Outdoormarkt: Das sagt der Handel


Einige Jahre war das Outdoorsortiment im Fachhandel ein Selbstläufer: Steigende Umsätze waren ohne große Anstrengung garantiert. Die Situation hat sich geändert, jetzt diskutiert die Branche, ob das Ende des Wachtums erreicht ist. Auf den folgenden Seiten geben Händler ausführlich Auskunft

Ludwig Herrmannsdörfer, Sport + Freizeit Downstairs, Kulmbach:

Ich denke, das erste Halbjahr war überall im Outdoorsegment schlecht. Das Geschäft mit Jacken war absolut schwach. Es ist schwierig, zu beurteilen, ob das nur ein Zwischentief ist oder ob bereits Marktsättigung erreicht ist. Die Vergleichszahlen aus dem ersten Quartal 2011 waren bereits schlecht, auch wenn sich das dann wieder reguliert hat. Jack Wolfskin und The North Face-Jacken haben sich bei uns leider schlecht verkauft. Die Ware hängt wie Blei, da geht gar nichts. Die Zahlen wie im vergangenen Jahr konnten wir jedenfalls nicht erreichen. Aber das sehe ich nicht so dramatisch. Mein Maßstab ist der Fünf-Jahres-Durchschnitt. Und da liegen wir im Plan. 2009 war halt ein perfektes Jahr, das lässt sich nicht dauernd wiederholen. Bemerkenswert ist, dass manche Firmen inzwischen kein Problem damit haben, Ware zurück zu nehmen. Insbesondere kleine Marken sind hier sehr kulant. Killtec hatten wir etwa kontaktiert, als wir zu viel Ware hatten. Die haben dann einen Austausch in andere Ware und Abschreibungen vorgenommen. Ich habe keine Produktinnovationen ausgemacht. Das Kaufverhalten hat sich stark gewandelt. Durch den Onlinehandel kennen und schätzen die Kunden Verkäufe, die schnell über die Bühne gehen. Spontankäufe haben deswegen stark an Bedeutung gewonnen. Früher hat sich der Käufer gesagt: „Ich erwerbe beim nächsten  Besuch im Fachgeschäft eine Jacke für den Herbst.“ Heute denkt der Kunde: „Ich brauche eine Jacke am nächste Wochenende, die kaufe ich mir sofort.“ Als stationärer Handel muss man sich eben vom Onlineverkauf, von der Masse abheben. Exklusivität ist aus meiner Sicht der richtige Weg dazu. Bei Outdoorbekleidung setzen wir hauptsächlich auf Killtec, Jack Wolfskin, The North Face, First B und Adidas. Von Adidas Outdoor haben wir Hosen im Sortiment. Von Jacken haben wir uns getrennt. Vergangenes Jahr hatten wir noch die Jacken im Angebot. Aber die haben sich nur sehr schlecht verkauft, waren viel zu hochpreisig für uns. Die Softshells von First B sind hingegen im Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut. Unsere Zielgruppe sind die Freizeit-Outdoorer. Ein Hardcore-Outdoorer kommt bei uns ohnehin nicht in den Laden. Die wenden sich an Spezialisten. Wenn diese Enthusiasten kein derartiges Fachgeschäft im Umkreis von 50 Kilometern haben, kaufen sie online. Rucksäcke von Deuter haben wir noch im Sortiment, auch ein paar Modelle von Vaude. Von den Tettnangern führen wir auch Jacken. Die verkaufen sich sehr gut, die Modelle sind modisch und jung. Lowa geht mit seiner neuen Kollektion in Richtung Turnschuhoptik. Damit sprechen sie eine Zielgruppe an, die sonst Stadtschuhe trägt. Das finde ich einen interessanten Ansatz. Unser Lager ist noch relativ voll, deswegen werden wir unsere Vororder zurückfahren. Es wird natürlich immer schwieriger, sich von Überhängen zu trennen, wenn die Marken Vermarktung über Ebay und Amazon verbieten. 

