EuroCIS: IT-Dschungel durchleuchtet


Gut gefüllt waren die Gänge und Stände der EuroCIS in diesem Jahr. Dementsprechend aufgeräumt zeigten sich die Aussteller der Handels-IT-Messe. Auch die Verantwortlichen der Verbundgruppen Intersport und Anwr ließen es sich nicht nehmen, auf der Messe präsent zu sein

Die harten Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Die EuroCIS 2012 hat in allen Messekategorien zugelegt. Die Messe für Handels-IT stieß in diesem Jahr auf größeren Zuspruch als bei der vergangenen Auflage im Jahr 2010. An den drei Messetagen vom 28. Februar bis 1. März passierten 6.400 Besucher die Drehkreuze der Messe Düsseldorf.

Besucher- und Ausstellerplus

Im Jahr 2010 hatten sich noch 5.400 Fachleute für das Angebot der EuroCIS interessiert. Auch die Zahl der Aussteller und die belegte Fläche stiegen in diesem Jahr. 237 Unternehmen aus 25 Ländern präsentierten ihre IT-­Lösungen. 2010 hatten noch 190 Firmen ihre Produkte dem Handel offeriert. Die belegte Fläche wuchs von 5.468 auf 6.283 Quadratmeter.

Onlinevertrieb diskutiert

Breit war das Angebot der EuroCIS: In alle ­Aspekte rund um IT und Software konnte der Besucher eintauchen. Multichannel und ­Mobile Payment – diese Anglizismen bezeichneten die beiden Themen, die die Messe dominierten. Die Aussteller präsentierten zahlreiche Lösungen für Händler, die über mehrere Kanäle distribuieren wollen sowie Lösungen für das mobile Bezahlen. Verkaufen übers Internet – diese Diskussion prägte ebenfalls die Messe. Ein Multichannel-Forum bot zahlreichen Referenten hierzu eine Bühne. Die Vielfalt der gebotenen Vorträge unterstrich, wie komplex dieses Gebiet ist. Ein Dschungel, in dem sich mittelständische Händler verirren können.

Systeme für mobiles Bezahlen

Zahlungssysteme bilden seit jeher einen Schwerpunkt auf der EuroCIS. Bei der diesjährigen Auflage stand vor allem das kontaktlose Bezahlen im Mittelpunkt. Die Angebote sind auch auf diesem Feld zahlreich. Unterschiedliche Systeme buhlen um den Kunden. Die Anbieter Mastercard, Visa und die deutsche Kreditwirtschaft bieten jeweils eigene Lösungen an. Mastercard möchte mit Paypass global agieren, Visa mit Paywave zumindest europaweit. Die deutsche Kreditwirtschaft adressiert mit ­Girogo den heimischen Markt. Dabei erlebt die Geldkarte ihr Comeback. Natürlich besitzt ein Gedanke beim mobilen Bezahlen besonderen Charme: das Smartphone hierzu einzusetzen. Ein ­dickes Brett gilt es allerdings zu bohren, bis diese Lösung praktikabel ist.

Digital Signage marschiert

Ohne Anglizismen geht im EDV-Kontext offenbar nichts mehr. Digital Signage – dieses Konzept treibt die Sportbranche ebenfalls seit einiger Zeit um. Der Begriff Digital Signage steht für digitale Medieninhalte bei Werbesystemen.
Beispiele sind elektronische Plakate, digitale Türbeschilderungen oder I­nstore-TV. Letzteres spielt für den Sportfachhandel die größte Bedeutung unter den Digital Signage-­Lösungen. Aus der Praxis habe es sich bewährt, neue Produkte oder Sportarten per Fernsehen im Laden zu bewerben, ist von Seiten der Verbände zu hören.

Virtuelle Realität im Laden

Augmented Reality heißt jetzt die neue Zauberformel in diesem Umfeld. Dieser Terminus wiederum bezeichnet, wie die Realität auf digitalen Medien mit Hilfe von Computeranimationen erweitert wird.
Konkret: Ein Kunde läuft mit einem Smartphone durch den Laden und erhält zusätzliche Informationen zu einem Produkt, wenn er sich die nötige App hierzu heruntergeladen hat. Unter anderem die Online Software AG stellte eine derartige Lösung auf der ­EuroCIS vor.

