Sport 2000 geht in die Kooperationsoffensive. Über das Partnerkonzept Freetail sprach spomo mit Geschäftsführer Andreas Rudolf.
mehrGenau genommen ist Schneeschuhwandern nichts Neues. Schon die Trapper in Nordamerika nutzten die großen Treter. Doch durch die Entwicklung kurzer, leichter, praktischer Modelle hat sich das einstige Fortbewegungsmittel zum Wintersportgerät gemausert. Und damit zu einem gefragten Gut im Fachhandel
Das Tolle am Schneeschuhwandern ist: Wer laufen kann, der kann auch Schneeschuhgehen. Diese Winteraktivität schließt niemanden aus: Kinder haben ebenso ihren Spaß daran wie Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene, Gipfelstürmer oder passionierte Wandersleut. Als ideales Herz-Kreislauftraining im Winter ist es auch aus gesundheitlicher Sicht ideal, und vor allem altersunabhängig. Zudem ist Schneeschuhgehen deutlich preiswerter als der klassische Skisport, der einiges an Geld für Ausrüstung und Infrastruktur erfordert. Gerade Nichtskifahrern freuen sich, so die Winterlandschaft der alpinen Regionen zu erkunden.
Industrie, Fremdenverkehr und auch der Sport- und Bergsportfachhandel haben seit Längerem auf die gestiegene Nachfrage nach Schneeschuhen reagiert. Die Marken MSR, Tubbs, Atlas und Vaude freuen sich über das kontinuierliche Umsatzwachstum in den vergangenen Jahren. Auch wenn der Schneeschuhmarkt volatil und schneeabhängig ist, rechnen die Unternehmen für die kommenden Jahre mit moderat steigenden Absätzen.
Die Vertriebspolitik der Hersteller ist eindeutig. „Wir verfolgen ausschließlich den Weg über den Sportfachhandel. Wir sehen in ihm einen kompetenten und serviceorientierten Partner“, sagt Christian Benedikt von der K2 Ski Sport+Mode GmbH (Tubbs, Atlas).
Und Tami Fairweather, PR- und Event-Managerin für MSR, schließt sich dem an: „Unsere Schneeschuhe machen sich am besten im Sport- und Outdoorfachhandel. Hier nehmen sich die Kunden Zeit, Modelle zu vergleichen, und fachkundige Verkäufer beantworten deren Fragen.“ Als wichtigste Beratungspunkte zählt Ilka Tarin, Sales & Marketing Director bei GV Snowshoes, auf: „In welchen Gebieten und Schneeverhältnissen läuft der Kunde mit Schneeschuhen? Wie ist das Gewicht inklusive Bekleidung und Ausrüstung? Ist der Kunde Anfänger oder Fortgeschrittener?“
Mittlerweile bietet jeder Schneeschuhhersteller Modelle für verschiedene Einsatzgebiete. Hochalpine Touren mit stark geneigten Querungen, steilen Anstiegen oder hartem Firn erfordern Expeditionsgeräte mit aufklappbarer Steighilfe, Seitenschienen und scharfen steigeisenartigen Frontzacken. Für Touren in Mittelgebirgen und hügeligem Gelände reichen leichtere und günstigere Alu- oder Kunststoffmodelle aus. Der kanadische Schneeschuhspezialist GV stellt auch immer noch die traditionellen, auf Holzrahmen geflochtenen Rahmenschneeschuhe her, die aus Eschenholz und Rohleder bestehen und für flaches Gelände taugen. Generell hat der klassische Allrounder für jedes Gelände und jeden Kunden eher ausgesorgt. Stattdessen differenziert und spezialisiert sich das Sortiment immer weiter. Christian Benedikt von K2 vermutet, dass sich auf Anbieterseite wenig ändern wird. Ein oder zwei Anbieter könnten vom Schneeschuhmarkt verschwinden. „Es werden aber sicherlich mehr Discounter auf den Zug aufspringen“, prophezeit er. Und auch Kai Vogt, zuständig für den Einkauf Hartware bei Vaude, glaubt: „Die Spezialisten und günstigen Marken verbleiben.“
Neben den Schneeschuh-Klassikern gibt es spezielle Rennschuhe für Läufer oder Wettkampfsportler. So wiegt zum Beispiel der Rennschuh Cat Trail von GV als Paar nur 1,18 Kilogramm. Und bei diesen Spezialschuhen belaufen sich die Preise schon mal auf bis zu 300 Euro. Aber auch Kindermodelle sind gefragt. Von Salewa, Inook, MSR, TSL oder GV gibt es zum Beispiel Junior-Schneeschuhe für Kids ab vier oder fünf Jahren ab zirka 70 Euro. Dank ihrer Raster- oder Klettverschlüsse können die Kinder ihre Schuhe einfach selbst anziehen. Die meisten Modelle sind so konstruiert, dass sich möglichst wenig Schnee auf den Oberseiten ablagern kann und sie so besonders leicht sind. Zumeist bestehen sie komplett aus Kunststoff oder besitzen lediglich einige wenige metallene Eiszacken; die Fußbetten sind größenverstellbar.
Laut Christian Benedikt von K2 ist die Marke Tubbs zur Zeit sehr erfolgreich bei freizeitorientierten Schneeschuhwanderern. „Atlas zielt auf die sportlicher orientierten Schneeschuhgeher ab, welche ein Produkt in Nischenbereichen suchen“, verdeutlicht er die unterschiedliche Zielgruppenausrichtung. Beiden Firmen liegt die Entwicklung frauenspezifischer Schneeschuhe am Herzen. Die Damenmodelle zeichnen sich durch eine schmalere Bindung aus, damit die Bergschuhe von Frauen besser fixieren. Auch die Rahmenform ist schmaler und zudem leicht tailliert, was dem Bewegungsablauf der Sportlerinnen entgegen kommt.
Für die Saison 2010/11 haben die etablierten Hersteller zumeist ihre bestehenden Kollektionen verbessert und ausgebaut. Tami Fairweather von MSR kündigt sechs neue beziehungsweise überarbeitete Modelle an. Highlight ist der Lightning Axis, eine Weiterentwicklung der Lightning-Familie. Er ist neuerdings ausgestattet mit den so genannten Flotation Tails. Diese „Heckflossen“ können je nach Schneeverhältnissen an den Schneeschuh geklippt werden, um die Auflagefläche zu vergrößern. Derweil hat Tubbs die in der laufenden Saion 2009/10 an den Start gegangene Flex-Serie erweitert. Sowohl der neue Flex CLM als auch die Juniorschuhe sind mit dem patentierten flexiblen Flex Tail ausgestattet, der für ein ergonomisches Abrollen von der Ferse bis zum Ballen sorgen soll. Außerdem habe man das Sortiment an Kunststoff- und Alumodellen mit Steighilfen unter 200 Euro vergrößert, berichtet Josef Essl von der Vertriebsgesellschaft Koch alpin.