Karl Rexeis, Sport Rexeis, Meppen:

Das erste Halbjahr ist bei uns im Outdoorsegment positiv verlaufen. Wir haben ein bisschen zugelegt. Ich glaube, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist und wir noch Potenzial im Outdoormarkt haben, speziell in der Region Emsland. Mit Abstand am wichtigsten bei uns auf dem platten Land sind die Freizeit-Outdoorer: die Radfahrer, Wanderer, der Touring-Tourismus, die Spaziergänger. Aus meiner Sicht stagnieren die Outdoorprodukte leider technologisch. Innovationen habe ich nicht entdecken können. Beim Sortiment haben wir uns hochwertiger und funktionell besser als in der Vergangenheit aufgestellt. Vor vier Jahren hat direkt gegenüber von unserem Geschäft ein Jack Wolfskin-Store eröffnet. Er gehört einem Franchise-Nehmer, der insgesamt drei Jack Wolfskin-Stores betreibt. Die Eröffnung hat nach meiner Meinung aber keine negativen Auswirkungen auf unseren Umsatz mit Jack Wolfskin-Produkten gehabt. Vielleicht hat sich das auch positiv auf unsere Erlöse mit der Marke ausgewirkt. Es ist schwierig, eine genaue Aussage hierüber zu treffen, da wir unser Einkaufsverhalten nach dem Start des Jack Wolfskin-Stores angepasst und das Sortiment mit der Tatze reduziert haben. McKinley läuft bei uns im unteren und mittleren Preissegment gut. Außerdem ist unsere ­Eigenmarke bei Jacken sehr stark. Zudem führen wir noch Schöffel und Mammut in unserem Outdoorsortiment. Erfreulicherweise haben wir keine Überhänge, unser Lager­bestand ist nicht zu hoch.

Martin Kupfer, Intersport Geyer, Schweinfurt:

Das Geschäft im ersten Halbjahr ist bei uns generell etwas schleppend gelaufen. Bei Outdoortextilien mussten wir ein Minus verkraften, bei Schuhen hingegen waren die Umsätze pari. Die Euphorie der vergangenen Jahre ist etwas weg, es sind inzwischen genügend Mitbewerber im Outdoormarkt unterwegs. Ich gehe davon aus, dass der Outdoormarkt in Deutschland stagnieren wird – allerdings auf einem hohen Niveau, mit dem wir zufrieden sein können. Echte Produktinnovationen habe ich leider nicht entdeckt. Wir führen alle Outdoormarken, die Rang und Namen haben. Allerdings haben wir unser Sortiment schon bewusst konzen­triert. Wir wenden uns mit einem ganzjährigen, wetterunabhängigen Kompetenzsortiment an ein breites Kundenspektrum. Die Spannen im Outdoorgeschäft sind bei uns relativ stabil geblieben. Durch mehr Marktteilnehmer könnten sie in Zukunft allerdings eventuell unter Druck kommen. Unser ­Jackengeschäft hat besonderes im April unter dem Wetter gelitten. Die Lagersituation bei uns hat sich verbessert. Die Vororder werden wir kaum reduzieren, da die Lieferfähigkeit der Marken derzeit schlecht ist.

Frank Köhler-Klee, Sporthaus Köhler, Lübbenau/Spreewald:

Das Geschäft mit Outdoorartikeln im ersten Halbjahr war bei uns zäh. Insbesondere Regenjacken ließen sich kaum verkaufen. Ursache hierfür war aus meiner Sicht das Wetter. Unser Laden liegt im Spreewald und ist somit sehr touristenabhängig. Ich denke, dass sich der Outdoormarkt vielleicht weiter auf dem derzeitigen Niveau bewegen wird. Unser Umsatz in der Sommer- und Wintersaison ist sehr unterschiedlich. Im Sommer machen wir starke Umsätze mit den Touristen, die auch schon mal hochpreisiger einkaufen. Im Winter hingegen sind Einheimische unsere wichtigste Klientel. Dann liegen die Preispunkte etwas niedriger. Natürlich stimmen wir unsere jeweiligen Sortimente auf dieses Einkaufsverhalten ab. Beim Jackenverkauf haben wir uns in diesem Jahr etwas schwer getan. Von den Marken setzen wir auf Mammut, Schöffel, Vaude, Jack Wolfskin, Regatta und Columbia. Außerdem führen wir Rucksäcke von Deuter und Pflegemittel von Nikwax. Unser Lagerbestand drückt uns weniger, aber wir erwägen trotzdem, eventuell unsere Vororder zu reduzieren. Das kommt darauf an, wie der Absatz von Outdoorjacken in nächster Zeit läuft.  

