Licht: Haben Sie ein Beleuchtungskonzept?


Am 1. September werden alle Glühlampen über sieben Watt aus dem Angebot der Hersteller verbannt. Ein guter Anlass für den Einzelhandel, seine Beleuchtung zu modernisieren. Lichtexperte Dr. Jürgen Waldorf spricht mit spomo über effiziente Lichtquellen und ihre Möglichkeiten im Laden

Der stufenweise Ausstieg der herkömmlichen Glühlampe hat längst begonnen. Am 1. September dieses Jahres werden alle Glühlampen über sieben Watt aus dem Angebot der Hersteller verbannt. Heißt im Klartext: Auch 40- und 25-Watt-Lampen stehen den Verbrauchern nicht mehr zur Verfügung. LEDs werden für die Shopbeleuchtung immer wichtiger. Zwar bleiben Lichtquellen wie T5-Leuchtstofflampen oder Halogen-Metalldampflampen weiterhin für Shopbetreiber eine gute und betriebswirtschaftlich sinnvolle Wahl, aber es gibt Alternativen. Welcher Lampentyp gewählt werden sollte, hängt von vielen Faktoren ab.

Grund für den Ausstieg ist ein Umdenken im Welt- und Geldbewusstsein. Herkömmliche Glühlampen sind dem Ruf nach Energieverschwender, Stromfresser. Tatsächlich verpuffen bei einer Glühlampe laut Experten 95 Prozent des Stroms als Wärme. Drei entscheidenden Kriterien müssen effiziente Lichtquellen wie LEDs standhalten: Helligkeit, Effizienz, Kosten. Stand heute sind die Qualitätsunterschiede innerhalb der LED-Familie noch erheblich. Dr. Jürgen Waldorf ist Geschäftsführer des Fachverbands Licht im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) und von licht.de, der Fördergemeinschaft Gutes Licht. Er sagt: „Die Qualitätsunterschiede sind tatsächlich groß, denn die LED-Technik ist noch relativ jung und das fachliche Know-how bei manchen Herstellern kaum vorhanden.“

Achtung Billiganbieter!

Ein Problem sind laut Waldorf Billiganbieter aus dem asiatischen Raum, die „die Möglichkeiten der LED – Effizienz, lange Lebensdauer, hohe Lichtqualität – nicht ausschöpfen.“ Typische Schwachstellen sind bei minderwertigen LEDs schlechte Wärmeableitung, mangelnde Helligkeit, falsche Lichtfarben. Selbst wenn die LEDs an sich gut funktionieren, könne fehlerhafte Betriebselektronik zu einem frühen Ausfall führen, warnt Waldorf eindringlich. Beim Kauf seien diese Mängel nur schwer zu erkennen. „Verbraucher sind daher gut beraten, sich beim Kauf von LED-Leuchten auf anerkannte Hersteller oder Gütesiegel wie das GS- oder Prüfzeichen wie ENEC (European Norms Electrical Certification, d. Red.) zu verlassen, die vom Verband Deutscher Ingenieure vergeben werden“, sagt der Experte.

Tipps, die sich jeder Geschäftsinhaber zu Herzen nehmen sollte, der zu LED tendiert. Denn es gibt zweifelsfrei Vorteile. „Mit 100 Lumen pro Watt und mehr übertreffen LEDs zum Teil bereits Kompaktleuchtstofflampen. Und mit einer Lebensdauer von 50.000 und mehr Betriebsstunden halten sie deutlich länger als andere Lichtquellen“, konstatiert Waldorf. Lesen Sie das ganze Interview:

