Adidas Outdoor: Wettbewerb nimmt weiter zu


Marc Fischer verantwortet als Head of Outdoor das Outdoorgeschäft von Adidas in Deutschland, Österreich und der Schweiz. spomo hat ihn unter anderem nach dem Wachstum in Deutschland, der Präsenz bei Spezialisten, Problemen bei Schuhen und der Preisgestaltung befragt

Wie ist die Perspektive für den Outdoormarkt in Deutschland aus Ihrer Sicht?
Nach einem eher schwierigen aktuellen Jahr wird sich meiner Einschätzung nach die Lage wieder entspannen, aber der Wettbewerb wird aufgrund der hohen Herstellerdichte weiter zunehmen. Klar gefragt sind daher neue Themen.

Ist Adidas Outdoor in den vergangenen zwei Jahren auf dem deutschen Markt gewachsen? Wenn ja, wie stark?
In den vergangenen zwei Jahren haben wir den klaren Fokus darauf gelegt, uns im Markt zu etablieren und das mit großem Erfolg: Global sind wir im Jahr 2011 um 40 Prozent gewachsen. Auch in Deutschland sind wir im vergangenen Jahr über alle Segmente hinweg gewachsen.

Welches Sortiment hat das größte Wachstum generiert?
Unser Mountain Sports-Segment hat den größten Anteil an diesem Wachstum. Wir verknüpfen hier sportliche Designs und Farben mit innovativen Technologien und arbeiten bei der Produktentwicklung eng mit unseren Athleten zusammen.

Wie hoch ist der Umsatzanteil der einzelnen Sortimente?
Die sehr gute Entwicklung des Mountain Sports-Segmentes stimmt uns besonders positiv. Der Bereich Hiking/Trekking hat unsere Erwartung voll und ganz erfüllt und somit ebenfalls großen Anteil an unseren Umsätzen. Darüber hinaus bekommen wir sehr positive Rückmeldungen zu unseren jüngeren Segmenten Everyday Outdoor und Kids und rechnen auch in diesen Bereichen weiterhin mit steigenden Umsätzen.

Zum internationalen Markt: Wo steht Adidas Outdoor heute?
Adidas Outdoor befindet sich in einer ausgezeichneten Lage. Nach dem weltweiten Wachstum sind wir mit einem globalen Wachstum von 45 Prozent im ersten Quartal auch hervorragend in das Jahr 2012 gestartet. Dabei erzielen wir international vor allem in Fokusmärkten wie Russland, USA, China, Korea und Lateinamerika große Erfolge.

Welche Wachstumspläne im deutschen und globalen Markt haben Sie in diesem Jahr? Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen? 
In unserem Business Plan haben wir definiert, dass wir bis zum Jahr 2015 weltweit 500 Millionen Euro Umsatz erzielen wollen.

Bei welcher Zielgruppe waren Sie bislang am erfolgreichsten: Männer, Frauen oder Kinder?
Im Vergleich überwiegt traditionell der Umsatz bei den Männerprodukten. Wir spüren aber eine verstärkte Nachfrage von Frauen nach technischen und athletischen Outdoorprodukten und legen sowohl in der Produktentwicklung als auch in der Zusammenstellung unserer Kollektion großen Wert auf frauenspezifische Ansprüche, Schnitte, ­Designs und natürlich Farben. 
Großes Potenzial sehen wir im wachsenden Kids-Segment. Seit dem Launch unserer Kids Textil-Kollektion in Frühjahr/Sommer 2012 können wir auch der jüngsten Zielgruppe eine komplette Bekleidungs- und Schuhlinie anbieten.

Nachhaltigkeit ist ein Dauerthema im Outdoorsegment. Wollen Sie sich hier stärker positionieren?
Seit vielen Jahren haben wir umfangreiche Programme in Sachen Nachhaltigkeit und werden hier auch weiterhin kontinuierlich an Innovationen und Verbesserungsmöglichkeiten für den Produktbereich forschen. So stellen wir etwa in der kommenden Outdoorsaison in unserer Everyday Outdoor-Linie eine wasserdichte Jacke vor, die zu hundert Prozent aus recyceltem Polyester besteht.