Mechthild Twickler, Sport August Peters, Wittmund:

Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Halbjahr 2012, das sich bei uns an der Nordseeküste aufgrund des windigen Wetters sehr erfreulich entwickelt hat. Der Umsatz mit dem Outdoorsortiment bewegt sich auf Vorjahresniveau. Generell besteht unsere Kundschaft zum großen Teil aus Urlaubern. Wir führen die Outdoormarken Killtec, McKinley, Jack Wolfskin und The North Face. Ich gehe davon aus, dass der Outdoormarkt in der Region Ostfriesland weiter wachsen wird. Gut möglich ist jedoch, dass dieser Trend in größeren Städten von Mode abgelöst wird. Auch der Absatz von Outdoorjacken war bei uns im ersten Halbjahr in Ordnung. Meiner Meinung nach bieten die Freizeit-Outdoorer inunserer Region das größte Potenzial. 

Manfred Hesse, Kletterkogel und Intersport Hesse, Kassel:

Wir liegen mit unserem Geschäft im Outdoorsegment genau auf Vorjahresniveau – allerdings auf Basis eines schlechten Vorjahres. Seit 13. März betreiben wir neben unserem Outdoorgeschäft Kletterkogel auch ein Vollsortimentsgeschäft in einem Einkaufszentrum. Hier verfügen wir über 1.400 Quadratmeter Verkaufsfläche, bislang sind wir mit der Entwicklung zufrieden. Im Outdoorsegment drücken die Lagerbestände immer noch. Wir haben allerdings versucht, das Problem kreativ anzugehen. Ein Erfolg war etwa unsere Aktion Mitternachtsshopping, für die wir eine Mailingaktion durchgeführt haben. Bei diesem Event haben wir 700 Bons in zwei Stunden geschrieben. Ich denke, dieser Erfolg zeigt, dass es immer noch möglich ist, Kunden in die Innenstädte zu ziehen. Meiner Meinung nach wird der Outdoormarkt weiter wachsen, auch wenn er sich künftig anders aufteilt. Gut gemachter Fachhandel wird in diesem Segment weiter erfolgreich sein. Produktinnovationen bei Outdoorartikeln waren leider nicht auszumachen. Die Industrie wirkt auf mich in dieser Hinsicht schläfrig. Generell stelle ich fest, dass skandinavische Marken auf dem Vormarsch sind. Haglöfs, Bergans oder Fjäll­räven heißen die Gewinner. Der Fuchs wächst etwa mit seinen Hosen bei uns kontinuierlich. Unser Sortiment bleibt jetzt erst einmal so wie es ist. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man sich auf Messen informiert. Hier bekommt der Händler Infos über neue Marken, kann sich ein neues Gesicht geben. Generell achten wir stark in unseren Geschäften auf betriebswirtschaftliche Kennziffern. Deswegen konzentrieren wir uns auf wenige Lieferanten. Auch das Nachbestellen per Hand bei Spezialmarken wollen wir reduzieren. Jacken waren das Problemthema, quer über alle Preislagen. Ich sehe weiterhin ­Potenzial bei Freizeit-Outdoorern, auch bei jüngeren. Wir wenden uns außerdem mit ­einem Sortimentsschwerpunkt Klettern besonders an Kunden zwischen 18 und 25 Jahre. Mit diesem Thema kann der Händler jüngere Kunden anziehen. Und wir haben hierdurch unseren Durchschnittspreis deutlich gesteigert. 

Klaus Mensch, Sack & Pack, Düsseldorf:

