GfK-Daten für 2013
Harte Fakten: Die Marktzahlen der Gesellschaft für Konsumforschung zum Sportmarkt im ersten Quartal 2013.
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Für die Kinder ein Leid, für die Eltern Stress, für den Handel kompliziert. Die (Vor)Urteile bei Kinderschuhen sind schnell genannt. Der zweite Teil unseres Berichts beschreibt die Anforderungen, Details und Funktionen von Kinderschuhen und worauf es bei der Beratung ankommt
Kinderschuhen wird nachgesagt, sie müssten „wahre Allrounder“ sein, sagt Silke Kemmerling, Produktspezialistin bei Gore-Footwear, denn Kinder wären bei jedem Wetter draußen und bewegten sich in jedem Terrain. Bastian Döhne, Verkaufsleiter Salewa Footwear, hat die Erfahrung gemacht, dass „Kinder am liebsten immer den gleichen Schuh tragen und keine Lust haben, sich ständig umzuziehen.“ Auf Basis dieser Beobachtung baut Salewa Kinderschuhe „für jede Lebenslage“. Die Anforderungen an einen guten Kinderschuh unterscheiden sich nicht von denen an einen Erwachsenenschuh. Gute Passform, geringes Gewicht, funktionelle Vielseitigkeit, Hautfreundlichkeit (bei Sportschuhen), Qualität, Schutz und Sicherheit (bei Outdoorschuhen) sind Notwendigkeiten. Das Besondere an Kinderschuhen ist laut Lowa-Enwicklungsleiter Heinz Feuerecker, dass Kinderschuhe meist einen kürzeren Lebenszyklus haben, dafür aber größeren Beanspruchungen ausgesetzt sind, was eine hohe Qualität beim Material und der Verarbeitung nötig macht.
Im Mittelpunkt steht vor allem die Flexibilität der Laufsohle. „Wichtig beim Kauf eines Kinderschuhs ist der weiche Flex der Sohle“, sagt Teresa Ranft von Merrell. Marc Fischer, Director Adidas Outdoor Market Central, empfiehlt sogar den Flex-Test mit der Hand: „Mit dem Flex-Test lässt sich überprüfen, ob sich der Schuh einfach im Vorfußbereich flexen lässt, um die natürliche Abrollbewegung zu unterstützen oder ob der Schuh im Mittelfußbereich kollabiert und so den Fuß schädigt.“
Ein Qualitätsmerkmal eines guten Kinderschuhs sei ferner die Außensohle. „Viele Kinderschuhe sind aus Kostengründen mit TPR in der Sohle gemacht“, warnt Michael Horsch, Footwear Manager bei The North Face, und erklärt auch warum: „Dieses Material reibt sehr schnell ab. Dadurch ändert der Schuh seine biomechanischen Eigenschaften und wird instabil“. The North Face setze bei Kinderschuhen deshalb auf Gummisohlen.
Döhne (Salewa) sieht in einer billigen Sohle dazu noch ein Sicherheitsrisiko. „Sicherheit steht an erster Stelle und die technische Sohle aus Gummi, die besonders viel Grip bietet, bringt die Kinder überall hin.“ Auch Meindl und Teva betrachten eine griffige Gummisohle als Pflicht.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei Kinderschuhen ist die einfache Handhabung. „Ein einfaches An- und Ausziehen muss gewährleistet sein“, sagt Döhne (Salewa), denn „die Kinder müssen sich ohne Mühen eigenständig von den Schuhen befreien können.“ Vor allem Sport- und Kinderhalbschuhe kommen daher häufig mit Klettverschluss. Für Adidas ist das Handling durch Kinder immerhin so wichtig, dass es seine Speedlacing-Technologie extra an Kinder angepasst hat.
Ein häufiges Ärgernis bei Kinderschuhen bleibt aber die Schnürung. Selbst Doppelknoten lösen sich ungewöhnlich schnell bei den modernen runden Schnürsenkeln – zumal sich offene Senkel auch zum Sicherheitsrisiko entwickeln können. Scott Bowen, European Footwear Merchandising Director bei Columbia, sieht das Thema Handling aber nicht nur auf die Schnürung begrenzt: „Wenn Kinder ihren Schuh gerne anziehen sollen, benötigen diese auch eine weite Öffnung.“ Wer Kinder hat, weiß, dass dies nicht nur den Kindern den Zugang zum Schuh erleichtere, sondern obendrein die Lebensdauer eines Schuhs erhöhe.
