Bade/Beach: Technik geht baden


Ob an Küsten, Seen, Flüssen und in Schwimmbädern – Sport am und im Wasser ist beliebt. Die Kollektionen 2013 zeigen sich modisch gewagt und technologisch ausgereift

Im Hochsommer platzen die Surf-Camps an der südfranzösischen Atlantikküste aus allen Nähten. Auffällig ist, dass sich auch immer mehr Mädels und junge Frauen für Kurse im Wellenreiten, Kitesurfen und SUP (Stand up Paddling) interessieren. Selbst Flugreisen zu beliebten Surfspots weltweit sind keine Seltenheit mehr. Und wer sagt, Windsurfen sei eine aussterbende Sportart, der war noch nicht an einem sonnigen Pfingstwochenende an einem der holländischen Binnengewässer. „Wassersport zieht aktive Menschen immer noch magisch an und gerade die dynamischen Sportarten wie Kitesurfen, Wellenreiten und Windsurfen bleiben im Fokus. Immer mehr Zuwachs erfreuen sich in Deutschland auch die jungen Sportarten wie Wakeboarden und SUP“, beschreibt Jörg Aumüller, DACH-Verkaufsleiter bei Chiemsee, das ungebrochene Interesse. Die Nachfrage nach funktionellen Board­shorts, Bikinis und Lycras sieht er daher als ungebremst. „Das wird auch 2013 so bleiben“, zeigt er sich überzeugt. Vor allem bei den Boardsportarten sei warmes Wetter oft nicht das entscheidende Kriterium, sondern die richtigen Bedingungen am Spot.

Design, Marke und Technik

Marken wie Chiemsee, Billabong, Roxy & Co. sind seit Jahrzehnten in der Boardsportszene verwurzelt und leben zu einem Großteil von ihrem Image. Design und Marke sind entscheidende Kaufanreize. Dem gegenüber stehen die wettkampf- und sportorientierten Anbieter wie Adidas, Arena, Speedo oder Aquafeel. Bei ihnen nimmt die technologische Komponente eine wichtige Rolle ein, auch wenn es bei diesen Herstellern ebenso freizeitorientierte Produkte gibt. So beschreibt Adidas-Sprecher Oliver Brüggen die 2013er-Kollektion als „eine Mischung von ­bewährten technologischen Schwimmartikeln und einer farbenfrohen, trendigen Beach-Kollektion.“

Umweltfreund­liche Badelinie

Bei Arena steht das Jahr 2013 voll und ganz im Zeichen des 40-jährigen Jubiläums. Zu diesem Anlass gibt es eine Sonderkollektion (Badeanzug, Bikini, Shorts) mit einem All­over-Zeitungsprint. Die Logos und Schriftzüge wie „Since 1973“ erinnern dabei an Zeitungsschnipsel. Zudem präsentiert die Traditions­marke ihre erste umweltfreundliche Bademodenlinie: Arena Green. Die Linie für Frauen, Männer und Kinder besteht zu 100 Prozent aus recycelten Materialien; unter anderem werden alte Fischernetze zu Polyamidhohlfasern verarbeitet. Auch in der sportiven Linie setzt Arena auf Nachhaltigkeit. Hier kommt ab 2013 Waterfeel X-life Eco zum Einsatz: Das Material Econyl, das zu 80 Prozent aus recyceltem Polyamid besteht, ersetzt die herkömmliche Polyamidfaser. Ebenso nimmt Adidas in die neue Kollektion mehr Artikel mit nachhaltigen Materialien auf. Bei Speedo steht Recycling weniger auf dem Plan. Grit Illmer, Key Account Managerin Deutschland, erklärt, die US-Schwimmmarke habe zwar schon früher versucht, das Thema zu etablieren, allerdings sei dies vom Endverbraucher nicht richtig angenommen worden. „Unserer Erfahrung nach ist die breite Masse der Konsumenten in Sachen Nachhaltigkeit und Umwelt wenig belehrbar“, lautet ihre Meinung.

Kompression als Argument

Wichtigstes Modell der Boardsportmarken ist die Boardshorts. Hier kündigt Oakley richtungsweisende technologische Innovationen für Weltklasseathleten an: Die Kalifornier haben bei der Blade 3 Boardshorts mit Kompressionsinnenhose und dem Oakley Compression Top die Kompressionstechnologie der Surfbekleidung verbessert. Verarbeitet werden drei unterschiedliche Typen von Kompressionsgewebe, um eine abgestufte, zonenspezifische Kompression zu erzielen, erklärt Brand Manager James Harrison. „Mit der Kompressionstechnologie geben wir dem Händler ein gutes Argument an die Hand“, sagt er. Kompression findet sich auch bei Quiksilver: Die so genannte Xplosive-Technologie, eine Kompressions­innenhose, soll für eine bessere Zusammenarbeit der Muskeln sorgen.