Das erste Halbjahr ist bei uns recht gut gelaufen, obwohl wir sicher nicht repräsentativ sind. Wir hatten als Sonderfaktor unser 30-jähriges Jubiläum. Doch auch wenn ich den Effekt unseres Geburtstags herausrechne, bin ich sehr zufrieden. Ich denke, dass der Outdoormarkt in Deutschland auf hohem Niveau stagnieren wird. Innovationen, die der Branche Impulse verleihen könnten, habe ich bisher nicht gesehen. Allerdings steht die Messe erst noch vor der Tür. Wir werden trotzdem expandieren und nehmen ein Ladenlokal direkt neben unserem bisherigen Geschäft dazu. Dadurch werden wir unsere Fläche auf rund 1.100 Quadratmeter fast verdoppeln. Der Nachbarladen ist frei geworden und diese Chance haben wir genutzt. Unser Geschäft befindet sich nicht in 1a-Lage, die Mieten sind also noch akzeptabel. Nach dieser Expansion sind wir gut aufgestellt. Weitere Produktgruppen werden wir nicht dazu nehmen, wir sind und bleiben ein Outdoorspezialist. 
Ein Trend im ersten Halbjahr war, dass zwei der großen Marken schwächeln. Jack Wolfskin und The North Face mussten Einbußen hinnehmen. Unser Gesamtgeschäft in den ersten sechs Monaten bewegte sich etwas über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Als Koordinator der Outdoor Insider-Gruppe habe ich auch Einblick in die Geschäfte der Kollegen und dort ist es offenbar ähnlich gelaufen. Mit dem Absatz von Jacken bin ich gar nicht unzufrieden. Zwar ist der Verkauf im Winter schleppend angelaufen, aber am Ende der Saison sind sie ähnlich gut weggegangen wie in Vorsaisons. Generell hat sich das Segment Oberbekleidung relativ stabil gezeigt. Einzelne Marken haben, wie bereits erwähnt, durchaus deutlich verloren. Ehrlich gesagt sehe ich derzeit kein weiteres Potenzial durch Produktinnovationen. Ich gehe eher davon aus, dass die Marken durch Investitionen in Werbung und Vertrieb noch punkten können. Aber für den Gesamtmarkt sehe ich trotzdem kein Potenzial. Eine gewisse Sättigung scheint mir erreicht zu sein. Outdoor war lange Zeit ein dankbares Thema, überspitzt gesagt hat jeder Kioskbesitzer eine Outdoorecke dazu genommen. Ich befürchte, dass das bei Bekleidung irgendwann plötzlich kippen kann und die Leute den Outdoorstil grundsätzlich leid sind. Die skandinavischen Marken sind bei uns recht stark geworden, nicht nur Fjällräven. Auch Bergans und Haglöfs laufen sehr gut. Hier ist die Nachfrage wachsend. Wir werden unsere Vororder nicht reduzieren. Bei den Outdoorhändlern scheiden sich derzeit aus meiner Sicht die Geister. Einige Kollegen sind sehr aktiv, tun was und ernten die Früchte, andere reagieren leider zu spät auf Marktentwicklungen.

Friedrich Duensing, Quo Vadis – Alles für Rucksackreisen GmbH,  Bremen:

Das erste Halbjahr war bei uns ganz in Ordnung, sogar etwas besser als der Vorjahreszeitraum. Schuhe und insbesondere Bergsportartikel sind gut gelaufen. Für den Gesamtmarkt für Outdoor in Deutschland rechne ich eher mit einer Stagnation. Ich konnte leider keine wesentlichen Produktinnovationen entdecken, auch nicht auf der vergangenen OutDoor. Wir werden unser Sortiment straffen, Outdoortextil und insbesondere Jacken reduzieren. Das wird zu Lasten von Jack Wolfskin und The North Face gehen. Kleine, neue, innovative Textilmarken bekommen trotzdem ihre Chance. Aus meiner Sicht bietet die Zielgruppe Freizeit-Outdoorer noch mehr Potenzial als diejenige der Hardcore-Sportler. Bei den Preislagen sehe ich per se keine großen Unterschiede in puncto Geschäftsaussichten. Unsere Vororder wird etwas kleiner ausfallen. Das liegt an den Lagerbeständen aus dem Winter, die immer noch unsere Liquidität belasten.