Mittelstandslösungen suchen

Zahlreiche technisch faszinierende Lösungen waren also auf der Messe zu begutachten. Aber ein Großteil dieser Welt ist immer noch weit weg vom Intersportler, Sport 2000er oder freien Outdoorhändler. Viele der auf der EuroCIS angebotenen Produkte sind für Handelsketten gedacht, die über viele Filialen verfügen. Trotzdem lohnt sich der Besuch auch mit dem Blick des Mittelständlers. Neue Kassensysteme waren etwa zu begutachten. Das EHI hat hierzu außerdem eine Studie auf der Messe veröffentlicht.

Studie zu Kassensystemen

Der Handel rüstet seine Kassen auf, lautet der Tenor der Untersuchung. Regelmäßig erneuert er Soft- und Hardware, um etwa den Kundenwünschen nach mobilem und kontaktlosen Bezahlen gerecht zu werden. Immer mehr zusätzliche Funktionalitäten würden über die Kasse abgewickelt, betonte Ulrich Spaan, Mitglied der EHI-Geschäftsleitung, beim Pressegespräch zur Studie.

Unbare Bezahlverfahren

Die in der Studie befragten Entscheider im Handel sehen insbesondere beim Abwickeln unbarer Bezahlverfahren großes Optimierungspotenzial. Spaan: „Für die Zukunft wird eine weitere Erhöhung des Anteils unbarer Bezahlung angestrebt, ein wesentlicher ­Fokus liegt auf mobilen und kontaktlosen Verfahren.“

Für 76 Prozent der Befragten spielt die Umweltfreundlichkeit der Produkte bei der Auswahl der Kassenhardware inzwischen eine wichtige Rolle. Mit dem Begriff „Green IT“ verbinden die Unternehmen heute weniger das Ziel, Energiekosten zu sparen, als vielmehr die Investition in nachhaltige Produkte. „Auch interessant: 34 Prozent der Unternehmen, die Thermopapier für den Druck nutzen, verwenden Bisphenol A- und Bisphenol S- freies Papier“, betonte der EHI-Experte.

Ein Drittel will investieren

Das durchschnittliche Alter der Kassenhardware hat sich im Vergleich zur EHI-Umfrage 2010 geringfügig erhöht und liege nun bei 5,4 Jahren, erläuterte Spaan. Die befragten Händler würden auf Kassensoftware von 29 verschiedene Anbietern vertrauen. „Die durchschnittliche Laufzeit einer Kassensoftware beträgt etwa sieben Jahre“, erläuterte der IT-Fachmann. Wie in den vergangenen Jahren wolle über ein Drittel der Unternehmen ein neues Kassensystem einführen.

Geräteanzahl stagniert

Die Zahl der Kassen in Deutschland stagniert seit Jahren, erläuterte Spaan. „Rund eine Million Kassenysteme sind im Einsatz.“ Bedingt durch den konsolidierenden Markt, verteilen sich die PoS-Systeme dabei auf immer weniger Läden. Spaan: „Waren es vor gut zehn Jahren noch fast 640.000 Geschäfte, so sind es heute nur noch 584.000.“

Touchscreens gefragt

Die Bedeutung des Touchscreens als Eingabemedium steigt über Branchengrenzen hinweg weiter an. Künftig plane kein einziges Unternehmen des Panels, auf Touchscreens zu verzichten. Über 80 Prozent der Unternehmen geben an, dass das Design der Kasse bei der Auswahl der Kassenhardware wichtig oder sogar entscheidend ist. 61 Handels­unternehmen beteiligten sich an der EHI-Studie. Die befragten Händler stehen für weltweit 84.500 Filialen und setzten im Jahr 2011 rund 209 Milliarden Euro um. In Deutschland erwirtschafteten diese Handelsunternehmen in rund 51.000 Filialen einen Umsatz von rund 85 Milliarden. Die befragten PoS-Verantwortlichen sind für insgesamt 130.000 Kassensysteme zuständig.