Skisocken: Premiumprodukte für die Füße


Im Schnee ist fast nichts schlimmer als kalte Hände und eisige Füße. Dies kann den Skispaß gehörig trüben. Zu den wichtigsten Eigenschaften von Skisocken und ihren Weiterentwicklungen für die Saison 2012/13 äußern sich hier führende Marken

Entscheidend für den Wohlfühlfaktor im Schnee ist das Temperaturempfinden. Zu kalt ist genauso unangenehm wie zu warm. Aber wenn die Füße erstmal richtig durchgefroren sind, kommt so schnell kein Winterspaß mehr auf. Umso wichtiger ist, Socken in der richtigen Größe und mit individueller Passform zu finden. Sind sie zu klein, wird es schnell kalt (das kennt man von Handschuhen), sind die zu groß, verrutschen sie und verursachen Druckstellen und Blasen.

„One fits all“ ist obsolet

Als wichtigstes Kriterium für die Auswahl einer Ski-/Snowboardsocke bezeichnen die Hersteller die Passform. „One fits all ist hier der falsche Ansatz“, betont die Schweizer Marke X-Socks und erklärt: „Erstens aufgrund der unterschiedlichen Anatomie von Frauen- und Männerfüßen. Zweitens wünschen sich weibliche Kunden oft besonders warme Skistrümpfe.“
Frauen haben meist einen schlankeren Vorfuß, einen niedrigeren Rist und eine schmalere Ferse als Männer. Zudem spielt bei wadenlangen Strümpfen der Wandenansatz eine Rolle: „Bei Männern sitzt dieser weiter oben und ist meist ausgeprägter als bei Frauen“, erläutert der Socken-Experte Reiner Kopf von Smartwool. Falke benennt zudem Fesselumfang und Dehnmaße als weitere Eckpunkte, die den geschlechterspezifischen Strumpfaufbau beeinflussen. Die Falke-Verkäufe würden zeigen, dass das Modell SK1, ein extrem warmer Skistrumpf mit gefilzter Sohle, nur von Frauen gekauft werde; der SK5, ein sehr dünner Strumpf für den leistungsorientierten Einsatz, eine überwiegend männliche Trägerschaft habe. Auch die unterschiedlichen Designvorstellungen der Geschlechter hinsichtlich Farbe und Farbkombinationen sprechen für ein spezifisches Angebot.

Wolle und/oder Synthetik

Die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen wirken sich ebenfalls auf das Material von Skisocken aus. So ist beispielsweise der Anteil von Merinowolle in den Damenmodellen der X-Socks höher. Generell hat sich – ähnlich wie bei Funktionswäsche – eine Kombination mehrerer Materialien durchgesetzt, zumeist aus Merinowolle und Synthetik. „Nach wie vor ist Wolle als Basismaterial für die breite Masse der Skibegeisterten eine bewährte Qualität“, heißt es von Falke. In Verbindung mit Funktionsmaterialien, die für Temperaturausgleich und Schweißtransport sorgen, bleibe Wolle mit seinen wärmenden, antibakteriellen und robusten Eigenschaften das optimale Trägermaterial.

Funktion liegt im Detail

X-Socks bezeichnet die „Symbiose aus funktionellem Detail und Material“ als Basis jeder Sockenentwicklung. Die Hohlkammerfaser Robur – verarbeitet in den Polstern für Achillessehne, Rist, Knöchel und Schienbein – soll zum Beispiel Druck und Stöße dämpfen. Die Faser Xitanit werfe, ähnlich einer silbernen Rettungsdecke, Wärmestrahlen zum Körper zurück.
Bei Smartwool liegt die Begeisterung für Merinowolle in der Natur der Marke. Bei Socken gebe es „eigentlich keine Alternative zu Merino. Natürlich kommt es auch auf die Qualität der Merinowolle und auf ihre Verarbeitung an.“ Ein geringer Nylonanteil und Elastan würden die Eigenschaften von Merino unterstützen. Laut Rohner hat sich im Winter die Kombination aus der temperaturregulierenden Outlast-Faser mit Merinowolle und Climayarn (Polypropylen und Merinowolle von Schoeller) durchgesetzt.