Stefan Reppisch, Schuh und Sport Pfersdorf, Hof:

Die Frühjahr/Sommer-Saison war bei uns bislang eher durchwachsen. Das Angebot an Outdoorartikeln ist mittlerweile überall sehr breit, nicht nur in Sportläden. Seit März sind wir ein reines Sporthaus. Wir haben Zelte und Outdoorschuhe dazu genommen. Insgesamt verfügen wir jetzt über insgesamt 600 Quadratmeter Verkaufsfläche. Running und Outdoor sind dabei unsere wichtigsten Säulen. The North Face ist bei uns sehr stark. Aus meiner Sicht bieten die Freizeit-Outdoorer mehr Potenzial als die Hardcore-Sportler. Das Jackengeschäft bei uns war schwach, obwohl das Wetter hierfür bei uns optimal war. An Marken führen wir The North Face, Schöffel, Jack Wolfskin. McKinley und Fjäll­räven. Vor zwei Jahren haben wir in Hof einen Jack Wolfskin-Store bekommen. Es ist nur schwer einzuschätzen, welchen Einfluss das auf unsere Umsätze mit der Tatze gehabt hat. Meiner Meinung nach ist die Nachfrage nach der Marke generell schwächer geworden. Schöffel richtet sich generell an ein eher etwas älteres Publikum, die Bekleidung punktet hier mit einer Super-Passform. Unsere Vororder werden wir reduzieren, die Läger sind leider immer noch zu voll.

Michael Frank, Sport Frank, Leipzig:

Unser Geschäft mit Outdoorartikeln ist im ersten Halbjahr relativ normal verlaufen, es bewegt sich auf Vorjahresniveau. Meiner Meinung nach wird sich der deutsche Outdoormarkt in Zukunft eher seitwärts bewegen. Unsere Hauptzielgruppe sind Freizeit-Outdoorer, wir sind kein Bergspezialist. Unser Sortiment setzt sich vor allen Dingen aus Leichtwanderschuhen und Jacken zusammen. Bei letzteren hat der Absatz leider stagniert. Aus meiner Sicht ist im Markt für Outdoorjacken bereits eine Sättigung eingetreten. An Marken führen wir Jack Wolfskin, Mammut und McKinley. Die Preislage ist im Outdoormarkt nicht alles, die Produkte müssen auch gefallen. Unser Geschäft hat insgesamt 400 Quadratmeter Verkaufsfläche, wovon wir 80 Quadratmeter dem Outdoorsortiment widmen. Unsere Lagerbestände drücken uns nicht, deswegen werden wir unsere Vororder auch nicht reduzieren. Vor August werden wir ohnehin nicht ordern, wir warten erst einmal noch ab, wie sich das Geschäft im Juni und Juli entwickelt.

Thomas Schmidt, Kasbeck Outdoor & More,  Lohr a. Main:

Wir sind relativ zufrieden mit dem Verlauf des ersten Halbjahres 2012. Gegenüber dem Niveau des Vorjahres konnten wir sogar ein leichtes Plus erwirtschaften. Allerdings drücken uns noch hohe Lagerbestände aus dem Winter. Als Konsequenz hieraus werden wir unsere Vororder reduzieren. Unser Geschäft ist nicht sehr groß, es umfasst 120 Quadratmeter. Der Outdoormarkt wird aus meiner Sicht künftig eher stagnieren. Leider habe ich keine Produktinnovation gesehen, die dem Outdoormarkt Impulse geben könnte. Vor zehn Jahren kamen ja die Softshells auf den Markt. Inzwischen sind die Technologien so etabliert, das kaum noch Unterschiede auszumachen sind. Unser Sortiment haben wir gerade angepasst. Wir haben uns von Kinderartikeln bis Größe 152 getrennt. Jahrelang lief das Geschäft mit diesem Sortiment hervorragend. Aber inzwischen haben wir den Verkauf von Kinderartikeln komplett ans Internet verloren. Hierfür wenden wir uns künftig stärker an Jugendliche. Deswegen haben wir die Marke Billabong aufgenommen. Lohr ist nun mal nicht der Nabel der Welt, deswegen haben wir mit dieser Ausrichtung ein Alleinstellungsmerkmal. 15- oder 16-Jährige wissen sehr genau, welche Marke sie wollen. Sie verfügen allerdings noch nicht über ein eigenes Konto und nicht ausreichend Geld. Deswegen fallen für sie Internetkäufe flach. Also brauchen sie die Eltern und kommen mit ihnen zu uns ins Geschäft. Aus diesen Überlegungen heraus setzen wir jetzt verstärkt auf die Zielgruppe Jugend. Jacken waren bislang das Pro­blemthema. Schwarze Outdoorjacken konnte man im ersten Halbjahr leider nur für einen Appel und ein Ei verkaufen. Mit diesen Artikeln war kein Staat zu machen. Der Februar war der Knackpunkt, danach gab es keinen Regen mehr. Und ohne Regen können Sie keine Jacken verkaufen. Und im April ist das Frühjahrsgeschäft rum. Danach denken alle an den Sommer. Ab April lassen sich deswegen keine Jacken mehr verkaufen. Potenzial bei Hardcore-Outdoorern sehe ich nicht. Wir setzen eher auf die Freizeit-Outdoorer, da wir ja auch im Mittelgebirge angesiedelt sind. Ein grundsätzliches Problem sehe ich in der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel. Die meisten Lieferanten sind leider für Anregungen aus dem Handel nicht empfänglich. Als Händler stößt man zumeist auf taube Ohren.

