GfK-Daten für 2013
Harte Fakten: Die Marktzahlen der Gesellschaft für Konsumforschung zum Sportmarkt im ersten Quartal 2013.
mehrIm Jahr 1989 hat der ehemalige Fußballprofi Rudi Sprügel eine Marke gegründet, die heute zu den „Big Playern“ des Teamsportmarktes zählt: Jako. spomo hat sich mit dem Unternehmensvater zu einem Gespräch in seiner Heimat in Hollenbach getroffen
Jako-Gründer Rudi Sprügel ist im Großen und Ganzen zufrieden: „In den vergangenen zwei Jahren konnten wir unseren Umsatz zwischen fünf und acht Prozent steigern“. Für das gesamte Geschäftsjahr 2011 beziffert der Mann, der die Marke einst zwischen den Flüssen Jagst und Kocher gründete, den weltweiten Umsatz auf 70 Millionen Euro. Einzig die Schwächephase, die das Unternehmen im letzten Quartal 2011 durchleben musste, trübt Sprügels Stimmung ein wenig. Dennoch gibt er sich optimistisch: „Saisonale Schwankungen in dieser Phase sind keine Besonderheit, daher ist das Minus von zehn Prozent auch kein Grund, unruhig zu werden.“ 180 Mitarbeiter beschäftigt Jako nach eigenem Bekunden auf den rund 12.000 Quadratmetern in Hollenbach, rund 60 Kilometer südlich von Würzburg. Darunter sind auch die zwei Töchter von Rudi Sprügel – insgesamt arbeiten acht Mitglieder der Sprügel-Großfamilie im Unternehmen.
Der deutsche Markt, den ein zwölfköpfiges und fest angestelltes Außendienstteam betreut, bringe dem Unternehmen nach wie vor zwei Drittel des Gesamtumsatzes, des Weiteren sei Benelux zunehmend bedeutender.
Nach den Beschaffungs- und Preisproblemen in den vergangenen Jahren sieht Sprügel seine Marke gut aufgestellt für die anstehenden Aufgaben: „Wir haben durch unseren direkten Kontakt zu unseren Lieferanten, mit denen wir zum Teil schon länger als 15 Jahre zusammenarbeiten, die schwierigen Monate überstanden.“ Auf dieser Basis möchte Sprügel den Umsatz im zweistelligen Prozentbereich steigern. „Phasen wie zum Ende des vergangenen Jahres wird es immer geben“, analysiert der Chef mit der Erfahrung von über 30 Jahren.
Die Gründe für das schwächelnde Quartal sind in Hollenbach weitgehend bekannt. „Das Weihnachtsgeschäft hat nicht mehr die Wertigkeit wie noch vor fünf Jahren, das milde Wetter hat den Absatz der typischen Winterartikel gehemmt und der Wettbewerb war sehr gut bestückt und auch bei Auslaufware lange lieferfähig“, analysiert Sprügel.
Umstände, an denen auch der Fachhandel nichts ändern kann. Dieser spielt für Jako nach eigener Aussage eine entscheidende Rolle. „Ein Großteil der Vereine weiß nicht, zu welchem Ausstatter er greifen soll. Der Händler vor Ort hat hier natürlich viele Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen“, weiß Sprügel um die Wichtigkeit. „Der stationäre Handel entscheidet, welche Marken er favorisiert darstellt.“ In puncto Rabatten wird er allerdings nachdenklich: „Ich fürchte, das Ganze hat gerade im Internet einen Punkt erreicht, an dem es nur noch sehr schwer einzugrenzen ist.“ Entscheidend sei hier, Einzelgespräche zwischen Hersteller und Händler zu führen, in denen kalkulatorische Aspekte im Mittelpunkt stünden. „Es muss darüber gesprochen werden, ob bestimmte Aktionen Sinn machen und ob es möglich ist, den Markt durch Regulierungen zu besänftigen.“
Auch auf der Fläche sieht der 54-Jährige noch viel Entwicklungspotenzial. Als Erstes fällt dem Vorstandsvorsitzenden die Art der Warenpräsentation ein. „Die Händler sollten Warengruppen klarer herausarbeiten“, fordert er. „Die Ladenoptik ist oft sehr verwässert, es fehlen die Strukturen.“ Diesem Thema hat sich das Unternehmen analog zum Markenrelaunch im Jahr 2009 angenommen: Jako bietet den Partnern im Fachhandel nicht nur Shop-in-Shop-Systeme zur CI-konformen Präsentation der Artikel, sondern auch ein Umfangreiches NoS-Programm mit den zugehörigen Möbeln wie zum Beispiel den Hosenpräsentern. Die Resonanz darauf sei positiv: „Das Feedback aus dem Handel und die Auswertungen der Zahlen zeigen, dass unser Artikelprogramm bei strukturierter Präsentation und Nachbestellung sehr gute LUGs erzielen kann.“
Zum Thema E-Commerce in der Kombination mit stationärem Fachhandel hat er genaue Vorstellungen: „Der Mix aus Persönlichkeit und Onlineangebot muss stimmen. Wer erfolgreich sein will, muss seine Persönlichkeit einbringen und seine Produkte unbedingt auch im Netz anbieten. Angst vor Technik ist hier fehl am Platz.“ Auch von den Verbundgruppen fordert Sprügel, dass sie Anschluss hielten an die „elektronischen Hilfestellungen“, wie er es nennt. Es mangele hier an der Unterstützung der Verbände. „Gerade Händler, die keine Affinität zum Web haben – nicht zur Generation der so genannten ‚Digital Natives‘ gehören – benötigen von den Verbänden Unterstützung beim Eintritt in das Web-Geschäft.“
Um bei „einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis und der hohen Qualität der Produkte immer lieferfähig zu sein“, hat Jako seinen Lieferzyklus von vier bis fünf Monate auf „zwei bis drei Monate verkürzt“. Zudem hat das Lager am Firmensitz in Hollenbach eine Größe von rund 10.000 Quadratmetern, auf denen ungefähr 30.000 Produkte lagern. „Seit dem Spatenstich am 5. März sind wir dabei, noch mehr Lagerfläche zu schaffen und so unsere Performance von über 95 Prozent Lieferfähigkeit in den kommenden Jahren zu bestätigen und zu verbessern.“ Außerdem habe Jako an Produktgruppen wie Running und Casual gearbeitet und große Anstrengungen unternommen, das Portfolio in diesen Segmenten zu optimieren. Das Ergebnis: eine breite Farbenvielfalt, neue Basic-Programme, zahlreiche Produktergänzungen und -abrundungen.
