GfK-Daten für 2013
Harte Fakten: Die Marktzahlen der Gesellschaft für Konsumforschung zum Sportmarkt im ersten Quartal 2013.
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Die Firma Wack Chemie ist mit ihren Pflegeprodukten in der Automobil- und Motorradszene bereits etabliert. Seit 2010 bietet Wack mit F100 auch dem Outdoor- und Fahrradhandel eine Produktlinie an. Insiderwissen und Tipps zur Outdoorausrüstungspflege sammelte sport+mode auf einem Seminar
Bereits der Titel des Seminars – „Insiderwissen in der Outdoorausrüstungspflege“ – verspricht interessante Einblicke. Es soll Antworten auf die Frage liefern: Warum ist Ausrüstungspflege so wichtig? Funktionstextilien sind einer ganzen Reihe von Einflüssen ausgesetzt. Dazu zählen unter anderem Schmutz (Schweiß, Staub, Sand) sowie Umwelteinflüsse (UV-Strahlen, Witterung, Abnutzung). Zudem kann sich vor allem eine falsche Pflege der Outdoorprodukte negativ auf deren Funktion auswirken, etwa durch ungeeignete Pflegemittel oder eine zu hohe Waschtemperatur. „Es gibt auch immer noch Menschen, die glauben, Funktionsjacken dürfe man gar nicht waschen, sonst würden sie ihre Funktion einbüßen“, deckt Christine Botterbrodt aus dem Schöffel-Kundenservice einen immer noch verbreiteten Trugschluss auf, der zeigt, dass Pflegehinweise zur täglichen Beratung im Sportgeschäft dazugehören sollten.
Die Produkte können durch den Gebrauch und eine eventuell mangelhafte Pflege stark leiden: Die Klimamembran wird beeinträchtigt, der Tragekomfort wird schlecht, weil die Textilien beispielsweise einlaufen, es entstehen unangenehme Gerüche, Materialien bleichen aus, verspröden, bekommen Risse. Eine systematische Textilpflege beugt diesen Erscheinungen vor. Dazu gehören drei Schritte: Reinigung, Imprägnierung und Geruchsentfernung.
Bei der Reinigung von Funktionstextilien sollten Outdoorsportler in jedem Fall von Vollwaschmitteln absehen, rät Botterbrodt. Ein Funktionswaschmittel sei hier die richtige Wahl, welches die Funktion der
Klimamembran sowie die Atmungsaktivität dauerhaft erhält. Gleichzeitig könne es die Fasern gründlich reinigen und auf die spätere Imprägnierung vorbereiten.
Ein Funktionswaschmittel unterscheidet sich vom Vollwaschmittel dadurch, dass es auf bestimmte Inhaltsstoffe verzichtet, welche die Fasern angreifen. Wack-Chemiker Hartmut Hauber erklärt, dass ein Funktionswaschmittel weder Alkalien (Fettlöser) noch Bleichmittel verwendet, ebenso keine Enzyme (Eiweißlöser). Stattdessen konzentriert sich ein Funktionswaschmittel auf hochwertige Tenside, die über die Materialverträglichkeit des Reinigungsmittels entscheiden. Das Motto des F100-Funktionswaschmittels von Wack Chemie lautet: bestmögliche Reinigung bei bestmöglicher Materialschonung.
Ein Problem: Auf den Waschetiketten der Textilien sind selten genaue Waschanleitungen zu finden. Zum Beispiel steht dort nicht, dass ein Vollwaschmittel dem Produkt schaden kann. Auf den Verzicht von Weichspüler weisen derweil einige Etiketten hin, was auch wichtig ist. Denn Weichspüler verhindern eine wirkungsvolle Imprägnierung des Textils. Sie legen sich um die Fasern und mindern so deren Reibung gegeneinander. Daher fühlen sich die Stoffe nach dem Waschen angenehm weich an. Imprägnierstoffe für Textilien arbeiten nach dem gleichen Prinzip. Diese können sich also nach einem Waschen mit Weichspüler nicht mehr an den Fasern festsetzen, da diese bereits belegt sind.
Neben diesen Feinheiten, sagt Botterbrodt, sei es in vielen Fälle wichtig ist, den Kunden selbst auf banal klingende Dinge für das Waschen von Funktionstextilien hinzuweisen, zum Beispiel: Die Waschtrommel nicht überladen, am besten nur zwei Funktionsteile zusammen hineingeben; die Mechanik der Maschine berücksichtigen. „Der Händler sollte sich hier das Motto zu eigen machen: Es ist nie zu viel geredet“, empfiehlt Botterbrodt.