Jedem Schuh seine Socke

Bei der eingangs erwähnten Passform stellt sich die Frage, inwiefern die Skisocke mit dem Skischuh oder Snowboardboot korrespondieren muss. Muss der Sportler seinen Skischuh mit ins Sportgeschäft schleppen, um ein Paar Skistrümpfe zu kaufen? Die Hersteller sind sich einig: Ja! „Gerade jetzt, wo die Skischuhe immer passgenauer werden und Customized-Produkte auf dem Vormarsch sind“, begründet Eva-Maria Berndsen (Falke), sollten Skisocken und Skischuhe gemeinsam ver- und gekauft werden. Plastisch formuliert es Michael Raab für die X-Socks: „So wie zu einem Ferrari nicht die Reifen eines Fiat 500 passen, so benötigt ein sportlicher Skischuh mit Flex 100 eben auch einen anderen Strumpf als den dicken zuhause.“ Der Verkäufer sollte also die Chance nutzen – und zwar in seinem und im Sinne des Kunden, der mit der richtigen Socke erst das Potenzial seines Schuhs auskosten kann,  empfiehlt Smartwool.

„Minimum drei Paar“

Bei der Frage „Wie viele Paar Skistrümpfe braucht der Wintersportler?“ gehen die Meinungen der Marken leicht auseinander. Von Falke heißt es mit einem Augenzwinkern: „Natürlich jedes Jahr fünf Paar neue in den passenden Farben der Saison!“ Auch hier komme es jedoch sehr stark auf die Fahrweise und den Nutzungsgrad an. Falke empfiehlt, für den Saisoneinstieg ein dickeres Paar Skisocken, um dann nach den ersten Abfahrten auf das dünnere Ursprungsmodell zu wechseln. Dies soll zum Skiauftakt die Belastung auf Gelenke sowie Druckstellen verringern. Zudem müsse der Sportler für verschiedene Temperaturen ausgestattet sein. Vier bis fünf Paar Skisocken sollten laut Falke zur Grundausrüstung gehören.
Für die klassische Skiwoche empfiehlt Smartwool mindestens zwei Paar, besser drei Paar Skisocken: eins am Fuß, während eines trocknet und ein Ersatzpaar im Rucksack. CEP rechnet mit einem Paar Skisocken pro zwei Tage.

Einhellig ist die Meinung der Hersteller, dass Skistrümpfe ein sehr erklärungsbedürftiges weil technisches Produkt sind. Außerdem seien die Artikel zu hochpreisig, um als reiner Mitnahmeartikel unbedacht gekauft zu werden. Bei denjenigen Kunden, die ihre Skisocken online kaufen, erkennt Falke eine bestimmte Käuferschicht: „Es sind Endverbraucher, die uns kennen, die ihr Produkt beim Namen nennen und wissen, dass sie auf beständige Qualität und immer gleiche Passform zählen können“, weiß Eva-Maria Berndsen. Auch CEP ist der Ansicht, dass sich der Onlinekauf anbietet, „sollte man seine Marke und Lieblingsart kennen“.
X-Socks verweist darauf, dass es sich bei Skisocken um Premiumprodukte handelt, die eine hervorragende Beratung am PoS erfordern. Im Anschluss daran sei ein Folgegeschäft über die Onlineplattform des Fachhändlers durchaus denkbar.

Noch nicht alle erreicht

Zwar stagniert die Anzahl an Skifahrern derzeit; diese aber informieren sich laut X-Socks sehr genau über ihr Material und suchen Innovationen. Wachstumspotenzial auf dem Markt für Skisocken sei definitiv vorhanden. „Es werden noch viel zu viele normale Socken getragen, anstatt den Komfort mit entsprechenden Skisocken zu erhöhen“, beschreibt CEP die Situation. Auch Falke habe noch nicht alle Endverbraucher erreicht: „Unsere Produkte sind nicht nur für bereits geübte Fahrer oder Topsportler, sondern auch oder gerade für Anfänger geeignet, die Unterstützung, Komfort und Schutz benötigen.“
Rohner setzt in der Wintersaison 2012/13 insbesondere auf Freestyle-Produkte mit modischen und ausgeflippten Mustern. X-Socks spielt seinen Ski Radiactor als Trumpf aus, wenn es um direkten Kontakt und hohe Wärmeleistung geht. Die Xitanit-Faser soll die Körperwärme reflektieren und so für ein optimales Verhältnis zwischen Wärmeleistung und Materialstärke sorgen. Falke hat die neue Saison unter das Thema Farbe gestellt. Knallige Töne und eigenständige Farbkonzepte für Frauen und Männer sollen für neidische Blicke im Skikeller sorgen. Smartwool präsentiert die technischen Socken der PhD-Linie in der neuen Merinowollqualität Reliawool. Die PhD-Modelle sollen dadurch „sehr viel robuster und langlebiger sein“.

An den leistungsorientierten Skifahrer richtet sich CEP mit den Skiing Compression Race Socks. Der besonders dünne Funktionsstrick ermögliche eine direkte Kontaktübertragung vom Fuß zum Ski. Der hohe Kompressionsgrad unterstütze die Ausdauerfähigkeit des Sportlers; vor Geruchsbildung sollen eingearbeitete Silberionen schützen.