Dieter Hohmann, Sport Hohmann, Hammelburg:

Unser erstes Halbjahr ist wie bei allen anderen Händlern verlaufen: nicht rund. Teilweise kamen Lieferungen von den Marken zu spät. Adidas hat etwa in der zweiten Juni-Woche die letzten Outdoorhemden zugestellt. Häufig kam die Ware zerfleddert, in mehreren Tranchen an. Viele Kunden haben früh in der Saison nach Outdoorartikeln gefragt, deswegen kamen manche Lieferungen schlicht und ergreifend zu spät. Und natürlich war der April zu warm, der ja sonst immer ein Jackenmonat ist. Wir Händler werden immer wetterabhängiger, das Zeitfenster für den Verkauf wird immer enger. Kundenbedarf müssen wir sehr zeitnah abwickeln, das Geschäft wird immer kurzfristiger. Ich habe vor fünf Minuten, am Freitagnachmittag, einen jungen Kunden bedient, der sich einen Schlafsack gekauft hat. Er fliegt noch heute Abend nach Norwegen. Für solche Kunden muss man gewappnet sein. Es wird immer wichtiger, dass der Händler den Bedarf sofort befriedigen kann. Der Outdoormarkt wird meiner Meinung nach stagnieren. Das Thema ist seit zwei Jahren derart im Gespräch, dass inzwischen auch der Dümmste mit dabei ist. Produkthöhepunkte habe ich nicht gesehen. Die Marken gehen mit ihren Sortimenten hingegen in die Breite, was Lagerkapazität bindet, wenn man sie darstellen will. Generell wird der Verkäufer immer mehr gefordert. Das Geschäft läuft nicht mehr so einfach wie früher. An Outdoormarken führen wir Schöffel, Jack Wolfskin, Adidas, Mammut und die Eigenmarke High Colorado. Adidas Outdoor habe ich neu ins Sortiment genommen, weil sie junge, neue Produkte anbieten, etwa bei Softshells und sportiven Jacken. Vaude und Maier Sports haben wir dafür aus dem Sortiment genommen. In den vergangenen zwei Jahren ist der Jackenmarkt bei uns nicht gewachsen. Wir sind allerdings schon früh ins modische Segment gegangen, haben farbige Jacken ins Sortiment genommen. Vielleicht hatten wir deswegen bereits unseren Höhepunkt bei diesem Thema. Generell wollen wir uns beim Sortiment konzentrieren, eine Aussage haben. Deswegen erliegen wir auch nicht den Verlockungen neuer Marken, die teilweise versprechen, auch Ware zurückzunehmen. Sehr ordentlich läuft derzeit das Segment Rucksäcke. Hier legen die Kunden inzwischen immer mehr Wert auf Qualität. Hohe Preise werden hier klaglos akzeptiert. Jack Wolfskin hat aus meiner Sicht den Zenit überschritten. Gerade bei Jacken der Marke hatten wir in diesem Jahr bislang ein Absatzproblem. Vielen Kunden ist der Textilgriff bei Marken mit der Tatze zu steif, die Leute sind hier sehr sensibel. Derzeit können wir trotzdem nicht auf die Idsteiner verzichten. Das Zubehör wie der Waschbeutel verkauft sich immer noch gut. Mammut haben wir in der vergangenen Zeit als Marke neben Schöffel aufgebaut. 500-Euro-Jacken von Mammut bekomme ich in unserer Region zwar nicht verkauft, aber bis zur mittleren Preislage gehen sie schon gut. Bei Outdoor haben wir keine Überhänge. Am 2. Januar haben wir einen Räumungsverkauf durchgeführt, der bei diesem Sortiment funktioniert hat. Wenn der Kunde Bedarf hat, dann kauft er, sonst nicht, das hat man bei unserem Skisortiment gesehen. Alles in allem liegen wir geschäftlich auf Vorjahresniveau. Die Kunden stehen zwar nicht Schlange und der April war bescheiden. Aber vielleicht erreichen wir durch die EM am Ende des ersten Halbjahres dann doch Vorjahresniveau.