Zwei Drittel der Reklamationen beruhen laut der Schöffel-Mitarbeiterin auf Pflegefehlern. Botterbrodt verschweigt nicht, dass diese Quote auch mit Beratungsfehlern beziehungsweise fehlender Beratung am PoS zu tun hat, andernfalls wäre die Reklamationsquote deutlich niedriger. Ihre Tipps für den Kunden: Besser mit wenig Waschmittel häufiger waschen als mit viel Waschmittel seltener. Ärmelbündchen und Kragen, die Abschnitte, die direkt mit der Haut in Kontakt kommen, sollten separat häufiger gereinigt werden. Alle drei bis vier Wäschen sollte der Nutzer die Bekleidung imprägnieren, entweder über ein Wash-in-Produkt oder ein Spray. Vorteil des Sprays: Exponierte und stärker beanspruchte Stellen (z.B. Schultern) können separat besprüht werden. Häufiges Waschen von Funktionstextilien greift keinesfalls die Membran an, betont Botterbrodt. Im Gegenteil: Von Zeit zu Zeit müsse sogar gewaschen werden, da die Membran sonst verstopfe und ihre Funktionen einbüße.
Nach der Reinigung ist die Imprägnierung der nächste Schritt. Textilimprägnierer bilden eine wasserabstoßende Schicht auf der Kleidung, so dass sich die Fasern nicht vollsaugen können. Ein Imprägnierspray wird auf dem Kleidungsstück dünn und gleichmäßig aufgetragen (ohne den Stoff zu durchnässen). Dann sollte das Textil gut auslüften; eine anschließende Wärmebehandlung (z.B. Trockner oder Fön) kann die Imprägnierwirkung verstärken. Unter chemischen Gesichtspunkten funktioniert ein Imprägnierer aufgrund der so genannten Oberflächenspannung (OS), erklärt Mario Kraft aus der Abteilung Forschung und Entwicklung bei Wack Chemie: „Der Imprägnierer reduziert die Oberflächenspannung des Textils im Vergleich zur Oberflächenspannung der Flüssigkeit: Wasser perlt also ab.“
Kraft erklärt auch, wie ein Imprägnierer chemisch funktioniert: „Nach dem Aufsprühen auf ein Textil schwirren die Moleküle zunächst an der Oberfläche. Das Lösemittel im Imprägnierer sorgt dafür, dass sich die Moleküle mit der Oberfläche verankern – dies braucht ein bisschen Zeit. Anschließend entfalten die Moleküle Schutzschilde, die etwa einem Regenschirm ähneln. Diese hindern die Flüssigkeit daran, in die Oberfläche einzutauchen.“
Neben Imprägnierern, die Lösemittel aufweisen, gibt es so genannte wässrige Imprägnierer, die Emulgatoren enthalten. Kraft ist allerdings der Meinung, dass sich diese Emulgatoren bei Regen auswaschen und somit Stellen in der Schutzschicht freigeben, durch die Wasser ins Textil eindringen kann. Lösemittel würden dafür sorgen, dass sich die Imprägniermoleküle besser auf dem Textil verankern.
Nach dem Reinigen und Imprägnieren ist die Geruchsentfernung der dritte Schritt der Outdoorausrüstungspflege. Bei vielen Polyesterteilen haben Sportler schon die Erfahrung gemacht, dass die Kleidungsstücke nach dem Waschen gleich beim ersten Tragen wieder müffeln. Gerüche liegen chemisch in bestimmten funktionellen Gruppen vor, denen Geruchskiller zu Leibe rücken können. Hartmut Hauber, Leiter der Anwendungstecknik bei Wack Chemie, erklärt, dass es zwei Arten von Geruchsentfernern gibt: komplexbildende und enzymatische. „Komplexbildende Geruchsentferner (z.B. Febréze, d. Red.) docken an ein Geruchsmolekül an und verhindern so, dass dieses den Rezeptor in der Nasenschleimhaut erreicht.“ Das Geruchsmolekül wird somit maskiert und blockiert; ein Vorgang, der reversibel ist, das heißt unter Umständen wieder rückgängig gemacht wird.
Anders arbeiten die enzymatischen Geruchsentferner: „Ein Enzym zerschlägt die chemische Verbindung des Geruchsmoleküls“, veranschaulicht Hauber. Das Enzym stehe danach weiterhin zur Verfügung, könne also weitere Geruchsmoleküle zerstören. Dieser Vorgang sei nicht rückkehrbar; der Geruch würde also dauerhaft vermieden. Einen Schritt früher setzen Geruchsentferner an, die mit Silberionen arbeiten (z.B. Polygiene). Diese beugen der Geruchsbildung vor, indem sie das Bakterienwachstum von vornherein verhindern.
Fazit des Textilpflegeseminars: Die Experten bemängeln immer wieder das Pflege-Know-how der Anwender, was sie auf mangelndes Wissen beim Endkunden, aber auch beim Händler zurückführen. Viele Kunden würden ihre Funktionsbekleidung entweder gar nicht oder nur mangelhaft pflegen. Umso mehr eröffnen sich aber auch Chancen für den Fachhändler: Chancen auf Zusatzverkäufe und auf einen zufriedenen Kunden, der sich gut beraten fühlt und lange Freude an seinem Kauf hat.