Auch die Wasserdichte ist ein sehr spezielles Kinderthema. Einerseits besteht zwischen Kindern und Pfützen eine geradezu magische Anziehungskraft, die einen wasserdichten Schuh sinnvoll macht. Andererseits schwitzen Kinder an den Füßen stärker als Erwachsene, was eine atmungsaktive Membranlösung notwendig macht. Kinderschuhe sollten dazu auf alle Fälle auch reflektierende Details und Applikationen haben. Beim Kinderschuhdesign setzt Lowa darauf, die Erwachsenentrends nicht 1:1 zu übertragen, sondern sich kindgerechte Inspirationen zu holen, zum Beispiel aus Kinderfilmen. Die meisten Namen der Lowa-Kinderschuhe stammen auch dorther, sagt Lowa-Designerin Anne Schmitz. „Für Designer bietet die Entwicklung von Kinderschuhen einen größeren Spielraum, vor allem ein mutigeres Design, da Kids meist mutiger sind.“
Die Ermittlung der richtigen Schuhgröße bleibt das zentrale Problem bei Kinderschuhen. Drei Faktoren machen das Problem evident: 1. Die Geschwindigkeit des Wachstums der Füße, das manche gekaufte Schuhe schneller überholen als Eltern wahrnehmen. 2. Die Kosten, die dadurch entstehen, wenn man drei, vier Paar Schuhe pro Kind im Jahr kaufen muss. 3. Die Tatsache, dass Kinder meist nicht richtig merken, ob und wann ihr Schuh zu klein geworden oder noch viel zu groß ist.
Eine herausnehmbare Einlegesohle kann die Ermittlung und regelmäßige Kontrolle der richtigen Schuhgröße erleichtern. Diese ist für Jürgen Siegwarth (Prokurist Hanwag) ein wichtiges Qualitätsmerkmal, auch wenn die Konstruktion teurer ist: „Wir machen keine Kompromisse und deshalb ist die Innensohle bei uns herausnehmbar“, sagt er. Vor allem beim Thema Trocknen und Hygiene ist ein herausnehmbares Fußbett auch ein sinnvolles Funktionsargument. Aber auch, wenn medizinische Einlegesohlen integriert werden müssen.
Noch wichtiger: Eine Konstruktion mit herausnehmbarer Einlegesohle erleichtert die Suche nach der richtigen Schuhgröße. Meindl nutzt die herausnehmbare Einlegesohle als Größenkontrollsystem „Best Fit“. Die Sohle wird mit einer Größenmarkierung für den wichtigen 12mm-Zehenabstand ausgeliefert, anhand derer Eltern schnell und einfach erkennen können, ob der Schuh noch passt oder nicht.
Mit der Daumenprobe lässt sich nur die ungefähre Passform ermitteln. Dabei überprüft man im Stehen am angezogenen Schuh, ob der Daumen zwischen die längste Zehe und die Schuhspitze passt. Hier gilt es besonders darauf zu achten, dass die Zehen nicht angezogen werden. Mit etwas Druck der freien Hand auf den Fuß kann man dafür sorgen, dass die Zehen wirklich flach liegen. Problematisch ist die Daumenprobe allerdings bei Outdoor- und Wanderschuhen aus festerem Leder, da man die Zehen kaum durch das Leder spürt. Ist die Einlegesohle nicht herausnehmbar, ist der Einsatz einer Schablone eine Alternative. Dabei wird der Umriss des Fußes auf festen Karton gezeichnet und um zwölf bis 15 Millimeter Zehenfreiraum verlängert. Aus dieser Schablone wird ein etwa zwei Zentimeter breiter Streifen ausgeschnitten und in den Schuh gelegt. Passt die Schablone leicht in die Schuhe, passen auch die Schuhe. Die professionelle Beratung und Messung der Kinderfüße durch einen Fachhändler anhand von modernen Messlehren oder Fußmessgeräten ist für die meisten Hersteller die Ideallösung und für den Handel eine gute Möglichkeit der Kundenbindung.
Kinderbasare erfreuen sich landauf landab einer stetig großen Beliebtheit. Bei gebrauchten Kinderschuhen gilt es jedoch, auf Grenzen hinzuweisen. „Secondhand-Kinderschuhe zu kaufen, kann aus verschiedenen Gründen wie etwa Nachhaltigkeit oder Kosten attraktiv sein“, weiß Fischer (Adidas Outdoor). „Auf der anderen Seite sind Passform – gebrauchte Schuhe sind oft ausgetreten – Fußklima und Hygiene sehr wichtig. Döhne (Salewa) sieht das etwas entspannter: „Das ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, gegen die prinzipiell nichts spricht. Oftmals ist das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut und es gibt immer wieder kaum getragene Modelle, denen wirklich nichts fehlt“, beschreibt er die Vorteile, die es klar gegen die Nachteile eines gewissen Einkaufsrisikos abzuwägen gilt. „Eine 100-Prozent-Garantie und die kompetente Beratung gibt es natürlich auch nur beim Sportfachhändler“, sagt Döhne.
Laut Lukas Meindl ist es grundsätzlich „weitaus besser, einen guten, funktionellen, kinderfußspezifisch hergestellten und nicht stark abgetragenen Secondhandschuh zu kaufen, anstatt einen billigen Schuh, der null Fußfunktion bietet.“ Unterstützung bekommt Meindl vom Wettbewerber Hanwag. „Skeptisch sind wir dagegen immer, wenn minderwertige Schuhe wegen eines vermeintlich „billigen“ Preises gekauft werden – egal, ob für Kinder oder für Erwachsene und egal, ob neu oder gebraucht“, betont Siegwarth. Als Regel kann daher empfohlen werden: Die Schuhe sind weiter tragbar, wenn sie kaum Tragespuren haben, gut gepflegt wurden und das Fußbett sowie die Sohle nicht abgenutzt sind.