Welche Farbtemperatur sollte LED-­Beleuchtung im Sportfachhandel haben?
Die Kelvin-Zahl beschreibt die Farbtemperatur und damit die Lichtfarbe einer Lichtquelle. LEDs sind in allen Farbtönen verfügbar. Die Spanne reicht vom rötlichen Warmweiß mit Werten um 3.000 Kelvin bis zum bläu­lichen Tageslichtweiß. Welche Lichtfarbe für ein Sportgeschäft empfehlenswert ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Lichtfarbe beeinflusst die Lichtstimmung im Raum und sollte in jedem Fall zum Shopkonzept und zum Sortiment passen. So kann etwa tageslichtweißes Licht für Ski, Schlittschuhe und Winterkleidung die richtige Wahl sein. Mit Strandmode und Tauchsportartikeln harmoniert aber vielleicht besser eine warmweiße Beleuchtung. Moderne Lichttechnik macht es möglich, Lichtfarben innerhalb einer Leuchte zu verändern. So kann das Personal per Knopfdruck von Warmweiß zu Kaltweiß wechseln – und umgekehrt.

Welche Werte gibt es noch, die man beim Kauf beachten sollte?
Eine weitere wichtige Größe ist der Lichtstrom, also die Lichtmenge, die eine Lichtquelle ausstrahlt. Sie wird in Lumen angegeben. Die Wattleistung gibt den Energieverbrauch wieder. Die entsprechenden Angaben befinden sich auf Lampenverpackungen oder auf Produktseiten im Internet. Bei empfindlichen Waren wie Textilien empfiehlt es sich, darauf zu achten, dass die verwendeten Lichtquellen wenig UV- oder Infrarot-Strahlung emittieren. Beim Kauf einer Leuchte ist entscheidend, welche Aufgabe sie im Lichtkonzept des Shops übernehmen soll. Dreh- und schwenkbare Einbau- oder Anbauleuchten bieten etwa den Vorteil, dass sie flexibel ausgerichtet werden können – praktisch, wenn das Geschäft häufig umdekoriert wird. Für eine flexible Lichtgestaltung sollten sämtliche Lichtquellen im Verkaufsraum dimmbar sein, um das Helligkeits­niveau nach Belieben anpassen zu können.

Beobachten Sie derzeit einen Trend im Einzelhandel, was Beleuchtung angeht?
Der Trend geht vor allem bei Fachgeschäften hin zu einer individuellen Lichtgestaltung. Licht wird zunehmend eingesetzt, um eine für das jeweilige Unternehmen typische Markenbotschaft zu transportieren. Damit fügt sich die Beleuchtung in ein Gesamtkonzept ein, das aus Elementen wie Raumklima, ­Mobiliar und Waren eine Einheit formt. Das Design der Leuchten ist dafür ebenso entscheidend wie die Lichtgestaltung. Shops haben eine schier unendliche Palette von Möglichkeiten, sich etwa mit Akzentbeleuchtung oder dynamisch wechselnden Lichtszenen ein individuelles Gesicht zu geben.

Welche Voraussetzungen muss ein Händler erfüllen, wenn er sein Geschäft mit LED-­Beleuchtung ausstatten will?
Wenn er konventionelle Lampen wie Halogen- oder Kompaktleuchtstofflampen direkt ersetzen möchte, sollte er darauf achten, dass die verwendeten LED-Lampen dieselbe Lichtmenge ausstrahlen. Auch die Lichtfarbe sollte der zuvor verwendeten entsprechen, also eine warmweiße Lampe auch durch eine warmweiße LED-Retrofit (Alternative für einige herkömmliche Lampentypen auf LED-Basis, d. Red.) ersetzt werden. Wenn Leuchtstofflampen ausgetauscht werden, kann sich die Lichtverteilung ändern. Die elektrotechnische Sicherheit sollte ein Fachmann gewährleisten. Mit dem Austausch, etwa von Halogenlampen, lässt sich der Energieverbrauch zwar relativ rasch senken. Doch womöglich wird nicht das volle Sparpotenzial ausgeschöpft. Daher kann es sinnvoll sein, nicht nur Lampen auszutauschen, sondern über eine grundlegende Sanierung der Beleuchtung unter Verwendung von LEDs nachzudenken. Dabei lohnt es sich, den Rat eines erfahrenen Lichtplaners einzuholen.