Des Weiteren führt Oakley bei Boardshorts die neue Technologie Hydrofree Plus ein, die die Aufnahme von Wasser minimieren soll, wodurch das Gewebe leicht bleibe. Die neue Hydrofuse-Technologie verschweißt die Geweberänder mittels Wärme und Druck. „Dadurch entstehen besonders leichte, flache und haltbare Nähte“, erklärt Harrison.

Instrument Boardshorts

In seinem Boardshortssortiment hat Patagonia erstmalig mechanischen Stretch verarbeitet. Die Kollektion umfasst acht neue oder überarbeitete Modelle in 36 Farben und Mustern. „Die Boardshorts der neuen Kollektion sind zeitlos“, erklärt Surfdesigner John Rapp. „Sie wurden nicht nach modischem Geschmack entwickelt, sondern nach rein funkionalen Kriterien. Sie sind nicht einfach ein Kleidungsstück, sondern ein Instrument für den Wassersport.“ Die Elastizität der Stretchstoffe werde allein durch deren Webart erzielt und mit einem speziellen Veredelungsverfahren dauerhaft fixiert. Laut Patagonia punkten die neuen Boardshorts gegenüber herkömmlichen Spandex-Stoffen mit einer höheren Lebensdauer.

Leicht, dehnbar, nahtlos

Als Highend-Boardshorts führt Chiemsee das Modell Elis aus der Signature-Linie von Windsurfer Klaas Voget ins Feld. Sie besteht aus wasserableitenden Polyesterfasern aus Vier-Wege-Stretch Diamond Jacquard; Chiemsee setzt diese Stretch-Qualitäten in der 2013er-Kollektion erstmals ein. Vier-Wege-Stretch verarbeitet auch Rip Curl in seinem Mirage Bikini für aktive Wassersportlerinnen.

Die Spitzen-Boardshorts von O‘Neill ist in der kommenden Saison die Hyperfreak XT2, die Hyperstretch mit der so genannten X-Static-Technologie kombiniert. „Dadurch ist sie nicht nur superleicht, nahtlos und extrem dehnbar, sondern auch schnelltrocknend und antibakteriell“, zählt O‘Neill die Eigenschaften auf. Ein anderes Material namens Nanofront kommt bei der Superkini-Serie zum Einsatz. Die Reibungskraft dieses Stoffes in nassem Zustand sei 200 Prozent höher als bei traditionellen Schwimmbekleidungsstoffen. Die Superkini-Modelle sollen daher nicht verrutschen.

Bandeaus und kürzere Shorts

Bei der freizeitorientierten Bade- und Strandmode dominiert naturgemäß der Design-Aspekt. Hier geht es traditionell farbenfroh und abwechslungsreich zu. Karos, Blumen, Punkte und Blockstreifen sind bei Badeanzügen und Bikinis zeitlos beliebte Motive. Besonders angesagt ist im Sommer 2013 wieder der Retro-Look, zum Beispiel bei Seafolly ausgedrückt über romantische Blumendrucke, Schleifenrüschen und Raffungen oder bei Protest über geflochtene oder geknotete Details. Eine besonders beliebte Bikini-Form ist das Bandeau-Oberteil. Roxy bezeichnet dieses schlauchförmige Top als Gewinner für Frühjahr/Sommer 2013. Auch einen Triangel-Bikini in Häkeloptik legt Roxy dem Handel besonders ans Herz (Crochet Bikini Tie Sides). Rip Curl empfiehlt dem Handel zum Beispiel den Bikini Tiki Goddess Bandeau Set aus der Serie Alana‘s.

Die australische Bikinimarke Seafolly hat zudem Balconette-Schnitte weiterentwickelt, einen BH-Schnitt, bei dem die Träger weit außen am Körbchen angebracht sind. Auch größere Cups (erstmals bis F-Cup) hat Seafolly aufgrund steigender Nachfrage ins Angebot aufgenommen, sagt Kerstin Motschall, Vertriebsverantwortliche für Deutschland und Österreich. Bei den Herrenschnitten setzen sich kürzere Hosenlängen weiter durch, laut Simone Pfisterer von Protest ist selbst die Kastenbadehose wieder auf dem Vormarsch. Großes Potenzial sieht Quiksilver bei den Hosenlängen 16 bis 18 Zoll (ca. 40-45 cm). Ebenso verzeichnen die Amerikaner sehr starke Zuwächse bei Jammer-Modellen (enganliegende Hosen bis zum Knie). Oakley bietet 2013 eher kürzere Shorts in 19, 21 und 22 Zoll Länge. „Fashionorientierte Konsumenten fragen eher nach kurzen Shorts im Retro-­Design“, weiß Brand Manager Harrison.