Für seine „Statuskunden“ lässt sich der Chef jedes Jahr etwas Besonderes einfallen. Ein Fest, eine Reise oder sonstige Events – wichtig sei ihm dabei der persönliche Charakter. „In den 22 Jahren sind schon richtige Freundschaften entstanden“, erzählt der Firmengründer.
Sprügel hat im Jahr 1989 nach seiner aktiven Fußballer-Laufbahn die Marke gegründet. Heute sieht sich der 54-Jährige als derjenige, „der die Mitarbeiter pusht, motiviert und unterstützt.“ Sprügel geht mittlerweile am liebsten Golfen – Handicap 11. „Fußball und Tennis gehen leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr“, sagt er. Für ihn ist Golf die beste „Ausgleichs- und Bewegungstherapie“. Der ehemalige aktive Teamsportler will den Teamsportcharakter in seinem Unternehmen haben: „Ich versuche, den Teamsportgedanken, das Miteinander, tagtäglich in unsere Arbeit zu integrieren. Wir wollen gemeinsam unsere Ziele erreichen. Die Zeit der Einzelkämpfer ist definitiv vorbei!“ Es sei vor allem notwendig, immer offen zu sein für Veränderungen, wie eben beim Thema E-Commerce. Oder aber für neue Produktgruppen.
Hier wartet Sprügel mit einem echten Novum auf: Ende Februar ist die neue und junge Marke Pitch auf die Fläche der Händler gekommen – Jako hat sich hier für die nächsten zehn Jahre die Lizenzrechte gesichert. Pitch wird über den Jako-Außendienst vertrieben. Motto der Marke, das auf der Homepage zu lesen ist: „Pitch ist allen gewidmet, die immer Fußballprofi werden wollten und jetzt doch nur Popstar, Anwalt, Modemacher sind. Denen, für die alles im Leben ein Spiel ist – außer Fußball.“ Vorteil laut Jako: Die Klamotten sind attraktiv, modisch und aus hochwertiger Baumwolle – die Fläche im Handel werde dadurch „deutlich aufgewertet“. Rabatte spielten hier aufgrund der Wertigkeit der verwendeten Materialien und der Positionierung der Marke keine Rolle.
Jako-Marketingmanager Tobias Röschl zeigt sich sicher: „Wir haben überhaupt keine Zweifel, dass die Marke funktionieren wird, der Markt dafür ist da. Es ist eine befruchtende Symbiose zum üblichen Sortiment eines Sportfachhändlers.“ Auf der kürzlich aktivierten Homepage www.pitch-football.de sieht man bekannte Fußballer wie Gerald Asamoah, Christian Pander oder Heiko Butscher, die allem Anschein nach Gefallen an den stylischen Klamotten, die komplett in der Türkei produziert werden, gefunden haben.
Für dieses Jahr plant Rudi Sprügel nach eigener Aussage ein zehnprozentiges Wachstum. Der gute Start ins Jahr bestärke ihn hier. „Die belastenden Faktoren haben sich beruhigt, wir haben kleine Dinge verbessert. Außerdem werden wir sehr großen Wert legen auf die Verbesserung unseres Webauftritts, hier werden wir in diesem Jahr richtig Gas geben. Die Kommunikation zu unseren Kunden soll sich dadurch erheblich verbessern“, kündigt Sprügel an. Auf längere Sicht hat der Gründer einen Traum: Gerne würde er einen deutschen Champions League-Teilnehmer ausstatten. „Wenn‘s geht, Bayern München“, sagt er und lacht.
Sich immer und stetig weiterentwickeln, nicht stehen bleiben – das ist es, was der Macher möchte. Auf sein bisheriges Lebenswerk sei er nicht stolz, denn „Stolz ist ein komisches Wort“. Er freut sich schlicht über das Geleistete, hat dabei seine Nachfolge immer im Blick: „Die Integration ist im Gange“, verrät er. Rudi Sprügel sieht die Zukunft positiv, obwohl er der Meinung ist, dass die Zeiten „immer verrückter“ werden. Gerade das weitere Pitch-Standbein trage dazu bei, die Zukunft positiv zu gestalten, sagt Sprügel. Schließlich will er im kommenden Jahr nicht wieder über ein „schlechtes Quartal“ reden müssen.