Auf was muss ein Händler sonst achten,  wenn er sein Geschäft mit LED-Beleuchtung ausstatten möchte? Was muss er ­investieren?
Die Grundfläche ist nur ein Faktor von vielen, die über die richtige Beleuchtungslösung entscheiden. Hinzu kommen Größen wie der Tageslichteinfall, die Farbe der Wände, die Anordnung der Regale, Kleiderständer und Kassen. Für die Auswahl der Leuchten sind weitere Überlegungen einzubeziehen: Welches Design passt zum Shopkonzept? Ist ­Effektbeleuchtung, etwa durch Wallwasher, erwünscht? Diese und weitere Fragen müssen vor der Anschaffung bei einer sorgfältigen Planung beantwortet werden. Für die Kaufentscheidung sind aber nicht nur die Investitionskosten entscheidend. Auch Strom- und Wartungskosten müssen in die Berechnung einbezogen werden. Häufig amortisiert sich die Investition in energiesparende Lichttechnik bereits nach kurzer Zeit dank der eingesparten Stromkosten. Kleine und mittlere Unternehmen profitieren bei der Beleuchtungssanierung zusätzlich von staatlichen Zuschüssen, etwa aus dem Sonderfond ­Energieeffizienz.

Lockt Licht Leute? Kann man mit dem richtigen Licht den Umsatz steigern?
Zunächst einmal ist Licht die Voraussetzung, dass überhaupt Umsatz erzielt wird. Denn nur mit Licht können Kunden Waren finden und prüfen. Damit ist eine wichtige Funktion der Beleuchtung im Verkaufsraum genannt: Sie erleichtert Kunden die Orientierung und  die Auswahl der Waren. Doch Licht kann mehr. Als Lichtwerbung an Fassaden und Eingängen weckt es – vor allem in den Abendstunden – die Aufmerksamkeit von Passanten. Im Geschäft sorgt Licht nicht nur für gute Sehbedingungen. Es prägt auch die Atmos­phäre, erzeugt bei den Kunden im Idealfall Wohlbefinden und lädt sie ein, länger im Geschäft zu verweilen. Und fühlt sich der Kunde wohl, kommt er auch gerne wieder. Daher lohnt sich die Investition in gute Shop­beleuchtung.

Welche Möglichkeiten hat man mit LED, etwa bei der Wegführung und Akzentuierung?
Früher wurden LEDs vorrangig für Signal- und Orientierungsbeleuchtung verwendet. Diese Zeiten sind aber lange vorbei. Inzwischen sind LEDs für jede gängige Shopanwendung geeignet. Da sie robust sind und kleine Abmessungen besitzen, können sie problemlos als Bodeneinbauleuchten zur besseren Orientierung verwendet werden. Ihr gerichtetes Licht hebt Auslagen hervor und dank ihrer kompakten Formen eignen sie sich perfekt für die zusätzliche Beleuchtung von Vitrinen und Regalen. Doch die LED hat noch weitere Möglichkeiten für die Lichtgestaltung geschaffen. Dank ihres von Natur aus farbigen Lichts ist sie wie gemacht für farbige Effektbeleuchtung. Mit elektronischer Steuerung lassen sich farbige Lichtszenen auch automatisch abrufen und stufenlos ineinander überführen. Auf Medienfassaden, die aus vielen LEDs bestehen, lassen sich für viele Menschen sichtbar Bilder und Botschaften abspielen. Damit hat die LED auch für die Lichtwerbung eine neue Dimension eröffnet.

Die LED-Branche verzeichnet ein stetes Wachstum. Wie viel wird das Wachstum wohl in diesem Jahr betragen?
Dass der LED-Markt weiter wachsen wird, steht fest. Genaue Zahlen sind jedoch schwer zu ermitteln, da die LED-Technik in den verschiedenen Anwendungen wie Straßenbeleuchtung oder Bürobeleuchtung unterschiedlich schnell vordringt. Wie rasch der Markt wächst, hängt auch davon ab, wie schnell die Akzeptanz bei den Verbrauchern zunimmt.