstoffe verwendet werden. Es berücksichtigt ökologische und gesundheitliche Aspekte sowohl bei den eingesetzten Fasern und Hilfsstoffen wie auch beim Endprodukt.

Beitrag zur Nachhaltigkeit

Wenn es um Umwelt-, Gesundheits- und Sozialstandards bei der Herstellung von Textilien geht, haben Label eine wichtige Informations- und Lenkungsfunktion. Die Produkteigenschaften eines Kleidungsstücks sind Verbrauchern meist nicht oder nur teilweise bekannt. Gleichzeitig wünschen sich Verbraucher, besonders weil sie auf der Haut sitzt, unbedenklich hergestellte Kleidung. Ob eine Hose ohne Zusatz krebserregender Farbstoffe hergestellt wurde, kann ein glaubwürdiges Label versichern. Gute Label und Gütezeichen geben Verbrauchern deshalb schnell und einfach erkennbare Hinweise bei der Wahl nachhaltiger Textilien.

Die Textilbranche sollte also ein Interesse an der Nutzung glaubwürdiger Label haben. Denn Unternehmen, die Textilien mit den genannten Gütezeichen anbieten, sind anderen Unternehmen einen Schritt voraus. Sie erlangen durch ihr Handeln gesellschaftliche Anerkennung, die sich mehrfach auszahlt: Mit verantwortlichem Handeln geht für die Unternehmen ein Imagegewinn einher, der sich verkaufsfördernd auswirkt und einen Wettbewerbsvorteil vor Konkurrenten bietet. Vor allem aber leisten sie durch die Kennzeichnung ihrer Produkte mit glaubwürdigen Nachhaltigkeitslabeln einen wichtigen Beitrag für ökologischere und sozialere Herstellungsbedingungen von Textilien.

Dr. Melanie Weber,
Projektleiterin im Fachbereich Umwelt
bei der Verbraucher Initiative