Wie steht es um Ihre Präsenz bei den Spezialisten? Diese wollten Sie gewinnen, um Glaubwürdigkeit zu zeigen. Wie viele Kunden haben Sie hier derzeit?
Die Spezialisten sind für uns nach wie vor sehr wichtig, um uns in der Outdoorszene weiter zu festigen. Für die Outdoorspezialisten haben wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein eigenes Marketing-Programm entwickelt, für das sich sukzessiv 100 Händler qualifizieren sollen.

Adidas definiert Outdoor schnell und athletisch. Meindl, Lowa, Deuter und Leki promoten das Thema Speedhiking. Sehen Sie bei dieser Sportart Potenzial, das auch Adidas Outdoor nutzen könnte?
Unser Ziel ist es, Produkte herzustellen, die Outdoorathleten bestmöglich bei ihrem Sport unterstützen. Speedhiking oder auch Fasthiking gehören sicher zu den Aktivitäten, für die unsere Terrex-Produkte dank ihrer athletischen Schnittführung, ihrer Funktionalität und des geringen Gewichts sehr gut geeignet sind. Wir haben aber alle Outdoorathleten mit Spaß und Interesse an Schnelligkeit und leichten Produkten im Visier.

Bei den Schuhen hat es anfangs Probleme gegeben, war von Händlern zu hören. Was haben Sie überarbeitet?
Natürlich gab es zu Beginn den einen oder anderen Kritikpunkt, aber ich denke, dass dies ganz normal ist. An diesen Punkten haben wir intensiv gearbeitet. Für Frühjahr/Sommer 2013 freuen wir uns besonders auf die Weiterentwicklung unserer gesamten Terrex Fast X-Familie. So werden alle Terrex Fast X-Modelle mit der Traxion-Sohle mit Continental-Gummimischung ausgestattet sein. Diese Außensohle bietet unseren Kunden bis zu 30 Prozent mehr Grip auf trockenen und nassen Untergründen als vergleichbare Schuhmodelle. Insgesamt wurden die Fast X-Modelle in zehn Punkten weiter verbessert und bieten nun noch mehr Stabilität, Langlebigkeit und Sicherheit und das alles bei geringerem Gewicht.  

Die Rückmeldung aus dem Handel in puncto Jacken waren durchwachsen: Die Jacken seien zu teuer gewesen, war von einer Seite zu hören. Sie hätten das jüngere Publikum stark angesprochen, lautet eine andere Stimme. Planen Sie wesentliche Änderungen bei dieser Produktkategorie?
Grundsätzlich planen wir keine großen Änderungen und behalten unsere Produktsegmente Mountainsports, Hiking/Trekking, Everyday Outdoor und Kids bei. Klar sprechen wir in diesen Segmenten durch unsere athletische Ausrichtung Konsumenten mit jungem „Mindset“ an. Bezüglich des Preisaufbaus zeigen wir mit Frühjahr/Sommer 2013, dass wir für jeden Distributionskanal ein noch exakter abgestimmtes Preisgefüge anbieten.

Wollen Sie das Sortiment grundlegend umstellen, erweitern oder straffen?
Wir wollen unsere aktuellen Segmente in ähnlicher Größenordnung kontinuierlich weiterführen. Dabei haben wir immer das Ziel vor Augen, weitere Innovationen auf den Markt zu bringen, uns stetig zu verbessern und ein Pionier für leichte und athletische Produkte zu sein. 

Welcher Marketingstrategie wollen Sie in den nächsten Jahren folgen?
Unser Stufenplan bis 2015 sieht in allen Bereichen wie Produkt, Vertrieb und Marketing kontinuierliche Maßnahmen vor. Unser klarer Fokus im Marketing gilt unserem ­Premiumsegment Terrex. So statten wir beispielsweise unser Athleten-Team mit Terrex aus, auch kommunikativ konzentrieren wir uns eindeutig auf das Thema Mountain Sports. Durch hochwertige, funktionelle ­Produkte und mit athletischen, farbenfrohen Designs wollen wir Outdoorsportler begeistern und im Sportfachhandel sowie im Spezialistenkanal qualitativ und zügig Markt­anteile gewinnen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Andreas Stowasser.