Ideen aus Zeit und Kultur

Hinsichtlich des Designs haben sich die Kreativen von verschiedenen Kulturen und Ländern inspirieren lassen. Thema der Chiemsee-Kollektion ist der Surfsport West Java auf der indonesischen Insel Java. In Anlehnung an die Flora und Fauna der Insel sowie das traditionelle Handwerk und Brauchtum der Einheimischen entwickelten die Designer grafische Drucke und Muster, die zum Beispiel an Maskenprints und Holzschnitzereien erinnern. Des Weiteren gibt es nicht nur von Chiemsee Hosen und Bikinis im Jeanslook.

Von Anker bis Zickzack

Protest hat sich Design-Anregungen aus drei verschiedenen Kulturen geholt: Bei Meerjungfrauen und Fischern hat sich das holländische Boardsportlabel den maritimen Look im klassischen Blau-Weiß mit typischen Motiven wie Ankern und Segeln abgeguckt. Aus der amerikanischen Wüste und der Zeit des Wilden Westens sind verwaschene Jeansoptiken, Stars & Stripes und Fotoprints in die Kollektion eingeflossen. Von Origami, der fernöstlichen Kunst des Faltens, stammen die bunten geometrischen Muster auf Shirts und Shorts.

O‘Neill – feiert 2012 sein 60-Jahre-Jubiläum – beschreibt seine Frühjahr/Sommer-Kollektion 2013 als bisher einheitlichste Kollektion aller Zeiten. Kreativdirektor Thorsten Hoch­stetter sagt: „Wir sind stolz, für diese Saison unsere bisher perfekteste und innovativste Kollektion vorstellen zu dürfen.“ Ideenlieferanten für das 2013er-Angebot waren die Themenwelten Retro Escape und Idyllic Lab. Retro Escape spielt mit altmodischen ­Designs wie verwaschenen Farben und sonnengebleichten Effekten. Als Drucktechniken zeigt O‘Neill Collagen, Schablonen oder Aquarelle. Idyllic Lab wartet mit einem psychedelischen Look voller knalliger Farben auf. Bild-Techniken wie Fotografie und digitale Grafik werden vermischt.

Sommer hin oder her

Kreative Designideen und ausgefuchste Technologien sind in den Kollektionen für Sommer 2013 an der Tagesordnung. Doch mit welchen Umsatz- und Verkaufserwartungen gehen die Anbieter in die kommende Saison? Schließlich haben die Sommermonate 2011 und 2012 (bislang) kein dauerhaftes Badevergnügen aufkommen lassen. „Wenn das Wetter passt, tut sich der Handel natürlich viel leichter. Oakley versucht aber, mit Qualität, Design und neuen Technologien zu überzeugen, um gute Argumente zu liefern, die wetterunabhängig sind“, erläutert Oakley Brand Manager Harrison die Situation. Wetterunabhängige Schwimmartikel sind auch das Erfolgsrezept bei Adidas. Durch sie habe sich das Segment Bade/Beach bei den Herzogenaurachern zum Ganzjahresgeschäft entwickelt.

Zuversicht für Sommer 2013

„Wir werden aufgrund der vielen Neukunden den Umsatz wieder steigern“, zeigt sich Florian Ascher, Sales Manager Deutschland und Österreich Rip Curl, zuversichtlich. Die selektive Vertriebspolitik der Marke habe dem Handel dieses Jahr wieder gut getan. Das modische Badelabel Seafolly setzt neben der umfangreichen Modell- und Musterauswahl auf ein „Zusatzangebot an unkomplizierter Strandbekleidung“, die freizeit- und sogar bürotauglich sei. „Wir erwarten weiterhin steigende Umsätze“, sagt Vertriebskoordinatorin Motschall. Auch der Ausblick von Quiksilver auf den Sommer 2013 fällt positiv aus: Die Marke werde ihren Händlern – zusätzlich zu den bisherigen Umsatzbringern – schon früh die neuen Trends empfehlen, um wieder die richtigen Treffer zu landen.