Detlev Koch, Natur und Sport,  Gummersbach:

Durch die schwachen Wintersportumsätze im Januar, Februar und März und die insgesamt schwierige Wintersaison sind wir nicht zufrieden mit dem Geschäftsverlauf des ersten Halbjahres. Die Lagerbestände aus dem Winter drücken immer noch. Warme Winterware, gefütterte Stiefel etwa, haben wir noch reichlich auf Lager. Das blockierte auch unser Limit für die kommende Wintersaison. Ich glaube nicht, das der Gesamtmarkt für Outdoor in Deutschland weiter wachsen kann. Jüngst war ich im benachbarten Köln. Dort hängen Jacken von Jack Wolfskin und The North Face in vielen Geschäften, auch jenseits von Outdoor und Sport. Außerdem drängen neue Marken wie Engelbert Strauss ins Outdoorsegment. Diese Firma kommt ja etwa aus der Arbeitsbekleidung. Wir können schon zufrieden sein, wenn der Markt wie bisher funktioniert. Ich glaube nicht, dass die Kunden den Weg zurück zur Lederjacke gehen. Leider habe ich keine Produktinnovation ausgemacht. Wir sind besonders stark bei Outdoorschuhen, führen Lowa, Meindl, Hanwag, Salomon und Keen. Keen hat mit der neuen Kollektion einen Schritt nach vorne gemacht. Die Modelle fallen deutlich europäischer aus. Bei Textil haben wir uns etwas von Jack Wolfskin entfernt. Die Marke ist bereits zu oft im Markt sichtbar. Wir setzen auch im Herbst und Winter nicht nur auf schwarze Fleecejacken. Hingegen stellen wir skandinavische Marken wie Haglöfs, 66°North oder Fjällräven stärker in den Vordergrund. Fjällräven hat sich mit seinen Hosen, speziell G 1000-Qualität, ein Stammpublikum erarbeitet, analog zu Schöffel. Die Schnitte der Hosen haben sich stark verbessert. Wir haben in der Vergangenheit genug Marken getestet, uns aber auch von vielen wieder verabschiedet. Bei einigen Marken ist es an der Nachlieferung gescheitert. Leider waren gerade italienische Marken hier nicht zuverlässig, deswegen setzen wir stark auf deutsche Lieferanten. Verfügbarkeit wird im Gespräch mit den Kunden zu einem immer wichtigeren Thema. Die Käufer sind heute durch das Internet sehr gut informiert, welche Produkte es gibt. Das NoS-Programm bei Schöffel hat im Frühjahr etwas gehapert, aber dieses Problem haben wir partnerschaftlich gelöst. Jacken waren wirklich ein Problemthema. Die Leute wollen frische Farben, nicht nur Schwarz. Aber auch dann bleibt das Geschäft schwierig, wenn das Wetter beständig ist. Leichte Qualitäten hingegen gehen gut. Das Geschäft mit High-End-Ware ist sehr schwierig. Ein Kunde, der bereit ist, für eine Jacke 600 Euro auszugeben, will 20 Modelle sehen. Diese Klientel ist sehr gut vorinformiert durchs Internet. Hier tun wir uns schwer. Wir haben allerdings schon Topmodelle, um Kompetenz zu demonstrieren, um zu zeigen, was noch geht. Wo Kompetenz da ist, da verkauft man auch, diese Regel gilt noch immer. Die Auswahl muss jedenfalls größer sein als früher. Das Kundenverhalten hat sich drastisch verändert. Früher haben wir hunderte Kataloge an Kunden verteilt. Heute erreichen wir damit nur noch die Ü-60-Kunden. Die jüngere Kundschaft betritt bereits bestens vorinformiert den Laden und kennt den günstigen Anbieter im Netz.